Sorge vor „Clade I“ - WHO warnt vor gefährlicher Mutation des Affenpocken-Virus

Eine kolorierte mikroskopische Aufnahme des Affenpockenvirus (grün) auf infizierten Vero-Zellen.<span class="copyright">Niaid/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa/Symbolbild</span>
Eine kolorierte mikroskopische Aufnahme des Affenpockenvirus (grün) auf infizierten Vero-Zellen.Niaid/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa/Symbolbild

Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist alarmiert. In der Demokratischen Republik Kongo breitet sich eine Mutation des gefährlichen Affenpockenvirus (Mpox) massiv aus. Erstmals dokumentieren Experten eine beschleunigte Übertragung - ohne Geschlechtsverkehr.

Die Mutation „Clade I“ des Affenpockenvirus breitet sich besorgniserregend schnell aus und könnte im schlimmsten Fall auf andere Länder im west- und nordafrikanischen Raum übergreifen. Auch aus diesem Grund rief Rosamund Lewis, Fachdirektorin der WHO, erst kürzlich in einem Briefing dazu auf, die jüngsten Ausbrüche zu bekämpfen. Allerdings sind viele der mittlerweile betroffenen Region wegen der jahrelangen Kämpfe zwischen Rebellen, Terrororganisationen und Militär schwer zugänglich.

Die neue Affenpocken-Mutation habe sich vor allem in der Provinz Süd-Kivu ausgebreitet, erklärt John Claude Udahemuka, Dozent an der Universität von Ruanda. Dass Ende Mai auch im benachbarten Ruanda erste Fälle bekannt wurden, alarmierte die Forscher. Denn ein möglicher Grund für die rasche Ausbreitung könnte die deutlich leichtere Übertragung von Mensch zu Mensch außerhalb von Haushalten sein. Bisher wurden Affenpocken grundsätzlich durch Intimkontakt übertragen.

Inzwischen hat sich der Schwerpunkt der Epidemie in die Großstadt Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo verlagert. Die Millionenstadt verfügt auch über einen Flughafen mit internationalen Verbindungen, vor allem in die wichtigsten afrikanischen Länder, von wo aus auch Flüge in die USA, nach Asien und Europa angeboten werden. Ein erkrankter Reisender könnte das Virus leicht in andere Teile der Welt verschleppen.

Das sind die Symptome bei Affenpocken

Die neue Mutation „Clade I“ gilt aufgrund ihrer Aggressivität als bisher gefährlichste Form der Affenpocken. Vor allem Kinder sind gefährdet, die Sterberate liegt bei zehn Prozent. Bei Frauen führt die Clade-I-Infektion häufig zu Fehlgeburten. Häufige Symptome sind Fieber, Atemnot und Erblindungen. Das auffälligste Symptom der Krankheit sind Bläschen und Pusteln auf der Haut. In diesen Hautveränderungen finden sich besonders hohe Konzentrationen des Virus.

Grundsätzlich ähneln die Symptome der Krankheit denen der menschlichen Pocken, können aber weniger schwer verlaufen. Dennoch sind eine frühzeitige Erkennung und Isolation von Infizierten entscheidend, um die Verbreitung einzudämmen.

Affenpocken sind eine seltene Infektionskrankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen werden kann. Verursacht wird die Krankheit durch das Affenpockenvirus (MPXV), das zur gleichen Virengattung gehört wie das bekannte Pockenvirus. Bisher traten Affenpocken vor allem in den west- und zentralafrikanischen Ländern auf. In seltenen Fällen wurden Infektionen außerhalb dieser Regionen gemeldet, die auf die Einfuhr aus diesen Ländern zurückzuführen waren.

So verbreitete sich eine frühere Affenpocken-Mutation in Deutschland

Das änderte sich im Frühjahr 2022: Zum ersten Mal verbreiteten sich die Affenpocken-Viren auch über Ländergrenzen hinweg – darunter auch in Europa. Der Virusstamm verbreitete sich vor allem durch sexuelle Kontakte.

In Deutschland wurden Tausende Fälle gemeldet. Die WHO rief einen internationalen Gesundheitsnotstand aus, der im vergangenen Mai wieder aufgehoben wurde.