Spanien will mit Temperatur-Vorgaben Energie sparen

In Spanien ist der Energiespar-Plan in Kraft getreten. Ab sofort dürfen alle öffentlichen Einrichtungen sowie Kaufhäuser, Kinos, Büros, Geschäfte, Hotels, Bahnhöfe und Flughäfen des Landes ihre Räume auf nicht weniger als 27 Grad abkühlen. Läden mit Beschäftigten, die körperlich besonders gefordert werden, etwa Bars und Restaurants, können die Klimaanlagen zwei Grad kühler stellen, auf bis zu 25 Grad. Hintergrund ist der EU-Notfallplan, mit dem die Abhängigkeit von Energie aus Russland verringert werden soll.

Heiße Diskussion um Temperaturvorgaben

Von "dringenden Maßnahmen" spricht Spaniens Ministerpräsident und verteidigt den Sparplan gegen Kritik der Opposition: "Wir müssen die in Brüssel getroffenen Vereinbarungen einhalten. Zwar ist Spanien aufgrund seiner geographischen Lage nicht so stark auf russisches Gas und Energie angewiesen wie andere Länder wie Deutschland, Italien und weitere Mittel- und osteuropäische Länder." Aber Spanien sei solidarisch mit diesen europäischen Ländern.

Die neuen Regeln in Spanien umfassen auch Temperatur-Höchstgrenzen für den kommenden Winter, um Heizenergie zu sparen. Läden sollen ihre Türen geschlossen halten. Vor allem die Temperaturvorgaben werden heiß diskutiert. Für Eisverkäufer Eric Muller in Madrid sind sie ein Ding der Unmöglichkeit: "Wir sind jetzt bei 18 Grad im Eissalon. Wenn wir auf bis zu 27 Grad gehen, werden wir den ganzen Tag schwitzen, wir müssen nicht ins Fitnessstudio." Die Kühlanlagen in der Eistheke gäben sehr viel Wärme ab, erklärt er.

Klage könnte Regeln noch kippen

Ein Ladenbesitzer stört sich daran, dass Beleuchtung nicht genutzter Büros, von Schaufenstern und Denkmälern nach 22.00 Uhr ausgeschaltet werden muss: "Wenn man abends spazieren geht, will man doch etwas Schönes sehen", findet Javier Reine. "Wenn man dann zur Gran Via läuft und alle Lichter aus sind, da fragt man sich doch, was das soll!"

Noch ist das letzte Wort aber nicht gesprochen: Die konservative Regierungschefin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso, will beim Verfassungsgericht gegen den Sparplan klagen.