Spahn fordert harten Lockdown und warnt vor Überlastung des Gesundheitssystems

·Lesedauer: 2 Min.
Jens Spahn

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich erneut für einen harten Lockdown ausgesprochen und eindringlich vor einer Überlastung des Gesundheitssystems gewarnt. Die laufende dritte Welle müsse nun unbedingt und "schnell" gebrochen werden, der Inzidenzwert der Neuinfektionen müsse wieder auf unter 100 gedrückt werden, sagte Spahn am Freitag in Berlin. Die Patientenzahl in Krankenhäusern und Intensivstationen steige "viel zu schnell".

"Es braucht einen Lockdown, um die aktuelle Welle zu brechen", sagte Spahn. Die Zahl der Infektionen müsse durch die Reduzierung von Kontakten und Mobilität dringend und rasch gesenkt werden, "wenn nötig auch durch nächtliche Ausgangsbeschränkungen". Alle notwendigen Maßnahmen seien dabei prinzipiell bereits zwischen Bund und Ländern vereinbart. Sie müssten aber umgesetzt werden.

Er habe den Eindruck, einige würden aktuell die "Umstände" nicht erkennen, in denen sich Deutschland befinde. Viele Bürger hingegen schätzten "den Ernst der Lage realistisch ein", sagte Spahn unter Verweis auf Umfragen.

Bislang sei es gelungen, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden, sagte der Bundesgesundheitsminister weiter. Dies dürfe nun nicht doch noch passieren. Das Land müsse "zwei, drei Wochen" heruntergefahren werden. Das könne auch "eine Brücke" in eine Phase sein, um mit Tests mehr zu öffnen.

Auch der Präsident des bundeseigenen Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, warnte eindringlich vor einer Überlastung der Krankenhäuser. Die Lage dort sei inzwischen "sehr, sehr ernst", sagte er bei dem gemeinsamen Auftritt mit Spahn. Die Intensivstationen füllten sich "rasant", während viele Betten noch mit den Patienten aus der zweiten Corona-Welle belegt seien.

Ärzte und Pfleger seien überlastet, sagte Wieler. Jeder habe auch die "Pflicht", sie vor weiteren Belastungen zu schützen. Das Land müsse in einen Lockdown gehen, um die Infektionszahlen wieder zu senken. Es sei bekannt, dass sich diese im exponentiellen Anstieg befänden. Es könne aus seiner Sicht "nicht sein", dass darüber immer noch diskutiert werde. Alle nötigen Erkenntnisse lägen vor. "Jeden Tag, den wir nicht handeln, verlieren wir Menschenleben."

In Deutschland wurden innerhalb eines Tages mehr als 25.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet. Wie das RKI am Freitagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden 25.464 Neuansteckungen sowie 296 weitere Todesfälle registriert.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg an und lag am Freitag bei 110,4. Am Vortag hatte sie 105,7 betragen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb dieser Zeitspanne an. Im Februar war dieser Wert zwischenzeitlich auf unter 60 gefallen.

bro/cha