Skurrile Praktiken: Verhütungsmethoden im Altertum

Über viele Jahrhunderte hinweg wurde Paaren nicht zugestanden, ihre Familienplanung selbst in die Hand zu nehmen. Doch Geschlechtstrieb und Fortpflanzung unter einen Hut zu kriegen, war vor allem für Frauen überlebenswichtig. Mittel zur Empfängnisverhütung waren deshalb, so vermutet man heute, schon in der Steinzeit bekannt.

Krokodildung und Kondome aus Fischblasen

Schriftlich dokumentiert wurden sie jedoch zum ersten Mal im Alten Ägypten. Der medizinische „Papyrus Kahun“, der etwa aus dem Jahr 1850 vor Christus stammt, gilt als eines der ersten Fachbücher über Frauenheilkunde. Manch ein Rezept von damals klingt äußerst skurril: Frauen sollten Krokodilexkremente in saurer Milch auflösen und in ihre Vagina einführen. Alternativ täte es auch Honig mit etwas Soda. Diese Mittel dürften aber tatsächlich gewirkt haben: Saure Milch stört die empfindliche Scheidenflora, und der klebrige Honig hindert Spermien am Eindringen.

Ein anderes beliebtes Verhütungsmittel im Alten Ägypten waren selbstgemachte Tampons, die aus Honig und Akazienblättern gerollt wurden. Akazien enthalten Gummi arabicum und damit Milchsäure, zusammen mit dem Honig dürften sie die Spermien gleich ganz abgetötet haben. Auch Granatäpfel wurden verwendet: Ihre zahlreichen stark wirksamen Polyphenole hemmen die Bildung von Östrogenen. Auf diese Weise sollte eine Befruchtung der Eizelle verhindert werden. Selbst Diaphragmen waren damals vermutlich schon in Gebrauch: Ein Vorläufer des Scheidenpessars dürften Zitronenschalen gewesen sein, die sich die Frauen über den Muttermund stülpten.

Ebenfalls sehr früh waren Verhütungsmethoden in Asien bekannt. In Japan schützten Männer sich mit dem „Kabutogata“, einer Art Vorläufer des Kondoms, das aus Leder und Schildkrötenpanzer hergestellt wurde. Das Kabutogata war zwar wenig gefühlsecht, dafür lange haltbar. Auch in Ägypten kannte man Kondome – dort experimentierte man allerdings lieber mit Tierdärmen. In Indien rieben Frauen ihre Vagina mit Elefantenkot ein; im Gegensatz zum Krokodildung, der in Ägypten verwendet wurde, hatte dieser allerdings mehr Wirkung. Der Kot des Dickhäuters enthält viel Säure und stört so die Scheidenflora. Kondome aus Tierdärmen oder Fischblasen waren noch bis ins neunzehnte Jahrhundert hinein das Mittel der Wahl. Selbst Casanova machte von ihnen Gebrauch.

Wissen geriet in Vergessenheit

Zwar konnte keine dieser Verhütungsmethoden eine hundertprozentige Sicherheit garantieren – wirklich schädlich waren sie aber auch nicht. Und: Sie zeigen, dass die Menschheit bereits vor drei- bis viertausend Jahren erstaunlich gute Verhütungsmethoden kannte – auch wenn selbstverständlich keine von ihnen einen hundertprozentigen Schutz versprach. Umso erstaunlicher ist, dass ein Großteil dieses Wissens, insbesondere im Mittelalter, in Vergessenheit geriet. Statt der oft gar nicht so abwegigen Rezepte mussten dann Beschwörungsformeln und magische Rituale herhalten, und Frauen, die es besser wussten, hielt man für Hexen. Einen hundertprozentigen Schutz für Frauen beim Geschlechtsverkehr gab es erst nach 1960 – nachdem die Antibabypille erfunden wurde.

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