Spieler-Party nach EM-Auftaktsieg? Nagelsmann hat "keinen Pyjama eingepackt"

Nach dem 5:1-Sieg gegen Schottland machte Bundestrainer Julian Nagelsmann (rechts) das ZDF-Interview mit Jochen Breyer sichtlich Spaß. (Bild: ZDF)
Nach dem 5:1-Sieg gegen Schottland machte Bundestrainer Julian Nagelsmann (rechts) das ZDF-Interview mit Jochen Breyer sichtlich Spaß. (Bild: ZDF)

5:1! Der erste EM-Auftritt der DFB-Elf euphorisiert die Fans und die ZDF-Experten. Fast genauso wichtig wie das 5:1 gegen Schottland: Katrin Müller-Hohensteins Socken mit einem bekannten Lausbuben-Motiv und Julian Nagelsmanns Nachtwäsche.

Abpfiff in München. Ganz Fußball-Deutschland ist völlig losgelöst: Die DFB-Elf kann doch noch Tore schießen. Beim 5:1-Sieg über Schottland sogar alle sechs - eins ins eigene Netz. Nimm das, Loddar!

Außerdem ist Fußball-Deutschland um ein paar Erkenntnisse reicher. Wenigstens der Teil, der das Spiel im ZDF gesehen hat. Erstens: Per Mertesacker ist nicht, wie Wikipedia behauptet, 1,98m groß. Sondern 2,07m. Sagt Christoph Kramer. Und der hat 12 Sekunden nach Anstoß das 3:0 zur Pause prophezeit. Stimmt also alles, was er sagt. Zweitens: Es gibt nicht nur eine "falsche 9", sondern auch eine "linke 8". Sagt auch Kramer. Drittens: Katrin Müller-Hohenstein trägt Bart-Simpson-Socken. Ay Caramba! Und viertens und am wichtigsten: Julian Nagelsmann trägt keinen Pyjama!

Doch spulen wir einmal zurück: In München eröffnet Deutschland die Heim-EM gegen die Schotten. Das Spiel überträgt das ZDF. Eigentlich kein gutes Omen: Hier lief nämlich auch 2021 das erste Spiel der DFB-Auswahl (0:1 gegen Frankreich). Und die bei den Weltmeisterschaften 2018 (0:1 gegen Mexiko) und 2022 (1:2 gegen Japan). Aber erstens war das ZDF nun einmal an der Reihe, und zweitens musste das Erste noch auf seinen Experten Bastian Schweinsteiger warten. Der hatte sich nämlich bequatschen lassen, beim "Germany's Next Topmodel"-Finale am Donnerstag mitzumischen.

Laura Freigang (links) und Katrin Müller-Hohenstein - mit Bart-Simpson-Socken - sitzen im ZDF-Studio vor einer
Laura Freigang (links) und Katrin Müller-Hohenstein - mit Bart-Simpson-Socken - sitzen im ZDF-Studio vor einer

Aber ehrlicherweise ist die Mainzelmännchen-Dreierkette mit Jochen Breyer, Christoph Kramer und Per Mertesacker ohnehin unterhaltsamer als Schweini und Co. Mertesacker bekommt vor Anpfiff Gelegenheit, in Erinnerungen an die WM 2006 zu schwelgen. Die älteren von uns wissen es noch: Heimturnier, Eröffnungsspiel in München, Auftaktsieg. Mertesacker: "Mir ging damals der Stift". Wenigstens so lange, bis Philipp Lahm nach ca. sechs Minuten das erste Tor des Turniers schoss.

Eben jener Philipp Lahm steht nun im Mittelkreis auf dem Spielfeld und gibt sich bescheiden: "An meine Tore können sich die meisten erinnern. Das war'n ja nicht so viele." Dann transportiert er noch reichlich positive Botschaften, etwa wie dieses Turnier die Menschen bei den ganzen weltweiten Krisen zusammenführen kann. Lothar Matthäus wäre das jetzt womöglich "alles zu positiv". Aber der Philipp hat doch recht: "Die Leute haben wieder Lust, zusammenzukommen." Ist halt immer noch der Kapitän.

Im ZDF-Studio sitzen unterdessen Katrin Müller-Hohenstein und Laura Freigang vor einer "wahnwitzig großen LED-Leinwand" (O-Ton KMH). Auch Nationalspielerin Freigang verspürt "eine positive Stimmung im Land". KMH schlägt nur lässig die Beine übereinander und zeigt ihre Bart-Simpson-Socken. Eine Live-Schalte, die sie kurz daraufhin ankündigt, funktioniert nicht. Wegen der ganzen Handys gebe es Verbindungsschwierigkeiten, vermutet sie. Klar: Wahrscheinlich ist deutschlandweit das Netz zusammengebrochen, weil gerade jeder die Socken als Meme twittert.

Jochen Breyer, Julian Nagelsmann, Christoph Kramer und Per Mertesacker (von links) freuen sich über den Spielausgang. Da werden bei Kramer und Mertesacker gleich Erinnerungen an eine legendäre WM-Party wach. (Bild: ZDF)
Jochen Breyer, Julian Nagelsmann, Christoph Kramer und Per Mertesacker (von links) freuen sich über den Spielausgang. Da werden bei Kramer und Mertesacker gleich Erinnerungen an eine legendäre WM-Party wach. (Bild: ZDF)

Bei den drei Mainzelmännchen am Spielfeldrand ist inzwischen der Bundetrainer eingetroffen. Der gibt sich optimistisch und hat für das Spiel auch eine Überschrift. Die will er aber erst nach dem Spiel verraten. Dann beginnt die Eröffnungszeremonie, bei der trotz Pyro-Verbot ein bisschen Feuerwerk gezündet wird. Bevor sich jetzt ein paar Ultras beschweren können, klärt Kommentator Oliver Schmidt auf: "Das ganze ist vom Münchner Kreisverwaltungsreferat von Amts wegen genehmigt."

Ach, wie sehr wünscht man sich da, dass ZDF-Sportreporterin Amelie Stiefvatter einen schottischen Fan, der bereits das halbe Hofbräuhaus trockengesoffen hat, dazu bringt, das zehnmal hintereinander zu sagen: "Münchner Kreisverwaltungsreferat, Münchner Kreisverwaltungsreferat, Münchner Kreisverwaltungsreferat..."

Überhaupt die Schotten. Diese Fans sind so umwerfend nett, Schottland sollte für jedes Turnier eine Wildcard erhalten, "No Scotland, no Party" heißt es schließlich völlig richtig. Die Schotten umarmten ihre deutschen Nachbarn, applaudierten der deutschen Mannschaft. Und sangen noch "Flower of Scotland", als sie 0:4 hinten lagen. Da wollte man dem Schiri nach dem Foul an Gündogan glatt zurufen: "Lass die Karte stecken, er hat's nicht so gemeint." Und letztlich hatte ja sogar Antonio Rüdiger ein Einsehen mit den "Bravehearts". Nur deshalb versenkte er für sie den Ball in Manuel Neuers Tor, garantiert!

Eine Torwart-Diskussion gab es nach dem Spiel übrigens nicht. Genauso wenig wie eine Überschrift zu dem Spiel. Da drückte sich Julian Nagelsmann, weil in seiner Headline Wörter vorkamen, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht angebracht seien. "Es ist nach 23 Uhr", meinte Jochen Breyer ermutigend, aber der Bundestrainer blieb stur: "Es sind ja doch noch viele Kinder da."

Intim wurde es dann trotzdem noch. Nämlich als Mertesacker und Kramer grinsend von ihrer Party nach dem Auftaktsieg bei der WM 2014 erzählten. Damals waren sie von Jogi Löw irgendwann ins Bett geschickt worden. Dass der damalige Bundestrainer dabei offensichtlich schon seinen Schlafanzug trug, veranlasste Jochen Breyer, den gegenwärtigen zu fragen: "Um wie viel Uhr würden Sie im Pyjama runterkommen wie Jogi Löw?" Nagelsmann darauf: "Ich habe gar keinen Pyjama eingepackt."

Die Fans verfallen derweil in eine "Rückspiegel-Überzieher-Euphorie", wie Jochen Breyer den Gemütszustand der Anhänger nach diesem Spiel beschrieb. Er erfand außerdem noch das Wort "Selbstvertrauentankungsprogramm". In der Duden-Redaktion legen sie bei der nächsten ZDF-Übertragung eine Sonderschicht ein.

Das deutsche Spiel gegen Ungarn läuft am Mittwoch in der ARD. Bis dahin ist der Schweini wieder fit. Und Heidi Klum hat hoffentlich ein Foto für unsere Jungs. Denn: Nur ein Team kann Europameister werden!