Islamischer Staat nimmt Anschlag von London für sich in Anspruch

1 / 2

Trauerfeier in London

Hunderte Menschen versammelten sich zum Gedenken an die Anschlags-Opfer in der britischen Hauptstadt. "Die Londoner lassen sich niemals vom Terrorismus einschüchtern", sagte Bürgermeister Sadiq Khan

Nach dem Anschlag in London deutet alles auf einen islamistischen Hintergrund hin: Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat am Donnerstag für sich. Der Angreifer wurde als vorbestrafter Brite identifiziert. Premierministerin Theresa May erklärte, Großbritannien werde sich nicht einschüchtern lassen durch den Terrorismus. Neben dem Angreifer wurden bei dem Anschlag drei Menschen getötet. Die Opferzahl erhöhte sich am Donnerstag, als ein Mann seinen Verletzungen erlag.

Der Attentäter hatte am Mittwoch im Regierungsviertel zwei Fußgänger und einen Polizisten getötet, bevor er selbst erschossen wurde. Ein bei dem Anschlag schwer verletzter 75-Jähriger starb am Donnerstagabend im Krankenhaus. Es ist der erste Anschlag auf britischem Boden, den der IS für sich in Anspruch nimmt.

Premierministerin May verurteilte den Anschlag bei einer Rede vor den Abgeordneten im Parlament. "Wir haben keine Angst, und unsere Entschlossenheit wird angesichts des Terrorismus niemals wanken", sagte sie nach einer Schweigeminute im Unterhaus.

Am Donnerstagabend versammelten sich hunderte Menschen zum Gedenken an die Opfer in der britischen Hauptstadt. "Die Londoner lassen sich niemals vom Terrorismus einschüchtern", sagte Bürgermeister Sadiq Khan auf dem Trafalgar Square. Auf dem Platz im Herzen Londons zündeten die Teilnehmer der Trauerkundgebung Kerzen an oder legten Blumen nieder. Auf Schildern waren Botschaften wie "Hass wird uns nicht spalten" zu lesen. "Wir haben keine Angst", lautete eine andere Parole.

Bei dem Attentäter handelt es sich nach Angaben der britischen Polizei um den 52-jährigen Khalid Masood, der auch unter verschiedenen Decknamen bekannt war. Der gebürtige Brite lebte demnach zuletzt in der Region West Midlands. Dort liegt auch die Stadt Birmingham, die als Hochburg der Islamistenszene in Großbritannien gilt. Laut BBC wurde das bei dem Anschlag verwendete Fahrzeug in Birmingham angemietet.

Masood war der Polizei wegen diverser Vergehen bekannt, darunter Körperverletzung und Waffenbesitz, er galt aber nicht als Gefährder und es liefen derzeit keine Ermittlungen gegen ihn. May zufolge war Masood jedoch vor einigen Jahren bei Ermittlungen zu "gewalttätigem Extremismus" als "Randfigur" ins Visier des Geheimdienstes MI5 geraten.

Der IS bekannte sich laut seinem Sprachrohr Amaq zu der Tat: "Die Operation folgte dem Aufruf zu Angriffen auf die Länder der Koalition", schrieb Amaq. Der Begriff "Koalition" bezieht sich auf die internationale Militärallianz, die den IS in Syrien und im Irak bekämpft.

Polizisten stürmten nach dem Anschlag sechs Wohnungen in Birmingham, London und anderen Orten in Großbritannien, wie der Terrorabwehr-Chef von Scotland Yard, Mark Rowley, sagte. Drei Frauen und fünf Männer wurden wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Terroranschlags festgenommen. Über den Angreifer sagte Rowley, dieser sei wohl "vom internationalen Terrorismus" angestiftet worden.

Masood hatte am Mittwochnachmittag auf der Westminster-Brücke mit seinem Auto Fußgänger angefahren und dabei eine 43-jährige Britin und einen US-Touristen getötet. Anschließend erstach er eine Wache vor dem Parlament. May würdigte den unbewaffneten Polizisten als "Helden". US-Präsident Donald Trump bekundete den Hinterbliebenen des getöteten US-Bürgers sein Beileid. Nach Angaben seiner Familie war er mit seiner Frau auf Europa-Reise, das Paar sollte demnach am Donnerstag zurück in die USA fliegen.

29 Verletzte wurden nach Polizeiangaben am Donnerstag noch im Krankenhaus behandelt, darunter mehrere ausländische Touristen. Die Bundesregierung ging davon aus, dass unter ihnen auch eine Deutsche ist.

Auch die britische Königin Elizabeth II. bekundete ihre Anteilnahme. "Meine Gedanken, Gebete und mein tiefes Mitgefühl sind bei denjenigen, die von der schrecklichen Gewalt gestern betroffen waren", erklärte die Queen. Der UN-Sicherheitsrat gedachte in einer Schweigeminute der Opfer.

Die Attacke im Londoner Regierungsviertel ereignete sich am Jahrestag der Brüsseler Anschläge mit 32 Toten. Es war der schwerste Anschlag in Großbritannien seit Juli 2005, als vier Selbstmordattentäter in U-Bahnen und Bussen in London 52 Menschen mit in den Tod rissen.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen