Skurrile Verwechslung bei Bild TV: Wolfgang Schäuble oder Wolfgang Bosbach?

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Wolfgang Bosbach 2018 bei einem Event in München (Bild: Hannes Magerstaedt/Getty Images)
Wolfgang Bosbach 2018 bei einem Event in München (Bild: Hannes Magerstaedt/Getty Images)

Ein Journalist hat bei Bild TV aus Versehen Wolfgang Bosbach für die politischen Leistungen Wolfgang Schäubles gelobt und von allen Teilnehmern Zustimmung geerntet. Skurril: In der Runde saß auch die Tochter von Wolfgang Bosbach. Sie sei sehr stolz auf ihren Vater.

Absurde Szene bei Bild TV: Der Journalist Hans-Ulrich Jörges saß kürzlich in der Nachrichtensendung „Viertel nach Acht“ und beschwerte sich dort über die „Kaltstellung“ des CDU-Politikers Wolfgang Bosbach. Die wolle er nicht so einfach akzeptieren, immerhin habe Bosbach „wirkliche Verdienste um dieses Land“. 

Dazu zähle, so Jörges, dass Bosbach „Berlin zur Hauptstadt gemacht“ und „den Einigungsvertrag mit Ostdeutschland ausgehandelt, also die Einheit hergestellt“ habe. Aus diesen Gründen könne sich Jörges für Bosbach ein hohes Amt im Land vorstellen.

Bosbach hat sich 2017 aus der Politik zurückgezogen

Während Jörges diese angeblichen Leistungen Bosbachs aufzählt, nickten die restlichen Anwesenden der Runde – darunter der Moderator des Formats, Paul Ronzheimer, und auch die Tochter von Wolfgang Bosbach, Caroline Bosbach. Die sagte sogar merklich gerührt, dass die Worte sie stolz machten.

Nur: Keiner dieser Verdienste geht tatsächlich auf Wolfgang Bosbach zurück. Der sitzt auch seit vier Jahren nicht mehr im Bundestag. Im Jahr 2016 sagte er in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur: „Mit Ablauf dieser Wahlperiode werde ich meine politische Arbeit endgültig beenden.“ Neben persönlichen Gründen sei der folgende ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen: „In einigen wichtigen politischen Fragen kann ich die Haltung meiner Partei nicht mehr mit der Überzeugung vertreten, wie ich sie gerne vertreten würde – und wie ich sie auch vertreten müsste, falls ich noch einmal für die CDU für den Bundestag kandidieren würde.“

Wer war dann gemeint?

Wenn aber nicht Wolfgang Bosbach gemeint war, wer dann? Das konnte Twitter schnell aufklären. Dort wurde ein Ausschnitt der Viertel nach Acht-Sendung mit Jörges über das Wochenende vielfach geteilt und kommentiert.

Ein User schrieb, dass der Journalist offenkundig Wolfgang Schäuble gemeint habe. Der mittlerweile dienstälteste Abgeordnete der deutschen Parlamentsgeschichte hat tatsächlich 1990 als damaliger Innenminister den Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR unterschrieben. Darin stand, Artikel 1, Absatz 2: Berlin soll Hauptstadt sein.

Einfacher Abgeordneter: Für Schäuble kein Problem

Und was ebenfalls passt: Schäuble, als scheidender Bundestagspräsident, steht gerade vor einem Schritt in die hintere Reihe. Denn: Das Amt des Bundestagspräsidenten oder der Bundestagspräsidentin wird stets von der stärksten Fraktion besetzt. Das ist nun nicht mehr die Union, sondern die SPD.

Der 79-Jährige Schäuble, der seit 49 Jahren ununterbrochen Parlamentarier ist, sagte dazu kürzlich der Tagesschau, dass er um die Möglichkeit wisse, „als einfacher Abgeordneter zu enden“ – und dass das kein Problem für ihn sei. 

Die ganze Verwechslung sorgte in den Tagen danach auf Twitter für Hohn und Spott. Da hieß es beispielsweise: „Wer erinnert sich nicht daran, wie Wolfgang Bosbach den Einigungsvertrag verhandelt und Berlin zur Hauptstadt gemacht hat? Schade, dass diese Verdienste nicht reichen, ihn zum Admiral der Sternenflotte zu machen.“ Andere urteilten über das Bild-TV-Format an sich: „Ist das ein neues Comedy Format? Nicht schlecht gemacht.... Kenn das gar nicht.“ Oder: „Keine Sorge, die 11 Zuschauer haben den Lapsus auch nicht bemerkt.“

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