Spekulationen um Nordkoreas Führung: Wird sie die Nachfolgerin von Kim Jong-un?

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Über den Gesundheitszustand von Kim Jong-un wird gerätselt. Klarer ist für Nordkorea-Experten allerdings, wer eine mögliche Nachfolge antreten könnte: Seine jüngere Schwester Kim Yo-jong.

Kim Jong-uns Schwester Kim Yo-jong ist oft an seiner Seite zu sehen, wie hier beim "Inter-Korean Summit" im April 2018. (Bild: Pool/Getty Images)
Kim Jong-uns Schwester Kim Yo-jong ist oft an seiner Seite zu sehen, wie hier beim "Inter-Korean Summit" im April 2018. (Bild: Pool/Getty Images)

Die Spekulationen begannen vor gut einer Woche. Denn Nordkoreas “Oberster Führer” Kim Jong-un fehlte beim einem der wichtigsten Feiertage des Jahres. Am 15. April wird der verstorbene Großvater und Staatsgründer Kim Il-sung geehrt, doch sein Enkel fehlte in diesem Jahr vollständig. Aus US-Geheimdienstkreisen wurde bekannt, dass sich Kim Jong-un einer Herz-OP unterzogen habe. Südkorea berichtet dagegen von keinen besonderen Aktivitäten aus dem Nachbarland. Laut der südkoreanischen Online-Plattform “Daily NK” soll sich Kim in Pjöngjang von der Operation erholen und schon in einem besseren Zustand befinden.

Experten rechnen nicht mit einem chaotischen Zusammenbruch

Nun werden die ersten Szenarien gezeichnet für eine Zeit nach Kim Jong-un. Doch selbst bei einem plötzlichen Tod des Staatsführers rechnen Experten nicht mit einem chaotischen Zusammenbruch des Systems. Die wahrscheinlichste Option für eine innerfamiliäre Nachfolge scheint demnach seine jünger Schwester Kim Yo-jong zu sein.

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Die 32-jährige ist momentan Direktorin des Ministeriums für Propaganda und Agitation und somit eine wichtige politische Persönlichkeit an der Seite ihres Bruders. Oft begleitet sie ihn bei öffentlichen Auftritten oder internationalen Treffen. Schon jetzt hat sie gehörigen politischen Einfluss in dem abgeschotteten Land. Das Verhältnis zwischen den beiden Geschwistern gilt als sehr eng. Wie Kim Jong-un hat auch sie eine Schule in der Schweiz besucht, von 1996 bis 2000 lebten beide gemeinsam dort.

Wird sie die neue starke Frau Nordkoreas? Für viele gilt Kim Yo-jong als mögliche Nachfolgerin ihres Bruders. (Bild: Valery Sharifulin\TASS via Getty Images)
Wird sie die neue starke Frau Nordkoreas? Für viele gilt Kim Yo-jong als mögliche Nachfolgerin ihres Bruders. (Bild: Valery Sharifulin\TASS via Getty Images)

Kim Yo-jong: Die Frau an seiner Seite

Die Nordkoreanischen Eliten haben kein Interesse am Kollabieren des Systems. Damit gilt es als wahrscheinlich, dass sie auch Kim Yo-jong an der Spitze des Staates anerkennen würden und die Kim-Dynastie das kommunistische Land weiter regieren könnte, sollte Kim Jong-un dazu nicht mehr in der Lage sein.

Viel ist nicht bekannt über die mögliche Nachfolgerin. Vermutlich hat sie nach ihrer Rückkehr aus der Schweiz an der Kim Il-sung Universität Informatik studiert. Sie zeichnet weitesgehend für den Ausbau des Personenkultes verantwortlich. Als jüngste Tochter begleitet sie ihren Vater bereits früh zu offiziellen Anlässen, arbeitete entweder für Kim Jong-il oder ihre Tante in Regierungsgeschäften. Der Vater erkannte das politische Interesse und Geschick seiner Tochter und erwähnte es gegenüber ausländischen Diplomaten.

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Vermutlich übernimmt sie bisher auch schon die Staatsgeschäfte, wenn ihr Bruder sie aus gesundheitlichen Gründen nicht führen kann. Vor einem Jahr war sie aus dem Politbüro entfernt worden, in diesem Monat aber wieder dort aufgetaucht, was die Spekulationen über eine mögliche Nachfolge weiter angeheizt hatte.

Zuverlässige Infos über Nordkorea zu bekommen, gestaltet sich schwierig

Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt am 11. April hatte Kim Jong-un den Vorsitz über eine Politbüro-Sitzung der “Partei der Arbeit”, in der er über Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie sprach und seine Schwester zum stellvertretenden Mitglied wählen lassen. Kim Jong-un hatte die Rolle des “Obersten Führers” der Volksrepublik im Jahr 2011 nach dessen Tod von seinem Vater Kim Jong-il übernommen. Offiziell wurde er im April 2012 von nordkoreanischen “Partei der Arbeit” zum Parteivorsitzenden gewählt.

Die Staatsmedien berichten, dass Kim in der vergangenen Woche Grüße an Syriens Präsident Baschar al- Assad senden ließ, zudem habe er am Montag einer Koreanerin zum 100. Geburtstag gratuliert. Diese Nachrichten sollen wohl dazu dienen, Sorgen um den Gesundheitszustand auszuräumen, verifizierbar sind sie indes nicht.

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Zuverlässige Informationen über Nordkorea zu bekommen, gestaltet sich oft sehr schwierig. So wird auch über Kims Gesundheitszustand oft nur spekuliert. Schon vor sechs Jahren war er für einen Zeitraum von fast sechs Wochen aus der Öffentlichkeit verschwunden, nur um dann mit einem Gehstock wieder aufzutauchen. Damals hieß es, er habe sich eine Zyste am Knöchel entfernen lassen, was der südkoreanische Geheimdienst bestätigte.

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