Wie ein skrupelloser Machthaber Mo Salah ausnutzt

Ramsan Kadyrov (l.) ernannte Mo Salah zum Ehrenbürger von Tschetschenien

Mit Mohamed Salah fotografiert zu werden, ist wohl einer der größten Wünsche all jener Muslime, die sich für Fußball begeistern. Für sie ist der Angreifer des FC Liverpool und der ägyptischen Nationalmannschaft so eine Art Halbgott in kurzer Hose. 

Am Montag wurde Salah mit einem Mann abgelichtet, der einen sehr zweifelhaften Ruf genießt: Ramzan Akhmadovich Kadyrov. Aber einem generösen Gastgeber schlägt man den Wunsch nach einem gemeinsamen Foto wohl nicht ab.

Kadyrov ist seit 2007 Präsident der muslimisch geprägten russischen Teilrepublik Tschetschenien und spielt seitdem mit Wladimir Putin regelmäßig einen fragwürdigen Doppelpass. Der 41-Jährige sorgt für Ruhe in einem Krisengebiet, Moskau dankt dies mit Geld und freier Hand beim Regieren.


Salah wird extra geweckt

Bei der WM ist Grosny, die Hauptstadt Tschetscheniens, WM-Hauptquartier der Ägypter - zum Entsetzen von Menschenrechtsorganisationen, die Kadyrov zahlreiche Verbrechen zur Last legen.

Kadyrov war wohl wenig begeistert, als die ägyptische Mannschaft am Montag vor gut 8000 Zuschauern in der Achmat-Arena in Grosny trainierte - und Salah nicht dabei war. Er ließ seinen Wagen in das nur fünf Minuten Fußweg entfernte Hotel schicken.

Der Star wurde aus seinem Nachmittagsnickerchen gerissen und umgehend in das Stadion gefahren, wo er von Kadyrov zu einem großen Auftritt genötigt wurde. Wieder einmal nutzte Tschetscheniens Herrscher einen Sportler, um sein Image aufzupolieren.

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Bewerbungs-Kick mit Matthäus und Elber

Ursprünglich wollte der selbstherrliche Kadyrov sogar WM-Spiele nach Grosny holen. Zu diesem Zweck wurde im März 2011 ein Spiel in der neu erbauten und nach Kadyrovs ermordetem Vater benannten Achmat-Arena zwischen einer tschetschenischen Auswahl und einer brasilianischen Mannschaft veranstaltet.


Für Tschetschenien spielten unter anderem Lothar Matthäus - und Kadyrov persönlich: Er erzielte zwei Tore. Für die Brasilianer traten unter anderem Giovane Elber, Carlos Dunga oder Romario an.

Kritik von Human Rights Watch

Nun, mit dem WM-Spiel hat es nicht geklappt, aber zu den 67 Standorten, an denen die 32 Mannschaften während der WM ihren Hauptsitz einrichten konnten, gehörte Grosny dann doch. Grosny als Quartier für ein WM-Team zuzulassen und damit Kadyrov eine Bühne zu geben, sei "schockierend und ungeheuerlich", sagte Jane Buchanan von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gleich bei der Bekanntgabe des ägyptischen Quartiers, es sei eine "Schande" ergänzte sie. 

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Nicht zuletzt, weil Tschetschenien muslimisch geprägt ist, wurde die Hauptstadt zunächst von Tunesien, dann auch von den Iranern und den Saudis als WM-Quartier ernsthaft in Erwägung gezogen - die Ägypter handelten schließlich am schnellsten und wohnen nun alleine in einem Fünf-Sterne-Hotel in Downtown Grosny, wo die Angestellten arabisch sprechen. Sie haben Zugang zu einer der größten Moscheen Europas und zu Halal-Essen. In der ganzen Stadt hängen ägyptische Fahnen - kein Wunsch soll unerfüllt bleiben. 


Kadyrov werden freilich schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, unter anderem die Verfolgung Homosexueller und ein gnadenloser Umgang mit Oppositionellen. Kadyrov ist Muslim und Anhänger des sunnitischen Sufismus.

FIFA äußert sich

Die Scharia zähle für ihn mehr als Russlands Gesetze, hat er verkündet. "Wir haben aus der Liste ausgewählt, die uns die FIFA gab", sagte der ägyptische Teammanager Ihan Leheta der New York Times, "wenn die Leute ein Problem mit Grosny haben, sollten sie mit der FIFA sprechen".

Von der FIFA gab es auf die Vorwürfe von Menschenrechtlern wie Buchanan zur Wahl von Grosny die erwartbare Antwort: Es bestehe "kein Zweifel", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme, dass der Weltverband "jegliche Art der Diskriminierung", auch "Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung", verurteile.

Offensichtlich ist der FIFA entgangen, dass diese Stellungnahme im Widerspruch zu Einstellung und Gebaren Kadyrovs steht.

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