Sklaven und Plantagenbesitzer: US-Schule in der Kritik wegen Kostüm-Ideen

Corrie Davis holt ihren Sohn von der Schule ab, nachdem dieser als „Sklave“ angesprochen wurde. (Bild: AP Photo)

An einer Schule nahe Kennesaw Mountain im US-Bundestaat Georgia wurden die Schüler kürzlich gebeten, sich als Figuren aus dem amerikanischen Bürgerkrieg zu verkleiden. Den Kindern sollte so die Geschichte der Vereinigten Staaten näher gebracht werden. Doch das Event gab bei einigen Eltern Anlass zu Bedenken.

Die Big Shanty Intermediate School selbst liegt an einem der Berggipfel, an denen Soldaten der Konföderierten im 19. Jahrhundert ihre Kanonen auf die Unionstruppen abfeuerten. Die Schüler sollten in Kostümen einige der Szenen von damals nachstellen und sich auf diese Weise mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Doch die Idee ging nach hinten los. Ein als weiße Plantagenbesitzerin verkleidetes Mädchen soll zu einem afro-amerikanischen 10-Jährigen, der sich an diesem Tag nicht verkleiden wollte, gesagt haben: „Du bist mein Sklave.“ Corrie Davis, die Mutter des Jungen, ist nun mehr als aufgebracht.

Corrie Davis machte, tief berührt von diesem Vorfall, ein emotionales Video, in dem sie erklärte, wie betroffen sie von dem Ereignis war. Mehr als 74.000 Mal wurde der Clip bereits auf Facebook angesehen.

Darin sagte sie: „Ich möchte, dass Sie verstehen, welchen Schmerz Sie meinem Sohn verursacht haben. Das wirft uns in eine Zeit zurück, in der Menschen ermordet wurden, Menschen starben und als Menschen im Besitz von Menschen waren.”

Corrie Davis plädiert für eine andere Art des Unterrichts. (Bild: AP Photo)

In dem Video sagt Davis weiter: „Wenn sie verlangen, dass das Kostüm so genau wie möglich sein soll … wird irgendein Kind natürlich auch als Plantagenbesitzer in die Schule kommen”, sagte Davis in ihrem Video. „Mein Sohn wird in der Schule scheinbar als Sklave betrachtet.“

Nachdem sich Davis bei der Schulleitung darüber beschwert hatte, dass so eine Diskriminierung an der Schule möglich sei, reagierte auch die Lehreinrichtung. John Stafford, Sprecher der Schule, sagte gegenüber der „New York Post“ in einem kurzen Statement: „Niemand war gezwungen, sich zu verkleiden, und jeder Schüler, der das tat, wurde weder angewiesen noch gezwungen, sich in einem bestimmten Kostüm zu zeigen.”

Andy Mink, ehemaliger Lehrer und jetzt Vizepräsident eines Bildungsprogramms an der Universität von Kalifornien, sagte in Bezug auf die Diskussion der „New York Post“, dass Schüler am besten lernen, schwierige historische Ereignisse wie den Bürgerkrieg zu verstehen, wenn sie über sie reden und unterschiedliche Perspektiven einnehmen.

Bereits seit einigen Jahren gibt es in den USA Spannungen in Bezug auf Denkmäler und Flaggen, die mit der pro-sklavischen Konföderation verbunden werden. Letztere wollte sich eigentlich von der Union trennen, verlor aber schließlich den Bürgerkrieg und die Sklaverei wurde endgültig abgeschafft.

Bisher ist noch unklar, ob der Bürgerkrieg-Tag nach diesem Vorfall im nächsten Jahr an der Big Shanty Intermediate School ähnlich gefeiert wird wie noch in diesem Jahr.

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