Sicherheitskreise: In Ägypten festgenommene Deutsche wollten sich IS anschließen

Zwei in Ägypten festgenommene deutsche Staatsbürger stehen nach Angaben aus ägyptischen Sicherheitskreisen im Verdacht, sie hätten sich IS-Kämpfern in dem Land anschließen wollen. Ein 23-jähriger Mann aus Göttingen sei bereits nach Deutschland abgeschoben worden, hieß es am Freitag aus Sicherheitskreisen in Kairo. Das Abschiebeverfahren gegen einen 18-Jährigen aus Gießen laufe noch. Die Generalstaatsanwaltschaft Celle prüft den Fall des 23-Jährigen.

Der Mann aus Göttingen war im Dezember am Flughafen von Kairo festgenommen worden. Vor seiner Abschiebung verzichtete der Doppelstaatsbürger nach Angaben aus Kairoer Sicherheitskreisen auf seine ägyptische Staatsbürgerschaft.

Der 18-Jährige war demnach ebenfalls im Dezember am Flughafen von Luxor festgenommen worden. In seinem Besitz hätten sich Karten des nördlichen Sinai befunden, wo eine ägyptische Untergruppe der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) immer wieder Anschläge verübt. Den Angaben zufolge wollte sich der 18-Jährige den IS-Kämpfern anschließen.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts bestätigte, dass der 23-Jährige aus Göttingen in der Nacht nach Deutschland zurückgereist sei. Zum Schicksal des 18-Jährigen sagte er, bisher gebe es nur eine Bestätigung aus Kairo, dass er sich im Gewahrsam der ägyptischen Behörden befinde. Die deutschen Behörden bemühten sich intensiv um konsularischen Zugang.

Zu möglichen Kontakten der beiden jungen Männer zur IS-Miliz äußerte sich der Sprecher nicht. "Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes" könne er zu weiteren Details nichts sagen.

Derweil rückt der 23-Jährige in den Fokus der deutschen Justiz. "Aufgrund der in ägyptischen Medien bekanntgewordenen Informationen prüft die Generalstaatsanwaltschaft Celle, ob Anhaltspunkte für hier verfolgbare Straftaten vorliegen", sagte eine Sprecherin der Behörde der Nachrichtenagentur AFP. Weitere Erklärungen könnten zu dem Sachverhalt derzeit nicht abgegeben werden.

Nach Informationen des SWR ist der 23-Jährige den deutschen Behörden als mutmaßlicher Islamist bekannt. Demnach hatte er Kontakte in die Hildesheimer Islamistenszene. Zudem soll es gegen ihn in der Vergangenheit ein Verfahren wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat gegeben haben.

Der 18-Jährige, der in Kairo seinen Großvater besuchen wollte, und dann der 23-Jährige waren im Dezember direkt nach der Einreise nach Ägypten spurlos verschwunden. Anfang der Woche gab die Bundesregierung bekannt, dass sie in Ägypten vermisst würden.

Am Dienstagabend bestätigte das Auswärtige Amt, dass der 23-Jährige aus Göttingen von den ägyptischen Behörden festgehalten werde. Der Verbleib des zweiten Vermissten war damals noch unklar. Laut dem Auswärtigen Amt behandeln die meisten Staaten, auch Deutschland, Doppelstaatler jeweils wie eigene Staatsangehörige.

Ägypten hat seinen Kampf gegen den IS auf dem Sinai nach Anschlägen deutlich verschärft. Im Februar vergangenen Jahres hatte die ägyptische Armee nach einem Angriff auf eine Moschee mit mehr als 300 Toten einen Anti-Terror-Einsatz auf dem Sinai gestartet, um die IS-Kämpfer von der Halbinsel im Nordosten Ägyptens zu vertreiben. Seitdem wurden nach Angaben eines Armeesprechers 450 mutmaßliche Dschihadisten getötet.