So nachhaltig haben Menschen vor Jahrtausenden am Amazonas gelebt

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Archäologische Untersuchungen von Amazonas-Bodenproben hat jetzt gezeigt, dass die Menschen dort rund 5.000 Jahre lang ohne nennenswerten Einfluss auf die Natur gelebt haben.

Kinder und Jungedliche des Yagua-Stammes bei Iquitos, Peru (Bild: Sergi Reboredo/VW PICS/Universal Images Group via Getty Images)
Kinder und Jungedliche des Yagua-Stammes bei Iquitos, Peru (Bild: Sergi Reboredo/VW PICS/Universal Images Group via Getty Images)

Im Einklang mit der Natur leben: Während der Lebenswandel moderner Gesellschaften stark zulasten der Umwelt geht, haben es indigene Völker vor Jahrtausenden geschafft, den Artenreichtum von Pflanzen und Tiere zu erhalten.

Zeugen aus der Vergangenheit: versteinerte Pflanzenreste

Dieses Ergebnis legt eine aktuelle Studie nahe, die unter der Führung der Paläoökologin Dolores Piperno vom Smithsonian-Tropeninstitut entstanden ist. Dazu hat das Forschendenteam Regenwald-Bodenproben aus dem nordöstlichen Peru untersucht. Genauer: Es hat Bodenproben unters Mikroskop gelegt und fossile Hinweise entdeckt, wie der Mensch früher die Natur beeinflusst hat. Im Fokus stand dabei sogenanntes Phytolith, das ist laut Spektrum „vorwiegend aus Pflanzenresten bestehendes, kalkiges, kieseliges und brennbares Gestein, entstanden durch die Tätigkeit von Pflanzen“.

In der Studie, die diese Woche im Journal PNAS veröffentlicht wurde, heißt es: „Wir präsentieren Daten aus Phytolith- und Kohleproben, die zeigen, dass die Wälder in frühgeschichtlichen Zeiten nicht gerodet, bewirtschaftet oder anderweitig signifikant verändert wurden.“ Das folgerten die Forschenden vor allem aus dem Vorkommen von damals dominanten Palmenarten, die im Laufe der Zeit und trotz menschlicher Existenz nicht zunahmen. Was darauf hindeutet, so die Studie, dass die Menschen keinen nennenswerten Einfluss auf die Natur nahmen.

Der Regenwald in Peru bietet zahlreichen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum. Doch der Mensch rodet immer mehr Fläche (Bild: Getty Images)
Der Regenwald in Peru bietet zahlreichen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum. Doch der Mensch rodet immer mehr Fläche (Bild: Getty Images)

Keine großflächige Kultivierung

Die Ergebnisse sollen einerseits mehr Verständnis schaffen, wie auch heutzutage die riesige Artenvielfalt im Regenwald besser geschützt werden könnte. Andererseits ist die Studie ein Beitrag zur einer aktuellen wissenschaftlichen Debatte, die sich um die Frage dreht: Wurde die Landschaft Südamerikas schon vor Ankunft der ersten europäischen Siedler*innen großflächig von Menschenhand verändert? Jüngere Forschungsergebnisse deuteten darauf hin, dass einige Baumarten, die heute weitverbreitet sind, bereits vor Jahrtausenden gepflanzt und damit kultiviert wurden.

Im Interview mit der BBC aber widerspricht Piperno dieser Annahme: „Unsere Daten legen nahe, dass die indigene Bevölkerung nachhaltig mit dem Regenwald umgegangen ist und über Jahrtausende hinweg keinen nachweisbaren Einfluss auf die Zunahme von Arten oder deren Verbreitung hatte.“

Altes Wissen, moderner Naturschutz

Dazu haben sie an insgesamt drei entlegenen Stellen in Peru eine Art botanische Archäologie durchgeführt und sehr alte Bodenschichten ausgegraben und datiert. Dann haben sie Sedimentschicht für Sedimentschicht auf mikroskopisch kleine Phytolith-Pflanzenfossile untersucht. „Wir haben dabei überhaupt nur wenige Hinweise auf menschlichen Einfluss in mehr als 5.000 Jahren gefunden“, sagt Piperno. Die Menschen früher hätten deshalb ein enormes Wissen über ihren Wald und ihre Umwelt gehabt. Dieses Wissen sollte auch in heutige Naturschutzpläne einfließen – um den Regenwald ähnlich gut zu bewahren.

Video: Bedrohtes Naturwunder Amazonas-Gebiet

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