Spanischer Arzt "diagnostiziert" Teenagerin mit Homosexualität

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Demonstrierende bei Protesten in Barcelona gegen homophobe Gewalt zeigen die Regenbogenflagge.
Demonstrierende bei Protesten in Barcelona gegen homophobe Gewalt. (Bild: Thiago PrudÍncio/SOPA Images/LightRocket via Getty Images)

Die Geschichte hört sich an wie aus den Fünfziger Jahren. Eine junge spanische Frau wurde von ihrem Gynäkologen mit "Homosexualität" diagnostiziert.

Die 19-Jährige stammt aus dem spanischen Murcia, einer Universitätsstadt mit etwas weniger als einer halben Million Einwohner. Dort wollte sich die lesbische Teenagerin wegen Menstruationsbeschwerden von einem Gynäkologen im Reina Sofía Krankenhaus untersuchen lassen. Doch dessen Diagnose fiel anders als erwartet aus. Auf dem medizinischen Berichtsbogen fand sich unter "Akute Erkrankung" das Ergebnis "Homosexualität".

"Es ist nicht lustig"

Tatsächlich hatte der Arzt die Patientin gefragt, ob er ihre sexuelle Orientierung in den Bogen eintragen dürfe. Sie hatte zugestimmt, obwohl sie zunächst überrascht gewesen sei, weil sie es nicht für relevant gehalten habe, erzählte ihre Mutter der Nachrichtenseite elDiario. Erst habe sie das eher lustig gefunden, so die Teenagerin. "Aber das ist es einfach nicht." Mutter und Tochter wandten sich an ein lokales LGBTQ-Kollektiv namens Galactyco. Das Kollektiv reichte offiziell Beschwerde bei der Landesregierung und der Gesundheitsbehörde ein.

Kein Einzelfall

Zudem versammelten sich Demonstrierende vor dem Krankenhaus, um auf den Umgang mit der jungen Patientin aufmerksam zu machen. In einem Statement schrieb Galactyco: "Die Weltgesundheitsorganisation hat Homosexualität bereits seit 1990 von der Liste der psychischen Erkrankungen gestrichen und trotzdem, auch 31 Jahre danach, gibt es in Murcia immer noch professionelle Mediziner, die sexuelle Orientierung als Krankheit betrachten." Es handele sich dabei auch um keinen Einzelfall. Immer wieder erreichten das Kollektiv Beschwerden und Berichte von ähnlichen Erlebnissen. Die Gesundheitsbehörde hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Das Krankenhaus sprach von einem "Fehler" bei der Anamnese und versprach, sich bei der Patientin zu entschuldigen. 

Zwar war Spanien im Jahr 2005 das weltweit dritte Land, das Ehe und Adoption für gleichgeschlechtliche Paare erlaubte. Dennoch kommt es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen auf Mitglieder der LGBTQ-Community. 

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