Spannender als jeder "Tatort": Der Serienmörder steckt im Detail

Andreas Fischer
·Lesedauer: 2 Min.
Mit größtmöglicher Entschlossenheit macht sich Steve Wilkins (Luke Evans) an einen unmöglichen Job. (Bild: World Productions Limited 2020)
Mit größtmöglicher Entschlossenheit macht sich Steve Wilkins (Luke Evans) an einen unmöglichen Job. (Bild: World Productions Limited 2020)

Wahre Geschichte, an Dramatik kaum zu überbieten: Mit kühler Präzision und dabei aufwühlend und spannend, erzählt die Miniserie "The Pembrokeshire Murders" auf MagentaTV von der Jagd nach dem walisischen Serienmörder John Cooper.

Man weiß, wer es war, man weiß, wie es ausgeht, und dann spielt "The Pembrokeshire Murders" auch noch die meiste Zeit in einer unscheinbaren Lagerhalle in einer walisischen Kleinstadt. Das soll spannend sein? Und wie! Denn die wirklich fesselnden Krimis, die schreibt das Leben, die kann sich kein Drehbuchautor ausdenken. Sorry "Tatort".

Mit der vom britischen Sender ITV produzierten True-Crime-Miniserie hat sich MagentaTV ein echtes Juwel geangelt: In drei einstündigen Episoden auf den Punkt inszeniert, entwickelt "The Pembrokeshire Murders" ab 11. März seine Faszination aus der alltäglichen Arbeit, aus dem unermüdliche Suchen nach der Nadel im Heuhaufen - oder in dem Fall, dem mikroskopisch kleinen Blutfleck auf einer gestohlenen Hose.

Detective Steve Wilkins (Luke Evans) will in seiner Heimatstadt ein lange zurückliegendes Verbrechen aufklären: "The Pembrokeshire Murders" ist ein Krimi so spannend wie das echte Leben. (Bild: World Productions Limited 2020)
Detective Steve Wilkins (Luke Evans) will in seiner Heimatstadt ein lange zurückliegendes Verbrechen aufklären: "The Pembrokeshire Murders" ist ein Krimi so spannend wie das echte Leben. (Bild: World Productions Limited 2020)

Unspektakulär, aber präzise

Ruhm und Ehre jedenfalls kann Steve Wilkins (Luke Evans, "Der Hobbit", "Fast & Furious") in seiner kleinen Heimatstadt an der walisischen Küste nicht erwarten. Das will der aus London zurückgekehrte Kommissar aber auch gar nicht, sondern einfach nur seinen Job machen - möglichst unspektakulär, aber präzise. Der Mann, das zeigt schon die erste Szene, mag es akkurat.

Weil es gerade nicht allzu viel zu tun gibt, nimmt sich Wilkins eines alten Falles an, ein Doppelmord auf einem Küstenwanderweg knapp 20 Jahre zuvor. Schnell findet er Verbindungen zu weiteren Morden und einem Überfall mit Vergewaltigung. Auch der Tatverdächtige ist schnell ausgemacht. Alle Indizien sprechen dafür, dass John Cooper (Keith Allen) der gesuchte Serienmörder und Vergewaltiger ist - nur die Beweise fehlen. Die liegen irgendwo in alten Kartons, die eine Sondereinheit aus der Asservatenkammer birgt und fortan in eingangs erwähnter Lagerhalle durchwühlt.

Steve Wilkins (Luke Evans, zweiter von rechts) und sein Team durchforsten akribisch unzählige Regalmeter alter Akten. (Bild: World Productions Limited 2020)
Steve Wilkins (Luke Evans, zweiter von rechts) und sein Team durchforsten akribisch unzählige Regalmeter alter Akten. (Bild: World Productions Limited 2020)

Leiden bis ans Lebensende

Wie soll man daraus drei fesselnde TV-Stunden machen? Ganz einfach, indem man der Polizei bei der realen Arbeit zuschaut, indem man die zermürbende Suche nach dem einen Detail, dieses tägliche Ein-Schritt-vor-zwei-Schritte-zurück, mit gebotener Ausführlichkeit beobachtet. Polizeiarbeit, so sagt es Wilkins einmal, besteht zu 99 Prozent daraus, Forensikern zuzuarbeiten - und das tun er und seine Kolleginnen und Kollegen mit Hingabe.

Auch wenn der düstere Dreiteiler einen wahren Fall minutiös schildert, eine rein technische Dokumentation ist "The Pembrokeshire Murders" freilich nicht. Drehbuchautor Nick Stevens und Regisseur Marc Evans nehmen sich Zeit für die Betroffenen: Im Mittepunkt stehen die Opfer, die Cooper zwar überlebt haben, aber bis an ihr Lebensende leiden werden. Und man bekommt eine ziemlich gute Vorstellung davon, was so ein Mensch mit seiner Familie macht - einer Familie, die aus Angst lügt und daran stirbt oder sich aus Abscheu abwendet und der von der Vergangenheit mehr gebrochen wird als der Rücken.

Dass John Cooper (Keith Allen) der gesuchte Serienmörder ist, wird schnell klar: Ihn seiner Verbrechen zu überführen, ist allerdings ein mühseliges Unterfangen.  (Bild: World Productions Limited 2020)
Dass John Cooper (Keith Allen) der gesuchte Serienmörder ist, wird schnell klar: Ihn seiner Verbrechen zu überführen, ist allerdings ein mühseliges Unterfangen. (Bild: World Productions Limited 2020)