So erschließen sich Ältere die digitale Welt

In speziellen Kursen wie hier SeniorenComputerClub Berlin, lernen ältere Menschen, wie man einen Rechner bedient oder sich im Internet zurechtfindet.

Die Enkel sind nur per E-Mail erreichbar, die Bank um die Ecke existiert nicht mehr: Der Umgang mit PC oder Tablet wird für Senioren immer wichtiger. Wie man ihn lernt und das passende Gerät findet.

Berlin (dpa/tmn) - Die Bank im Dorf gibt es nicht mehr, Geld überweisen läuft jetzt online - doch wie soll das gehen? Der Gang zum Einkaufen fällt nicht mehr so leicht - aber kann man es wagen, Lebensmittel im Internet zu bestellen? Diese Fragen beschäftigen viele ältere Menschen.

Aus Sicht von Günter Voß ist es wichtig, dass sie sich mit dem Digitalen auseinandersetzen. «Medienkompetenz ist Altersvorsorge», betont der Koordinator des Senioren-Computer-Clubs Berlin-Mitte.

Man komme mit anderen Menschen in Kontakt oder könne ihn halten, führt Voß aus - zum Beispiel zu den Enkeln, die in fernen Ländern unterwegs sind. Aber welches Gerät ist dafür sinnvoll? Muss es ein spezieller Senioren-PC sein? Oder reicht ein Tablet?

Speziell auf Senioren zugeschnittene Geräte

Verschiedene Hersteller haben speziell konfigurierte Computer, Smartphones und Tablets auf den Markt gebracht, die für Senioren leichter zu handhaben sein sollen. Die Geräte sind auf wesentliche Funktionen reduziert, haben große Icons und liefern Erklärtexte, wie Ingolf Leschke von der Zeitschrift «Computer Bild» erläutert.

Dietmar Kroschel, Inhaber einerSenioren-Computerschule im Westerwald, empfiehlt einen Laptop mit 17-Zoll-Bildschirm. Weniger als 15 Zoll (38,1 Zentimeter) Diagonale sollte es nicht sein. Eine weitere Möglichkeit ist der Kauf eines zusätzlichen Monitors, an den man den Laptop zu Hause anschließen kann.

Bedienung der Maus ist Übungssache

Dazu kommen Tastatur und Maus und bei Bedarf ein Multifunktionsgerät, das Dokumente oder Fotos drucken, faxen, scannen und kopieren kann. Voß rät, vor dem Kauf alles anzufassen - und zu testen, wie die Geräte in der Hand liegen. Kroschel weiß: «Viele betrachten die Maus erst einmal als Fremdkörper, den sie nur ganz vorsichtig bewegen.» Mit Training ändert sich das jedoch.

Beim Betriebssystem raten Kroschel und der Webdesigner Reinhard Gundal zu Microsoft Windows 10 mit dem Office-Paket unter anderem für E-Mails und Textbearbeitung. «Es ist das gängigste, und für alle Apps, zumindest was diese Klientel betrifft, besser geeignet», sagt Gundal, der an der Volkshochschule Mainz PC-Kurse für Senioren gibt.

Gerade weil es so weit verbreitet sei, finden Ältere bei Windows 10 leichter Hilfe, ergänzt Kroschel. Manchen reiche aber auch das kostenlose Open-Office-Paket als Bürosoftware sowie Mozilla Thunderbird als Mailprogramm.

Soll es ein Smartphone oder Tablet sein, rät Günter Voß, einen Stift zur Bedienung zu nutzen. Der erleichtert es, Symbole und Buchstaben auszuwählen, was die Finger vielleicht nicht mehr präzise können.

Digitales Wissen erarbeiten

Wer ungeübt auf dem digitalen Feld ist, kann spezielle Kurse belegen. Dort werden die Vorgänge erklärt und Ängste abgebaut. «Wir versuchen, das langsam und in einfachen Worten zu erklären», schildert Günter Voß die Kurse, die sein Senioren-Computer-Club anbietet.

Kinder oder Enkelkinder sind zwar eine Hilfe, oft aber nur bedingt. Sie erklären die Vorgänge nicht, sondern lösen Probleme lieber schnell selbst oder per Fernzugang zum PC, meint Dietmar Kroschel.

Sich selbstständig im Digitalen zurechtzufinden, ist aus Sicht von Reinhard Gundal aber ein ganz zentraler Punkt: «Ohne ein gewisses Maß an Grundwissen geht die Lust ganz schnell verloren und die PC-Welt wird frustriert ad acta gelegt.»