Skandal: AfD-Politiker vergleicht Kinder mit Behinderung mit ansteckenden Patienten

Mit den Stimmen von CDU, SPD und den Linken hat der Landtag einen Antrag der AfD nach mehr Förderschulen für das Saarland abgelehnt. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Josef Dörr sorgte dabei für Entsetzen, als er in einer Rede gegen Kinder mit Behinderung ätzte.

Josef Dörr sorgte im Landtag für Empörung (Bild: Getty Images)

Während einer Debatte zum Thema Förderschulen hatte Josef Dörr zwischen “normalen“ und “kranken“ Kindern unterschieden. Laut “Saarbrücker Zeitung“ sagte er konkret: “Was aber unter keinen Umständen geht, ist, dass in dem gleichen Krankenhaus oder der gleichen Abteilung dann auch Menschen sind mit übertragbaren Krankheiten, schweren ansteckenden Krankheiten.“ Dieses Bild treffe auch auf die Situation in Schulen zu. Durch die Inklusion würden an Schulen “Kinder mit Downsyndrom unterrichtet (…) mit anderen Kindern, die ganz normal, gesund sind“.

Interessenverbände von Menschen mit Behinderung reagierten sofort. “Die Äußerungen des AfD Fraktionsvorsitzenden Josef Dörr können nur als in höchsten Maße menschenverachtend bezeichnet werden. Sie entlarven in beklemmender Weise aber den ‘Geist’ dieser Partei und ihrer Vertreter. Das sollte uns hellhörig machen und in Alarmbereitschaft bringen“, erklärte Traudel Hell vom Verein Miteinander Leben Lernen.

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Auch der SPD-Abgeordnete Jürgen Renner zeigte sich entrüstet. Schüler mit ansteckenden Krankheiten zu vergleichen und darüber zu urteilen, was normal ist und was nicht, sei gefährlich: “Es kennzeichnet aber ihre Gedankenwelt. Insofern muss man Ihnen ja schon fast dankbar sein, dass Sie es hier gesagt haben, wie Sie ticken im Kopf und auf welche Vorläufer Sie sich berufen.“

“Das ist einfach unwürdig”

Bildungsminister Ulrich Commerçon sagte: “Das einzige, was krank ist, ist das Menschenbild, das dahintersteckt.“ Das Saarland habe ein anderes Menschenbild. “Die Würde des Menschen ist unantastbar und alle Menschen sind gleich. Und was anderes darf es in Deutschland und im Saarland nie wieder geben.“ Und auch der CDU-Abgeordnete Hermann Scharf kritisierte: “Bei Behinderungen von Kranken zu sprechen, das ist einfach unwürdig.”

Es sei das Prinzip von Rechtsextremen, mit kalkulierten extremistischen Äußerungen empörte Reaktionen auszulösen und öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen, erklärte Bernhard Strube vom Bündnis für Inklusive Bildung: “Aber solche bewusst ausgrenzende Sprache, wie die des Abgeordneten Dörr, muss immer wieder geächtet werden, sie darf sich nicht mehr etablieren.“