Spektakulär verspekuliert: Pizza-Mann bereut nicht, zu früh 10.000 Bitcoins ausgegeben zu haben

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Jeremy Sturdivant verdiente vor elf Jahren 10.000 Bitcoins, indem für einen Mann zwei Pizzen bestellte. Alle Bitcoins gab er schon wenige Monate später aus. Heute hätten sie einen Wert von mehr als 300 Millionen US-Dollar. Trotzdem will er seine Entscheidung nicht bereuen.

Slovenia, 02.25.2019 - Bitcoin pizza day anniversary. The first reported exchange of cryptocurrency for a consumer product on May 22, 2010.
Symbolbild: Getty Images

Jeremy Sturdivant könnte heute Millionär sein. Er ist es aber nicht, denn er gab die 10.000 Bitcoins, die er besessen hatte, vor rund zehn Jahren für Reisen aus. Damals ahnte er nicht, dass seine digitalen Münzen einmal hunderte Millionen US-Dollar wert sein würden. Trotzdem will der 30-Jährige seine Entscheidung nicht bereuen.

Der Grund: Auch wenn er heute nicht steinreich ist, so ist er immerhin Teil einer Legende, meint Sturdivant in einem Interview mit der US-Zeitung New York Post. Nicht Reue empfinde er also, weil er seine Bitcoins zu früh ausgegeben hat. Vielmehr sei er stolz darauf, "eine Rolle gespielt" zu haben in einem "globalen Phänomen".

Doch von Anfang an. Das "globale Phänomen" beginnt am 18. Mai 2010. An dem Tag bestellte der Softwareentwickler Laszlo Hanyecz über der Plattform bitcointalk.org zwei Pizzen, für die er 10.000 Bitcoins zu bezahlen versprach. Die Pizzen könnte jemand aus der Plattform-Community selber backen und ihm nach Hause liefern oder für ihn bei einem Anbieter bestellen.

Große Pizzen für einen großen Meilenstein

Das ungewöhnliche Anliegen erreichte auch Jeremy Sturdivant, der damals mit 19 Jahren im US-Bundessstaat Kalifornien studierte. Er bestellte bei der Pizzakette Papa John’s zwei große Pizzen und ließ sie an Hanyecz' Adresse in Florida liefern. Mit einer Käse- und einer "Supreme"-Pizza entsprach er ungefähr dessen Wunsch. In seinem Beitrag hatte Hanyecz unmissverständlich klargestellt: Er mag "normale Käsepizzen" und solche, die mit "Standardzeug" belegt sind "wie Zwiebeln, Paprika, Wurst, Champignons, Tomaten, Peperoni etc."

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Kyiv, Ukraine  May 05, 2020. Golden bitcoin coins. Bitcoin Pizza Day 22 May. crypto community holiday. 2 pizzas for a price of 10000 Bitcoins. Pizza Index
Seit dem 18. Mai 2010 haben Bitcoins und Pizzen eine Gemeinsamkeit. (Symbolbild: Getty Images)

Für seine Dienstleistung erhielt Sturdivant die versprochenen 10.000 Bitcoins, die damals nicht mehr als 41 Dollar wert waren. Damit schrieben er und Hanyecz Internetgeschichte, besiegelten sie mit der Aktion doch den weltweit ersten Kauf einer physischen Ware mit der digitalen Währung Bitcoins. An den Meilenstein erinnert heute der so genannte "Bitcoin Pizza Day", der jedes Jahr am 22. Mai begangen wird.

Dumm gelaufen oder c'est la vie?

Gleichzeitig schwingt mit jedem neuen "Bitcoin Pizza Day" die Erinnerung daran mit, wie spektakulär sich Sturdivant verspekulierte. Denn er gab wenige Monate später alle seine Bitcoins aus. Und zwar für einen Road Trip, wie die New York Post berichtet, den er mit seiner Freundin unternommen haben soll. Immerhin: Weil ein Bitcoin damals den Wert eines US-Dollar hatte, konnten sich die beiden die Reise 10.000 Dollar kosten lassen. 

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Das sind Peanuts im Vergleich zu dem Betrag, den Sturdivant heute für die Bitcoins bekommen hätte: rund 365 Millionen Dollar. Dass er die Entscheidung dennoch nicht bereut, muss man ihm übrigens genauso glauben wie Hanyecz, der von der Pizza-Aktion dasselbe behauptet. Zur Begründung führt der Bitcoin-Enthusiast ein ähnliches Argument ins Feld wie Sturdivant. "Es ist großartig", sagte er vor drei Jahren dem Magazin Cointelegraph, "dass ich auf diese Weise Teil der frühen Geschichte von Bitcoins sein durfte."

Ob das freilich für alle seine Zahlungen mit der Kryptowährung gilt? Immerhin soll er allein im Sommer 2010 insgesamt 100.000 Bitcoins nur für Pizzen ausgegeben haben, berichtet die New York Post. Ihr Gegenwert beträgt heute rund 3,8 Milliarden Dollar. Dafür könnte er sehr, wirklich sehr viele von seiner Lieblingspizza "Supreme" kaufen – also von jener Sorte, die mit "Standardzeug" belegt ist.

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