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Ü40 an der Platte: Boll, Steger und Co. trotzen dem Rost

Boll gehört noch nicht zum alten Eisen (ATTILA KISBENEDEK)
Boll gehört noch nicht zum alten Eisen (ATTILA KISBENEDEK)

Je oller, umso doller: In der Tischtennis Bundesliga sind Routiniers auch jenseits der 40-Jahre-Grenze Erfolgsgaranten.

Köln (SID) Oldies but Goldies: Nicht nur das deutsche Idol Timo Boll widerlegt in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) erfolgreich das Image von Ü40-Assen als Auslaufmodellen. Sein ebenfalls bald 43 Jahre alter Ex-Nationalmannschaftskollege Bastian Steger hat derzeit mit einer beachtlichen Erfolgsserie großen Anteil am Höhenflug des Überraschungsdritten TSV Bad Königshofen.

"Es gibt kein Geheimnis", meint Steger zu seinem "dritten Frühling" mit acht Einzelsiegen nacheinander nüchtern, "es ist nur die Umstellung von ein paar Kleinigkeiten."

Der zweimalige EM-Dritte sowie der nur elf Tage ältere EM-Rekordchampion Boll (Düsseldorf) sind zwar die "Senioren" im Oberhaus, aber trotzen nicht alleine dem ansetzenden Rost. Nur geringfügig jünger ist beim TTC Fulda-Maberzell der frühere Doppel-Weltmeister Chuang Chih-Yuan (Taiwan). Der Chinese Wang Xi von Ex-Pokalsieger ASV Grünwettersbach feierte an Neujahr seinen 40. Geburtstag. Düsseldorfs indischer Ersatzspieler Kamal Sharath Achanta zählt auch schon 41 Lenze.

Außer der Liebe zum Tischtennis, die besonders Boll seit Längerem betont ("Sieg und Niederlage waren für mich nie entscheidend, vielmehr das Gefühl, das Beste aus mir rauszuquetschen"), ermöglichen noch andere Faktoren die Verlängerung mancher Karrieren über den Zenit hinaus. "Tischtennis ist weit mehr als Ausdauer und Physis, Tischtennis ist hochkomplex, eine Kopfsportart. Unter Druck haben die einen Vorteil, die das schon hunderte Male erlebt haben", sagte TTBL-Geschäftsführer Nico Stehle über das Phänomen der "rüstigen Rentner".

Doch auch der spezifische Charakter des kontaktlosen Sports lädt vermehrt zu Ü40-Partys am Tisch ein. "Es gibt nunmal niemanden", betont Sportdirektor Richard Prause vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB), "der einem die Beine weghaut."

Boll, Steger und Co. sind nicht die ersten im Oberhaus mit Erfolg als Jungsenioren. Zu ihren Vorgängern zählen prominente Namen.

1979 hörte der Düsseldorfer Ex-Vizeweltmeister Eberhard Schöler mit 39 Jahren als Mannschaftsmeister auf, sein langjähriger DTTB-Mitspieler Wilfried Lieck stand für seinen TTC Altena letztmals 1995 mit fast schon 50 Jahren an der Platte, und der frühere Doppelweltmeister und heutige Bundestrainer Jörg Roßkopf gewann 2007 als 38-Jähriger EM-Gold mit der Mannschaft. Schwedens lebende Legende Jan-Ove Waldner kam 2004 in Athen mit 39 nochmal bis ins Olympia-Halbfinale und beendete erst 2012 nach sieben Jahren in Fulda als 46-Jähriger seine Karriere.

Alle aber sind regelrechte Jungspunde im Vergleich zu Ni Xia Lian: Die für Luxemburg spielende Chinesin gewann noch 2021 bei der WM in Durban Bronze im Doppel - und peilt nun im Mixed ihre sechste Olympia-Teilnahme an. Im Erfolgsfall würde die Ex-Europameisterin in Paris als 61-Jährige aufschlagen.