Skandal-Show in Großbritannien: Wird hier Hitlers Kunst zerstört?

Ausgerechnet Jimmy Carr: Auch am Moderator entzündet sich die Kritik an der kontroversen Show auf Channel 4. (Bild: Tim P. Whitby / Getty Images for Warner Bros.)
Ausgerechnet Jimmy Carr: Auch am Moderator entzündet sich die Kritik an der kontroversen Show auf Channel 4. (Bild: Tim P. Whitby / Getty Images for Warner Bros.)

 

Kann man ein Werk vom Künstler trennen? Die kürzlich aufgezeichnete Sendung "Jimmy Carr Destroys Art" des britischen Senders Channel 4 erhitzt die Gemüter. Gastgeber Jimmy Carr wird - bei entsprechender Entscheidung des Publikums - Werke von Hitler und Picasso zerstören.

Das Konzept der Show klingt, als wäre der Skandal einkalkuliert: Der britische Fernsehsender Channel 4 geriet kürzlich in die Kritik, weil er eine Sendung plant, in der das Studiopublikum nach Informationen des "Guardian" unter anderem darüber entscheiden soll, ob Comedian und Gastgeber Jimmy Carr ein Gemälde von Adolf Hitler zerstören soll oder nicht. Channel 4 erwarb im Rahmen seiner letzten Programmankündigung Werke von Künstlern wie Hitler, Pablo Picasso, dem verurteilten Pädophilen Rolf Harris oder dem Sexualstraftäter Eric Gill.

Ende des Monats will der Sender in einer Fernsehdebatte, die den Namen "Jimmy Carr Destroys Art" - auf Deutsch: Jimmy Carr zerstört Kunst - trägt, die Frage stellen, ob ein Kunstwerk wirklich von seinem Schöpfer getrennt werden kann. Entscheidet sich das Publikum für die Zerstörung, kommen eine breite Palette an Hilfsmitteln infrage. Laut Channel 4-Programmchef Ian Katz zelebriere "Jimmy Carr Destroys Art" eine lange Tradition des Senders in Sachen "Respektlosigkeit".

Klar, dass eine solche Idee Kritik auslöst. Der Holocaust Memorial Day Trust erklärte, die Sendung mache "Hitler zu einem Thema der leichten Unterhaltung". Die Frage, inwieweit Kunst mit ihren Schöpfern in Verbindung gebracht werden kann, sei wichtig, "aber diese Sendung ist einfach ein Schockeffekt-Stunt und kann die Trivialisierung der Schrecken des Nationalsozialismus nicht entschuldigen", erklärte die Geschäftsführerin der Organisation, Olivia Marks-Woldman.

Der Moderator machte Witze über den Holocaust

Die Show, die am Mittwochabend aufgezeichnet wurde, wurde von einigen Kritikern gar mit den Bücherverbrennungen der Nazis verglichen, die damals selbstdefinierte "entartete Kunst" zerstörten. Außerdem wurde nachgefragt, wie ausgerechnet ein Mann, der von Anti-Hass-Gruppen für Holocaust-Witze gerügt wurde, durch eine solche Sendung führen kann. Auch die Frage, ob man historische Artefakte - unabhängig vom Schöpfer - überhaupt destruieren darf, stand im Raum.

Der Journalist und Antisemitismus-Aktivist Jonathan Sacerdoti nannte die Sendung im LBC-Radio ein "absolut krankes Stück Unterhaltungsfernsehen". Sein Urteil steht fest: "Das ist keine Debatte über Meinungsfreiheit, das ist ein verzweifeltes Bemühen um Aufmerksamkeit". Hitler, erklärte Sacerdoti dazu, war in der Welt nicht für die Qualität seiner Kunst bekannt. "Der einzige Grund, warum wir von Hitlers Kunstwerken wissen, ist, dass er den Holocaust verewigt und durchgeführt hat, indem er mehr als sechs Millionen Juden ermordete ... und sie haben einen Komiker mit einer Geschichte, der Witze über den Holocaust macht."

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