Sondereffekte bereinigen? So reagiert Twitter auf die mathematischen Wirrungen von Alice Weidel

·Freie Autorin
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Nach einer Bundestagswahl, die für viele Parteien derart enttäuschend ausfällt wie diese, geht für Politiker das große Schönreden los. Als wahre Meisterin dieser Kunst erwies sich am Wahlabend AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, die in der Berliner Runde eine eigene Hochrechnung aufstellte und damit für offene Münder sorgte.

Alice Weidel hat gut grinsen: In ihren Augen hat die AfD seit der Bundestagswahl 2017 sogar noch zugelegt - jeglicher Mathematik zum Trotz (Bild: Michele Tantussi/Getty Images)
Alice Weidel hat gut grinsen: In ihren Augen hat die AfD seit der Bundestagswahl 2017 sogar noch zugelegt - jeglicher Mathematik zum Trotz (Bild: Michele Tantussi/Getty Images)

Rund zwei Prozentpunkte hat die AfD nach aktuellen Hochrechnungen bei der Bundestagswahl seit 2017 verloren. Für Alice Weidel kein Grund, nicht vollauf zufrieden mit dem Wahlergebnis zu sein. Denn, wie sie in der Berliner Runde vorrechnete, habe man sich im Vergleich zur vergangenen Bundestagswahl sogar "deutlich verbessern" können. 

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Wie kommt Alice Weidel darauf? Ihre persönliche Hochrechnung lautet folgendermaßen: "Im Vergleich zu den Wahlen 2017 haben wir hier einen Sondereffekt: den bundesweiten Antritt der Freien Wähler, die ganz klar in unserem Fahrwasser gesegelt sind, als auch eine sehr Corona-kritische Partei, die Basis", erklärte sie der Elefantenrunde. "Und wenn man diese Sondereffekte bereinigt, dann liegen wir sogar über dem Ergebnis von 2017." 

Die weiteren Spitzenkandidaten lauschten diesen Ausführung langsam blinzelnd und verkniffen sich jegliche Lektionen in Sachen Mathematik und Wahlrecht. FDP-Chef Christian Lindner, der zu Weidels Linken saß, konnte sich jedoch ein verdutztes Schmunzeln kaum verkneifen.

So reagiert Twitter auf Alice Weidels Rechnung in der Berliner Runde

Weit weniger zurückhaltend waren die Reaktionen auf Twitter, wo Alice Weidel gnadenlos durch den Kakao gezogen wurde.  

Die einen übernahmen die Aufgabe, Alice Weidel zu erläutern, wie Wahlergebnisse in einem demokratischen Land real zustande kommen: 

Außerhalb totalitärer Denkmuster nennt man diese Effekte "Demokratie", aber nun.

Andere zeigten sich überrascht, dass Weidel es bei so einer bequemen Rechnung lediglich auf eine Verbesserung abzielt: 

Wenn Frau Weidel noch das eine oder andere Ergebnis bereinigt, erhebt sie in ein paar Stunden womöglich noch Anspruch das Kanzleramt.

Ein anderer Twitterer erinnerte daran, dass eine solche Bereinigungs-Taktik auch umgekehrt funktionieren würde: 

Bereinigt um das Ergebnis der AFD fänd ich den Bundestag deutlich schöner... Weidel redet sich alles "recht schön"...

Ein weiterer sah den verzweifelten Versuch des Schönredens seitens Weidel als eindeutiges Zeichen eines enttäuschenden Ergebnisses: 

"Sag du hast verloren, ohne zu sagen, du hast verloren"

Alice Weidel: "Wenn man die Stimmen von anderen Parteien bei uns mit dazu rechnet, haben wir gewonnen"

"Vollkommen gaga", "maximal blöd", "totaler Stuss" und "Rechenschwäche" lauten weitere Urteile auf Twitter. Für manche war Alice Weidels Logik schlicht und einfach mehr, als man an einem Tag an politischem Strohhalm-Greifen ertragen konnte: 

Also, nach der Berliner Runde ist eins klar: wenn man das Wahlergebnis um die Stimmen für die anderen Parteien "bereinigt",d dann hat die AfD die Wahl gewonnen. So habe ich Frau Weidel jedenfalls verstanden. Und damit ab ins Bett. Mehr ertrage ich heute nicht mehr.

Am kommenden Morgen wird womöglich auch das endgültige Wahlergebnis vorliegen - eventuell begleitet von weiteren rechnerischen Ergüssen seitens der AfD. 

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