Spahn dämpft Erwartungen an Corona-Impfgipfel von Bund und Ländern

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Corona-Schutzimpfung

Vor dem Impfgipfel von Bund und Ländern haben Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Vertreter der Pharma-Industrie vor zu hohen Erwartungen gewarnt. Spahn machte am Montag klar, dass der Gipfel nicht einfach eine Erhöhung der Impfstoff-Produktion veranlassen könne. Auch der Wunsch vieler Länder nach besserer Planbarkeit der Impfstofflieferungen werde sich nicht ohne Abstriche erfüllen lassen.

Bei den vom Bundeskanzleramt als "Fachgespräch" deklarierten Beratungen wollen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder, Vertreterinnen und Vertreter der Pharma-Industrie und der EU-Kommission über die Frage austauschen, wie die Impfkampagne angesichts des Vakzin-Mangels kurzfristig beschleunigt werden könnte.

Mittelfristig zeichnete sich am Montag eine gewisse Entspannung ab. Der Pharmariese Bayer teilte mit, in die Impfstoff-Produktion einzusteigen und im kommenden Jahr 160 Millionen Dosen des Impfstoffs seines Kooperationspartners Curevac zu produzieren. Zudem teilte der Hersteller Biontech mit, im zweiten Quartal bis zu 75 Millionen zusätzliche Dosen seines Vakzins an die EU liefern zu können.

Konkrete Lösungen zur Behebung der kurzfristigen Engpässe deuteten sich vor dem Impfgipfel aber nicht an. "Wir können durch einen Gipfel allein nicht mehr Impfstoffe produzieren", sagte Minister Spahn am Sonntagabend im Internetprogramm der "Bild"-Zeitung. Durch ständige Forderungen nach mehr Impfdosen "wird die Produktion nicht schneller".

Mehrere Regierungschefs der Bundesländer hatten am Wochenende einen klaren Fahrplan für die Impfungen gefordert. Dies solle unter anderem die Vergabe von Impfterminen effizienter machen.

Auch in diesem Punkt dämpfte Spahn allerdings die Hoffnungen. Es sei derzeit noch nicht möglich, "für viele Wochen oder Monate zu sagen, was genau an welchem Tag kommt", sagte er am Montag. Als Grund nannte Spahn, dass die Impfstoff-Produktion derzeit "von der Hand in den Mund lebt".

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) warnte ebenfalls davor, zu hohe Erwartungen an die Branche zu stellen. "Eine Impfstoff-Fabrik ist kein Bücherregal aus dem Möbelhaus, das man schnell aufbauen kann", sagte VFA-Präsident Han Steutel den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Montag. "Wäre es so, hätten wir es doch längst gemacht."

Auf diese Probleme wies am Montag auch Curevac-Chef Franz-Werner Haas hin, als er die Produktionszusammenarbeit mit Bayer verkündete. Er sprach von Engpässen auf dem Weltmarkt für Produktionstechnik. Sein Unternehmen werde aber bis Jahresende 300 Millionen Dosen seines Impfstoffs produzieren, im kommenden Jahr werde die Produktion dann durch die Zusammenarbeit mit Bayer deutlich ausgeweitet.

Forderungen nach mehr Verlässlichkeit und Planbarkeit bei den Impfungen kamen am Montag auch aus dem Regierungslager. "Wir müssen die Terminplanung und Organisation stark verbessern, damit wir, sobald die Impfdosen kommen, wie geplant schnell und effektiv impfen können", schrieb Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) auf Twitter.

CSU-Chef Markus Söder sagte in München: "Wir müssen wissen, wann welche Impfmengen kommen." Er fügte hinzu: "Ein Hin und Her, ein Stop and Go kann nicht im Interesse der Menschen sein."

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil verwies auf das von Kanzlerin Merkel ausgegebene Ziel, allen Bürgern bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot zu machen. Beim Impfgipfel müsse "auf den Tisch, wie der verbindliche Weg dahin aussieht", sagte Klingbeil "t-online.de".

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