Sozial-Betriebe : Therapie-Schwein Felix macht Kölner Senioren glücklich

Daan Vermeulen besucht mit Begleit-Schwein Felix die Sozial-Betriebe der Stadt.

Er ist stolze zehn Jahre alt, bringt jedoch schon 70 Kilo auf die Waage und folgt seinem Herrchen, dem Physiotherapeuten Daan Vermeulen, auf Schritt und Tritt.

„Felix hat von Natur aus die Ruhe weg“

Auch die rund 20 ihm unbekannten Menschen im Gruppenraum der Einrichtung „Haus 1“ auf dem Gelände der Sozial-Betriebe Köln (SBK) bringen das Schwein nicht aus der Fassung.

„Viele sagen, ich würde das Tier sedieren. Aber das ist natürlich nicht so, Felix hat einfach von Natur aus die Ruhe weg“, erläutert Vermeulen, der eine Physiotherapie-Praxis in Gelsenkirchen betreibt. Kurz nachdem er Felix an einer Laufleine ins Gebäude geführt hat, legt das Tier sich auch schon seelenruhig auf die Wolldecke, die in der Mitte für ihn ausgebreitet ist.

Felix ist ein ausgebildetes „Therapie-Begleitschwein“, das Vermeulen in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Senioren einsetzt. Bis zu zweimal wöchentlich besucht das Gespann Einrichtungen. Diesmal waren sie nach Riehl eingeladen, in das 2016 eröffnete Pflegeheim für 80 körperlich eingeschränkte, aber geistig rege Bewohner.

Mit den Besuchen wollen die SBK ihre Bewohner aktivieren – und ihnen ein originelles Erlebnis ermöglichen. Darauf hatten sich die älteren Menschen mit einem Themen-Projekttag vorbereitet, bei dem sie auf Plakaten Eigenschaften und Redensarten rund ums Schwein sammelten und den Raum mit Schweinefotos dekorierten; auch Plätzchen in Schweineform lagen bereit.

Über seine tierische Begleitung kommt der gebürtig aus den Niederlanden stammende Vermeulen sehr schnell ins Gespräch mit den Bewohnern. „Nun raten Sie doch einmal, wie schwer er ist. 120 Kilo? Na, da wird er aber beleidigt sein“, so der Therapeut lächelnd auf den Tipp eines Senioren.

„Wer von Ihnen hat früher selbst mal Schweine gehalten?“ Tatsächlich sind einige der Anwesenden auf dem Land groß geworden. „Aber solch ein Schwein hatten wir nicht“, erinnert sich eine Frau.

Streicheleinheiten für Felix

Ganz behutsam schnuppernd, nimmt Felix Witterung zu den teils im Rollstuhl sitzenden Bewohnern auf – und nachdem ihm die SBK-Praktikantin Verena Felix über den Rüssel streichelt, trauen sich auch die Senioren. Und stellen fest, dass das Fell ganz schön hart ist.

„Aus Schweineborsten stellte man früher Pinsel her“, sagt Vermeulen. Dass Schweine stinken würden, sei ohnehin nur eine Mär. Auch deswegen gibt es gegen seinen Therapie-Einsatz keinerlei hygienische Bedenken.

„Nachts schläft er bei uns in der Küche“

Felix, der zehnjährige Borg – so nämlich nennt man kastrierte Eber – lebt im Haushalt der Vermeulens fast wie anderswo ein Hund: „Nachts schläft er bei uns in der Küche, tagsüber geht er gerne raus, wo er Gras frisst und in der Sonne liegt“, erzählt der Physiotherapeut.

Natürlich sei er stubenrein und Besuchern gegenüber friedfertig. „Ich kann inzwischen an seinem Grunzen hören, ob er Wasser will. Früher hatte er noch einen Halbbruder im Haushalt, Das war Rudi, der jedoch 2013 verstarb. Seitdem genießt Felix sein Dasein als Einzel-Schwein.“

Doch dann steht die Königsdisziplin des Besuchs an: Felix’ Herrchen packt die Futterdose aus – deren Rascheln das schlaue Schwein natürlich sofort registriert – und schält eine Möhre, die die Bewohner reihum stückchenweise an Felix verfüttern. Vorsichtig frisst er den Senioren aus der Hand und genießt zufrieden schmatzend.

Nach einer Stunde treten die beiden ihren Rundgang durch die übrigen Zimmer an. Der Applaus ist groß. „Viel Schwein wünsche ich Ihnen fürs kommende Jahr – vielleicht sieht man sich ja wieder“, grüßt Vermeulen....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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