So wahnsinnig darf nur Ricky Gervais trauern

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Übellaunig und depressiv, aber kein schlechter Kerl: Tony (Ricky Gervais) trauert auf seine eigenen Art und Weise um seine große Liebe. (Bild: Netflix / Ray Burmiston)
Übellaunig und depressiv, aber kein schlechter Kerl: Tony (Ricky Gervais) trauert auf seine eigenen Art und Weise um seine große Liebe. (Bild: Netflix / Ray Burmiston)

Trauer mit zynischen Witzen: Der britische Komiker Ricky Gervais bringt in der gefeierten Netflix-Serie "After Life" zum letzten Mal die Menschen einer Kleinstadt an ihre Toleranzgrenzen.

"Wenn Du ein Engel sein willst, dann musst du das zu Lebzeiten werden": Dass Tony (Ricky Gervais) wirklich zu einem Engel wird, davon ist in der dritten und letzten Staffel der Netflix-Serie "After Life" nicht auszugehen. Das mag ihm die nette ältere Dame auf der Friedhofsbank noch so sehr empfehlen. Doch vielleicht lässt der depressive Kotzbrocken ab 14. Januar seinen Schmerz nicht mehr so ungefiltert an der Welt aus, wie er es nach dem Tod seiner großen Liebe Lisa (Kerry Godliman) mit inbrünstiger Gleichgültigkeit tat. Das wäre seinen Mitmenschen zu wünschen, vor allem aber Tony selbst.

Trauern, wie man es erwartet? Das kann Tony immer noch nicht. Der Mann gefällt sich in Zynismus. Er sagt geradeheraus seine Meinung, es ist ihm völlig egal, was andere denken. Damit hat er sich zwei Staffeln lang über Wasser gehalten: Der britische Komiker Ricky Gervais ("The Office", die Vorlage für "Stromberg") hat sich dafür richtig schön boshafte Schimpftiraden ins Drehbuch geschrieben, mit denen er - und das macht den Reiz der Serie aus - die Facetten menschlicher Trauer auslotet. Das ist einerseits brüllend komisch, anderseits aber auch sentimental bis an den Rand des Kitschs.

Dass ihr Arbeitskollege Tony (Ricky Gervais, rechts) plötzlich fast schon nett ist, können Lenny (Tony Way) und Kath (Diane Morgan) noch nicht recht glauben. (Bild: Netflix / Natalie Seery)
Dass ihr Arbeitskollege Tony (Ricky Gervais, rechts) plötzlich fast schon nett ist, können Lenny (Tony Way) und Kath (Diane Morgan) noch nicht recht glauben. (Bild: Netflix / Natalie Seery)

Unterwegs wird's besser

Aus Prinzip unfreundlich zu sein, hilft Tony jedenfalls nicht mehr. Erst recht nicht, nachdem am Ende der zweiten Staffel auch noch sein Vater gestorben ist. In den finalen sechs Episoden versucht er also, dem Rat seiner Friedhofsbekanntschaft (Penelope Wilton) zumindest teilweise zu folgen und geht auf eine Reise, um die Asche seines Vaters im Land zu verteilen.

Zu einem Engel wird er dabei bestimmt nicht, aber vielleicht zu einem Mann, der zu sich selbst findet und vielleicht doch noch den Weg in ein neues Leben findet, ohne sein altes zu vergessen. Darüber würden sich die Menschen, die Tony in den Wahnsinn treibt, aufrichtig freuen: der merkwürdige Postbote (Joe Wilkinson), die Prostituierte Roxy (Roisin Conaty), der Schwager Matt (Tom Basden), die Kolleginnen und Kollegen im Büro. Vor allem aber Pflegerin Emma (Ahsley Jensen), die Tony das geben könnte, was er am meisten braucht.

Dass Tony (Ricky Gervais) überhaupt noch lebt, verdankt er seinem Hund, der ihn auf Schritt und Tritt begleitet. (Bild: Netflix / Natalie Seery)
Dass Tony (Ricky Gervais) überhaupt noch lebt, verdankt er seinem Hund, der ihn auf Schritt und Tritt begleitet. (Bild: Netflix / Natalie Seery)
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