SOS Méditerranée: Wohl 100 bis 130 Tote bei Bootsunglück vor libyscher Küste

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Die Überreste des Schlauchboots (Bild: Flavio Gasperini/SOS Mediterranee/dpa)
Die Überreste des Schlauchboots (Bild: Flavio Gasperini/SOS Mediterranee/dpa)

Bei einem Bootsunglück vor der Küste Libyens sind nach Schätzungen der Hilfsorganisation SOS Méditerranée etwa 100 bis 130 Menschen ums Leben gekommen.

Nach Angaben der Organisation vom Donnerstagabend war das Schlauchboot mit Flüchtlingen an Bord am Mittwochmorgen in Seenot geraten. Die Helfer vom Rettungsschiff "Ocean Viking" suchten demnach nach Eingang eines Notrufs stundenlang nach dem Boot, bevor sie nordöstlich von Tripolis das Wrack des Schlauchboots und etwa zehn Leichen entdeckten. Die Organisation geht davon aus, dass niemand überlebt hat.

Mehrere Boote in Seenot

Der Notruf war laut SOS Méditerranée über die Organisation Alarm Phone eingegangen, die in den vergangenen beiden Tagen insgesamt drei Boote in Seenot vor der libyschen Küste gemeldet hatte. Als die Notrufe eingegangen seien, sei die "Ocean Viking" mindestens zehn Stunden Fahrtzeit von den Unglücksstellen entfernt gewesen, erklärte die Organisation.

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"Wir haben nacheinander nach zweien dieser Boote gesucht, in einem Wettlauf gegen die Zeit und bei sehr rauer See mit bis zu sechs Meter hohen Wellen", erklärte die Such- und Rettungskoordinatorin an Bord des Rettungsschiffs, Luisa Albera. 

Das zerstörte Schlauchboot wurde schließlich von einem Flugzeug der Grenzschutzagentur Frontex gesichtet. "Seit unserem Eintreffen vor Ort haben wir keine Überlebenden finden können, stattdessen mindestens zehn Leichen in der Nähe des Wracks ausfindig gemacht", sagte die Koordinatorin. Das Schicksal des zweiten Bootes mit etwa 40 Insassen blieb unklar.

Keine staatliche Koordination

Albera beklagte, dass es "keinerlei Koordination durch eine staatliche Rettungsleitstelle" sowie "keinerlei Unterstützung von den zuständigen Seebehörden" gegeben habe. Die "Ocean Viking" habe mit drei Handelsschiffen zusammengearbeitet, um die Suche zu organisieren.

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Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) starben seit Jahresbeginn bereits mehr als 450 Flüchtlinge beim gefährlichen Versuch, das Mittelmeer zu überqueren - die Opfer des jüngsten Unglücks sind dabei noch nicht erfasst.