Social Spending Pressure: Wenn Geld die Freundschaft gefährdet

Aditi Shekar

Geburtstage, Junggesellinnenabschiede, Hochzeiten, Beförderungen, Babyshower: Die Gesellschaft zwingt uns ständig dazu, Geld auszugeben. Natürlich könntest du Nein sagen, wenn dich deine beste Freundin zu einem JGA-Wochenende in London einlädt. Doch leicht fallen würde dir das sicher nicht. Schließlich willst du dich ja nicht selbst zum Außenseiter machen und als einzige zu Hause bleiben – während deine Mädels Spaß haben und Dinge gemeinsam erleben, an die sie sich noch Jahre später erinnern werden. Oder noch schlimmer: Was, wenn deine Freundin denkt, du würdest ihr ihr Glück nicht gönnen oder könntest ihren Verlobten nicht leiden, weil du absagst? Also gehst du am Ende doch mit, auch wenn du es dir eigentlich gar nicht leisten kannst (oder willst!).

Tatsächlich sind wir, durch die Gesellschaft in der wir leben, konditioniert, vor unseren Freund*innen immer gutaussehen zu wollen. Und selbst, wenn unsere Lieben von unserer finanziellen Lage wissen, heißt das nicht automatisch, dass sie es auch verinnerlicht haben und bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Und der YOLO-Lifestyle ist eben nicht gerade kostengünstig…

Als Gründerin von Zeta, einer App, die Paaren hilft, ihre Geldangelegenheiten zu managen, habe ich unzählige Stunden damit verbracht, mit Paaren über ihre Finanzen zu sprechen. Tatsächlich waren Schulden eins der größten Themen bei den meisten Gesprächen. Schulden, die meine Gesprächspartner*innen auch deswegen angehäuft hatten, weil sie versucht hatten, gute Freund*innen zu sein. Eine meiner Klient*innen, nennen wir sie mal Nina, erzählte mir folgende Geschichte: Als sie noch eine Studentin war und kein Einkommen hatte, wurde sie oft von Freund*innen mit Jobs zum Dinner eingeladen. Während alle ganz entspannt quatschten, wurde sie immer nervöser und gestresster. Warum? Weil sie versuchte, unauffällig das billigste Gericht auszuwählen oder den ganzen Abend mit nur einem einzigen Drink auszukommen. Und als dann die Rechnung kam und einfach durch die Anzahl der Gäste geteilt wurde, musste sie am Ende trotzdem mehr Geld ausgeben, als sie es sich eigentlich leisten konnte. „Ehrlich gesagt schäme ich mich immer noch, wenn ich mich an diese Zeiten erinnere“, sagt Nina. „Es war extrem peinlich für mich. In den Augen meiner Freund*innen sah ich nur mangelndes Mitgefühl. Sie konnten einfach nicht verstehen, warum ich überhaupt zum Dinner mitgekommen war, wenn ich doch wusste, dass ich es mir nicht leisten kann. Aber ich wollte ja einfach nur mit ihnen Zeit verbringen. Ich wollte wissen, was bei ihnen so in den letzten Monaten passiert war, was sie so gemacht hatten. Gleichzeitig musste ich aber auch irgendwie mein Studium und meine Unterkunft bezahlen. Es war sehr schwer, beides unter einen Hut zu bekommen.“

Geschichten wie Ninas habe ich öfter gehört. Tatsächlich gibt es sehr viele, bei denen Lifestyle und Budget nicht zusammenpassen. Tina* ging es früher beispielsweise ganz ähnlich. „Als ich vor ein paar Jahren mein erstes eigenes Restaurant eröffnete, war ich unglaublich aufgeregt und stolz. Also lud ich einige meiner engsten Freund*innen nach New York ein, um zusammen mit mir zu feiern. Sie freuten sich sehr für mich und buchten direkt Flug und Hotelzimmer. Ein paar Monate später wollte einer dieser Freund*innen ebenfalls einen persönlichen Meilenstein feiern und fragte mich, ob ich dafür zu ihr fliegen könnte. Ich fühlte mich in die Enge getrieben, denn auf der einen Seite wollte ich ihren Erfolg natürlich sehr gern mit ihr feiern. Auf der anderen Seite hatte ich für den Trip weder das Geld noch die Zeit. Ich fühlte mich nicht nur wie eine richtig schlechte Freundin, sondern hatte auch noch ein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht revanchieren konnte und sie im Stich gelassen hatte.“ Doch diese Idee, Gleiches mit Gleichem zu vergelten kann deine Freundschaft ruinieren und deine Finanzen. 

Ich bin der Meinung, (gute) Freund*innen sollten nicht der Grund für Geldsorgen sein. Deswegen sollten wir lernen, uns besser in andere hineinzuversetzen – zum Beispiel auch in die Freundin, die weniger verdient als man selbst. Solltest du dir jetzt noch unsicher sein, wie du am bestem mit dem Thema Geld umgehst, wenn es um Aktivitäten mit Freund*innen geht, helfen dir vielleicht die folgenden Tipps.

Es geht nicht um den Durchschnitt

Es klingt simple, ist aber sehr effektiv: Richtet euch bei der Planung immer nach der Person mit dem niedrigsten Einkommen – und nicht nach dem Durchschnitt. Trefft euch also nicht in einem super teuren Restaurant oder einer fancy Bar, wenn sich manche aus der Gruppe grade mal ein Wasser dort leisten können. Eigentlich geht es doch eh nur darum, Zeit miteinander zu verbringen – wo ihr das macht, ist doch egal, oder? Solltest du schon seit Jahren davon träumen, deinen 30. Geburtstag mit all deinen Mädels in Paris zu verbringen, dann versucht, zumindest bei der Unterkunft Geld zu sparen oder auch mal gemeinsam zu kochen, statt essen zu gehen. 

Wenn du mehr verdienst als dein*e Freund*in, kannst du auch anbieten, sie oder ihn finanziell zu unterstützen. Schlage es aber bitte nicht vor der ganzen Gruppe vor, sondern in einem 4-Augen-Gespräch und versuche, nicht zu gönnerhaft rüberzukommen. Solltest du die Person mit dem geringsten Einkommen sein, kannst du natürlich auch die anderen um Hilfe bitten – bestimmt reagieren sie verständnisvoller, als du gedacht hättest.

Erwarte keine Gegenleistung.

Nur weil jemand coole Klamotten trägt, sehr gepflegt aussieht oder eine schicke Wohnung hat, heißt das nicht automatisch, er oder sie kann sich die gleichen Dinge leisten wie du. Wenn du dieser Person also zum Beispiel ein teures Hochzeitsgeschenk machst, solltest du nicht automatisch davon ausgehen, ein ebenso teures Geschenk zurückzubekommen, wenn es bei dir soweit ist. Hast du jedoch ganz bestimmte Erwartungen (und manchmal haben wir die eben!), kommuniziere es von Anfang an.

Kenne deine Grenzen.

Dieser Tipp richtet sich an alle mit geringerem Einkommen: Setze dich für dich ein und kommuniziere es, wenn du dir etwas nicht leisten kannst – oder willst! Vielleicht sparst du zum Beispiel oft beim Dinner, weil du dein Geld lieber für Klamotten ausgibst. Das ist natürlich vollkommen fine! Aber deine Freund*innen können das nicht wissen, wenn du’s ihnen nicht sagst. Wenn es dir wie Nina geht, kannst du zum Beispiel proaktiv den Kellner oder die Kellnerin zum Tisch rufen und direkt um getrennte Rechnungen bitten. Dann kommst du gar nicht erst in die unangenehme Situation, das Essen der anderen mitbezahlen zu müssen.

*Namen wurden aus Datenschutzgründen geändert

Like what you see? How about some more R29 goodness, right here?

8 wichtige Geldfragen in Beziehungen

Meine beste Freundin hat mich geghostet

Wenn Freund*innen zu Arbeitgeber*innen werden