Skelett ausgestellt: Hobby-Archäologe führt älteste noch bestehende Holzhandlung Kölns

Wiljo Schumacher ist Holzhändler und Hobby-Archäologe.

Als er in seiner Holzhandlung von den großen Leidenschaften seines Lebens erzählt, zitiert Wiljo Schumacher Faust. „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“, sagt der studierte Holzwirt.

Doch statt einen Pakt mit dem Leibhaftigen zu schließen, hat sich Schumacher, Jahrgang 1945, in jungen Jahren pragmatisch für den Familienbetrieb und gegen das Studium von Archäologie und Kunstgeschichte entschieden: „Archäologie kann man nebenbei machen, Holzhandel nicht.“

Privatmuseum auf dem Grundstück

Diesem Pragmatismus ist es zu verdanken, dass in der Südstadt nicht nur die älteste noch bestehende Holzhandlung der Stadt zu finden ist (gegründet 1830, als noch ein Großteil der Hölzer mit riesigen Flößen auf dem Rhein transportiert wurden), sondern seit nunmehr 20 Jahren auch ein kleines Privatmuseum – auf dem gleichen Grundstück.

Gelegen zwischen Achter und Annostraße, vermag das nämlich 2000 Jahre Geschichte zu erzählen. Dass sich darin auch das Thema Holz wiederfindet, verwundert kaum.

Schumacher hat die Einbauschränke in einem früheren Büro zu Vitrinen umbauen lassen. Gefüllt sind sie und der Rest des kleine Zimmers mit Fundstücken, die im Laufe der Jahre bei Arbeiten auf dem Grundstück zutage traten: Vasen, Ringe, Dokumente, Bilder, römische Grabbeigaben, steinerne Kapitelle aus dem Mittelalter.

2002 ließ Schumacher die Halle im Innenhof, die als Holzlager dient, abreißen und auf neuen Fundamenten wieder errichten – für den Hobby-Archäologen eine großartige Gelegenheit. „Wenn Sie in Köln graben, stoßen sie ja immer erst auf die Tasse der Großmutter, dann auf das Mittelalter und irgendwann auf die Römer“, sagt Schumacher.

Gebäude eines der ersten in der Stadt in diesem Stil

Die Besuchergruppen, die er nach Vereinbarung über das Grundstück führt, besichtigen zwischen den Regalen des Holzlagers auch Überreste der früheren Bauten, darunter eine Madonna und zwei Fratzen, die die Eingänge des neogotischen Wohnhauses seines Urgroßvaters von 1901 bewachten. Laut Schumacher war das Gebäude eines der ersten in der Stadt in diesem Stil, bevor es im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Davor standen auf dem Grundstück zwei Klöster (erst hatte im 14 Jahrhundert ein Beginenorden hier gebaut, dann waren Cellitinnen hier zuhause) und eine 1892 errichtete Volksbadeanstalt.

Unbestrittener Höhepunkt ist sicher das römische Ziegelgrab samt Skelett aus dem ersten Jahrhundert. Schumacher verweist auf die damalige Lage außerhalb der befestigten Stadt, wo die Bewohner ihre Toten bestatteten. Mark Benecke, Kriminalbiologe und bekannt aus dem Fernsehen, ist Schumachers Mieter im Vorderhaus.

Er hatte das Skelett – eines von mehreren, die hier unter der Erde liegen – untersucht und die Knochen arrangiert.

„Das ist eben das, was die Zeit erfordert“

Schumacher erzählt und schlägt mühelos die großen Bögen: zwischen dem 40 Jahre alten Syrer, der wohl als römischer Soldat an den Rhein kam und dessen Knochen nun in seinem Hof liegen, und den Einwanderungswellen heute; zwischen dem Holzhandel, der für die Dächer der Kirchtürme und Profanbauten der Stadt so wichtig war, und dem heutigen Treiben auf der Hohe Straße, in dem so mancher Kulturkritiker die reine Konsumlust sieht.

„Das ist eben das, was die Zeit erfordert“, sagt er. Gleiches gelte auch für das aktuelle Sortiment seines Holzhandels, den er längst an jüngere Nachfolger übergeben hat. Gefühlige Nostalgie scheint ihm fremd zu sein.

Den Kleingeistern setzt er die Geschichte entgegen: „Den Mix, den gab es schon immer“, sagt er. Zwischen den bedeutsamen Zentren London und Rom gelegen, habe sich Köln schon in der Antike nicht den globalen Dimensionen entziehen können.

Sein historisches Interesse ist ernsthafte Neugier. Bewahren, sammeln, zeigen und forschen – diesem Credo habe er sich verschrieben, sagt er. Aus dem Stadtmuseum hat er Kapitelle übernommen. Sie gehörten zu den Klostern, die früher hier standen und ergänzen seine eigenen Funde.

Zwei steinerne Aschekästen aus der römischen Zeit, die lange in einer nahen Gasse im Freien verrotteten, ließ er restaurieren und stellt sie nun aus.

Stolz auf Holzpfeiler aus einer römischen Kaimauer

Und immer wieder stößt er auf Holz: Das Grab des syrischen Römers erinnert an ein Haus, das der Tote nach dem Dahinscheiden bewohnt. Der Bestattungsritus hatte sich kurz zuvor geändert, wegen gestiegener Holzkosten: „Leichen verbrennen wurde zu teuer“, sagt Schumacher.

Und ein weiteres Exponat in seinem Hof verbindet seine beiden Seelen: Holzpfeiler aus einer römischen Kaimauer, Teil eines antiken Hafens. „Das ist das älteste in Köln verbaute und erhaltene Holz“, sagt der Holzhändler und Hobby-Archäologe stolz....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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