Spahn drückt bei Impfungen mit Astrazeneca-Produkt aufs Tempo

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Jens Spahn bei der Pressekonferenz in Berlin

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) drückt bei der Verabreichung des Impfstoffs von Astrazeneca aufs Tempo: Er empfiehlt in einem Schreiben an die Länder, von der bisherigen Praxis abzuweichen, für alle Erstgeimpften eine zweite Dosis zurückzuhalten. Damit könnten mehr Menschen schneller geimpft werden. Unterdessen breitet sich die besonders ansteckende Virusvariante aus Großbritannien immer weiter aus. Sie ist bereits in 13 Bundesländern aufgetreten.

Die für 6., 12. und 19. Februar erwarteten Astrazeneca-Dosen sollten "vollständig, und ohne Rückstellungen für die Zweitimpfung" verabreicht werden, heißt es in Spahns Brief an die Länder, der am Freitag der Nachrichtenagentur AFP vorlag. So könnten in den drei Februarwochen 1,7 Millionen Menschen erstmals geimpft werden.

Spahn verwies darauf, dass die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (RKI) einen zeitlichen Abstand von neun bis zwölf Wochen zwischen den beiden Impfungen empfiehlt. Es sollten für den zweiten Durchgang durchaus Termine in diesem Zeitraum vereinbart werden. Es gebe eine "weiter bestehende Knappheit an Impfstoffen bei gleichzeitig hohem Bedarf für die priorisierten Gruppen", schrieb der Minister weiter.

Spahn kündigte in Berlin die wegen des Astrazeneca-Impfstoffs überarbeitete Impfverordnung für Montag an. Weil das Präparat in Deutschland nur für 18- bis 64-Jährige empfohlen wird, solle es an Menschen dieser Altersgruppe aus den ersten Prioritätengruppen für die Corona-Impfung verabreicht werden. "Es bleiben trotzdem noch einige harte Wochen", fügte der Minister hinzu.

Insgesamt wurden bislang knapp drei Millionen Menschen in Deutschland geimpft, die Zahl der Zweitimpfungen liegt bei 800.000. Das sei ein Prozent der Bevölkerung - eine im Vergleich zu anderen EU-Ländern hohe Quote -, betonte der Minister. Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese verwies auf eine Statistik, derzufolge Deutschland bei der Quote der Zweitimpfungen sogar vor Großbritannien liegt, das besonders zügig impft.

RKI-Präsident Lothar Wieler sagte in Berlin, die zuerst in Großbritannien entdeckte Virusvariante B.1.1.7 mache in Deutschland inzwischen einen Anteil "von etwas weniger als sechs Prozent" aus und sei in den vergangenen Wochen "immer häufiger" nachgewiesen worden. "Sars-CoV-2 ist gefährlicher geworden", warnte Wieler.

Die drei bislang in Deutschland nachgewiesenen Varianten - neben B.1.1.7 die südafrikanische und brasilianische Variante - dominierten das Geschehen noch nicht. Es müsse aber damit gerechnet werden, dass sich deren Anteil ähnlich wie auch in anderen Staaten erhöht, sagte Wieler. Die in Deutschland bislang am häufigste festgetellte Variante B.1.1.7 sei nicht nur ansteckender. "Es gibt auch erste Hinweise, dass sie vermehrt zu schweren Verläufen führen kann."

Spahn appellierte an die Menschen in Deutschland, den durch den Lockdown erreichen Rückgang bei den Neuinfektionen nicht aufs Spiel zu setzen. In anderen Ländern sei zu beobachten, "wie schnell es gehen kann, dass die Zahlen wieder nach oben schnellen". Die derzeitigen Beschränkungen gelten bislang bis zum 14. Februar. Bund und Länder wollen am kommenden Mittwoch über die Zukunft der Maßnahmen beraten.

Wieler bezeichnete den Rückgang der Neuinfektionen als "gute Nachricht". Auf der anderen Seite seien die Intensivstationen sehr stark belastet. Es gebe zudem weiterhin Ausbrüche in Altenheimen und viele Todesfälle.

jp/cne