Spahn legt Liste für die Reihenfolge der Corona-Impfungen vor

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Jens Spahn

Kurz vor dem geplanten Start der Corona-Impfungen hat die Bundesregierung festgelegt, wer wann Anspruch auf die Immunisierung hat. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) veröffentlichte am Freitag die entsprechende Rechtsverordnung. Als erstes sind Menschen ab 80 sowie Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen an der Reihe. Angesichts der begrenzten Verfügbarkeit des Impfstoff sei das Ziel, "zuerst denjenigen einen Schutz anzubieten, die ihn besonders benötigen", sagte Spahn.

Für diese erste Phase veranschlagte Spahn "mindestens ein bis zwei Monate". Danach werde "Zug um Zug das Angebot verbreitert", sagte er. Wichtig sei, dass "jetzt wirklich alle miteinander erstmal Geduld haben". Auch wer auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet, gehört zur Gruppe derjenigen, die an erster Stelle Anspruch auf des Vakzin haben.

Zweite Priorität haben Demenzkranke, sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften. Zur dritten Gruppe gehören alle ab 60, stark Übergewichtige, und Menschen mit Erkrankungen wie Bluthochdruck, Asthma, oder Vorhofflimmern.

Zudem gilt die dritte Stufe auch für bestimmte Mitarbeiter von Regierungen und Verwaltungen, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter.

Die Impfberechtigten würden informiert, wann es für sie losgehe - etwa per Schreiben oder über eine Hotline, kündigte der Minister an. Im ersten Quartal stünden nach aktuellem Stand elf bis 13 Millionen Impfdosen für Deutschland zur Verfügung - wobei für jede Impfung zwei Dosen benötigt werden.

Spahn schloss nicht aus, dass die Menge des verfügbaren Impfstoffs im ersten Quartal steigen könnte - etwa, wenn wie erwartet im Januar der Impfstoff des Herstellers Moderna zugelassen wird. Weitere Zulassungen könnten noch im ersten Quartal folgen.

Die Bürger müssten sich aber darauf einstellen, "dass wir noch längere Zeit mit dem Coronavirus leben müssen", sagte Spahn. Es stünden nun einige Wintermonate an, die "sehr schwer" würden.

Die Impfungen mit dem von der Mainzer Firma Biontech und deren US-Partner Pfizer entwickelten Präparat sollen EU-weit am 27. Dezember starten. Am Montag will die EU-Arzneimittelbehörde grünes Licht für die Zulassung gaben, ab Mittwoch sollen die Chargen vom Paul-Ehrlich-Institut überprüft und dann an die Bundesländer ausgeliefert werden.

Unterstützung für seine Vorgehensweise erhielt Spahn vom Koalitionspartner SPD. "Es ist absolut richtig, jetzt zuerst diejenigen zu schützen, die das für sich selbst nicht gut können oder die berufsbedingt einem besonders hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind", erklärte die SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmar.

Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland stieg derweil auf 33.777 - darunter aber rund 3500 Fälle, die wegen einer Datenpanne nicht schon in die Statistik vom Donnerstag eingeflossen waren.

Die Bundesregierung rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der Corona-Lage. Die Feiertage würden "wahrscheinlich doch wieder Begegnungen mit sich bringen werden und Mobilität, die sich dann in eine gewisse Zahl von Ansteckungen übersetzen werden", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Die befürchteten zusätzlichen Ansteckungen würden "erst im Januar in den Statistiken sichtbar werden

jp/pw