Sicherheitskräfte eröffnen im Osten Myanmars das Feuer auf Demonstranten

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Demonstranten in Yangon

Im Osten Myanmars haben Sicherheitskräfte nach Angaben von Augenzeugen erneut das Feuer auf Demonstranten eröffnet. In der Stadt Hpa-An im Bundesstaat Karen hätten die Polizisten sowohl Gummigeschosse als auch scharfe Munition gegen Protest-Teilnehmer eingesetzt, sagte ein Demonstrant am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Der UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechtslage in Myanmar, Tom Andrews, forderte einen internationalen Krisengipfel. Großbritannien und die USA kündigten indessen Sanktionen gegen Unternehmen an, die von der Junta kontrolliert werden.

Demonstranten in Hpa-An hatten am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) damit begonnen, Sandsäcke als Barrieren auf den Straßen von Hpa-An zu errichten. Kurz darauf rannten zahlreiche Soldaten und Polizisten auf die Straße und versuchten, die Protest-Teilnehmer mit Blendgranaten auseinanderzutreiben. Insgesamt seien rund 50 Schüsse gefallen, sagten Augenzeugen. Ein Student sei am Oberschenkel getroffen worden und werde medizinisch behandelt.

Die Demonstranten ließen sich von der Polizeigewalt aber nicht abhalten. Im Verlauf des Tages gab es in der Stadt mehrere Spontan-Demonstrationen, bei denen die Teilnehmer zum Zeichen ihres Protests drei Finger in die Höhe streckten.

Der UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechtslage in Myanmar, Andrews, kritisierte die Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf das Vorgehen der Junta als nicht weitreichend genug. "Die begrenzten Sanktionen, die von den Mitgliedsstaaten verhängt wurden, beschneiden nicht den Zugang der Junta zu Einnahmen, mit deren Hilfe sie ihre illegalen Aktivitäten aufrechterhält", teilte er mit.

Er forderte eine "diplomatische Offensive" und schlug einen internationalen Krisengipfel zu Myanmar vor, an auch dem die Nachbarstaaten des südostasiatischen Landes beteiligt werden sollten. "Die Bedingungen in Myanmar verschlechtern sich und sie werden wahrscheinlich noch schlimmer, wenn nicht sofort eine starke internationale Antwort" erfolge, erklärte Andrews.

Großbritannien und die USA kündigten indessen Sanktionen gegen den von der Militärjunta kontrollierten Großkonzern Myanmar Economic Holdings Limited an.

Das Unternehmen mit zahlreichen Tochtergesellschaften dominiert nach Angaben des US-Finanzministeriums wichtige Wirtschaftssektoren in Myanmar, darunter den Handel mit Alkohol, Zigaretten und Konsumgütern. Das Militär "kontrolliert durch diese Holdinggesellschaften bedeutende Teile der Wirtschaft des Landes", hieß es in einer Erklärung.

Mit den Sanktionen wolle Großbritannien die Quelle für die "Unterdrückungskampagnen gegen die Zivilbevölkerung trockenlegen" sagte der britische Außenminister Dominic Raab. Washington kündigte zusätzlich Sanktionen gegen das Unternehmen Myanmar Economic Corporation Limited (MEC) an, das ebenfalls in Verbindung mit dem Militär stehe.

In Myanmar hatte das Militär am 1. Februar gewaltsam die Macht an sich gerissen. Der Putsch beendete eine zehnjährige Phase des demokratischen Wandels in dem südostasiatischen Land. Die Junta sieht sich seitdem massiven Protesten gegenüber und reagiert mit brutaler Gewalt gegen Demonstranten. Bei Protesten wurden bislang mehr als 2600 Menschen festgenommen. Nach Angaben myanmarischer Menschenrechtsaktivisten wurden bereits mehr als 280 Menschen getötet. Die Junta beziffert die Zahl der Toten auf 164 und bezeichnet die Opfer als "gewaltsame Terroristen".

Das gewaltsame Vorgehen der Junta hat auch zu einer Fluchtbewegung aus Myanmar geführt. Laut Staatsmedienberichten griff die Polizei in der Nacht zum Donnerstag 14 Jugendliche auf, die versucht hatten, aus der Handelsmetropole Yangon - dem Zentrum der Proteste - in den Osten des Landes zu flüchten. Teile von Ost-Myanmar werden von bewaffneten Rebellen kontrolliert. Im Bundesstaat Karen beherbergt die Rebellengruppe Karen National Union nach eigenen Angaben bereits hunderte Flüchtlinge aus anderen Landesteilen.

gap/bfi