Ägyptens Ex-Präsident Mursi ist tot

Ägyptens Ex-Präsident Mohammed Mursi

Der frühere ägyptische Präsident Mohammed Mursi ist tot. Wie aus Justiz- und Sicherheitskreisen in Kairo verlautete, brach der 67-Jährige am Montag bei einer Gerichtsanhörung zusammen und starb später im Krankenhaus. Der islamistische Politiker war der erste demokratisch gewählte Präsident Ägyptens. Er war aber nur ein Jahr an der Macht und wurde nach Massenprotesten im Juli 2013 vom Militär gestürzt. Mursi und tausende andere Islamisten wurden in Massenprotesten verurteilt.

Mursi habe bei der Gerichtsanhörung am Montag fünf Minuten lang vor dem Richter gesprochen, sagte ein Justizvertreter. Dabei habe er sich sehr aufgeregt und sei in Ohnmacht gefallen. Der Ex-Präsident sei schnell ins Krankenhaus gebracht worden, dort aber gestorben. Es hätten weder Puls noch Atmung festgestellt werden können, wie das Büro des Generalstaatsanwalts mitteilte. Sein Körper habe keine "neuen sichtbaren Verletzungen" aufgewiesen.

Der mit der islamistischen Muslimbruderschaft verbundene Mursi hatte im Frühjahr 2012 die erste Präsidentschaftswahl nach dem Sturz des langjährigen ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak gewonnen. Nach seinem Sturz im Juli 2013 ließ der damalige Armeechef und heutige Präsident Abdel Fattah al-Sisi die Proteste der Mursi-Anhänger mit aller Härte niederschlagen.

Mursi wurde inhaftiert, vor Gericht gestellt und in mehreren Prozessen zu lebenslanger Haft und weiteren langen Gefängnisstrafen verurteilt. Ihm wurde unter anderem Spionage für den Iran, Katar und die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas vorgeworfen. Ein gegen ihn verhängtes Todesurteil wurde wieder aufgehoben.

In dem Prozess, in dem Mursi im Mai 2015 zum Tode verurteilt wurde, ging es um Gefängnisausbrüche und Gewalt gegen Polizisten beim Aufstand gegen Mubarak 2011. Im November 2016 hatte das ägyptische Kassationsgericht die Todesstrafe aufgehoben und einen neuen Prozess angeordnet. Noch vor dem neuen Urteil starb Mursi nun.

Auch tausende Mitglieder und Anhänger der Muslimbruderschaft wurden damals festgenommen und in international kritisierten Schauprozessen zum Tode oder zu langen Haftstrafen verurteilt. Hunderte weitere Anhänger der seit Dezember 2013 als "Terrororganisation" verbotenen Muslimbruderschaft wurden bei Einsätzen der Sicherheitskräfte getötet.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der enge Beziehungen zu Mursi unterhalten hatte, würdigte den früheren Präsidenten als einen "Märtyrer". Mursis Nachfolger al-Sisi bezeichnete Erdogan als einen "Tyrannen", der sich an die Macht geputscht habe. Der Westen habe dazu geschwiegen, sagte Erdogan in Istanbul. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, Mursi sei bei dem Putsch zwar entmachtet worden, "aber die Erinnerung wird nicht ausgelöscht werden".

Erdogan machte die ägyptische Regierung für Mursis Tod verantwortlich. "Die Geschichtsschreibung wird niemals jene Tyrannen vergessen, die seinen Tod verursachten, indem sie ihn ins Gefängnis steckten und ihm mit der Hinrichtung drohten", sagte er. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Ägypten liegen auf Eis, seit Mursi 2013 aus dem Amt gedrängt wurde.

Auch die Muslimbruderschaft warf der Regierung vor, für den Tod des Ex-Präsidenten verantwortlich zu sein. Die Behörden hätten ihm "die grundlegendsten Menschenrechte" vorenthalten. Sie hätten ihm keine Medikamente gegeben und ihn in Einzelhaft gehalten.

Sarah Leah Whitson, Direktorin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch im Nahen Osten, schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, Mursis Tod sei schrecklich, aber "völlig vorhersehbar" gewesen, da die Regierung ihm keine angemessene medizinische Versorgung ermöglicht habe. Auch andere Mitglieder der Muslimbruderschaft starben in Haft.

Der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, drückte bei Twitter seine "tiefe Trauer" über den "plötzlichen Tod" Mursis aus. Katar zählte zu den führenden Unterstützern Mursis während dessen Amtszeit.

Die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas würdigte Mursis "langen Kampf im Dienste Ägyptens und seiner Bevölkerung" und lobte sein Engagement für die "palästinensische Sache". Mursi war ein enger Verbündeter der Hamas-Bewegung.