Athleten Deutschland nimmt WADA in die Pflicht

Krüger fühlt mit den Kontrahenten der chinesischen Schwimmer (IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON)
Krüger fühlt mit den Kontrahenten der chinesischen Schwimmer (IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON)

Auch der Verein Athleten Deutschland hat angesichts eines möglichen Doping-Vertuschungsfalls vor den Olympischen Spielen 2021 schnelle und schonungslose Aufklärung gefordert. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) sei "umso mehr in der Verantwortung und Bringschuld gegenüber sauberen Athletinnen und Athleten, zügig und transparent Antworten zu liefern", teilte die Athletenvertretung am Montag mit.

"Sollten sich die Verdachtsfälle als zutreffend herausstellen, wäre das offenbar nachlässige Agieren der WADA ein Schlag ins Gesicht aller sauberen Athletinnen und Athleten", sagte Präsidiumsmitglied Lea Krüger. Die Fechterin sieht diese unter den anscheinenden Umständen um "Lebenshöhepunkte" sowie "sportliche und finanzielle Lebenschancen" gebracht.

Laut einer gemeinsamen Recherche der ARD-Dopingredaktion und der New York Times wurden 23 chinesische Spitzenschwimmer vor den Sommerspielen in Tokio positiv auf das verbotene Herzmittel Trimetazidin getestet, allerdings nicht sanktioniert. Drei von ihnen gewannen 2021 in Japan Olympiagold.

Maximilian Klein, Direktor für Sportpolitik bei Athleten Deutschland, betonte, dass der Umgang der WADA mit dem russischen Staatsdopingskandal, der dem Olympia-Gastgeber bei den Winterspielen in Sotschi 2014 zu einem Medaillenregen verholfen hatte, bereits "zu einem massiven Vertrauensverlust geführt" habe, welcher "bis heute nachhallt". Dass die WADA anscheinend "abermals im Umgang mit einem Verdachtsfall in diesem Ausmaß versagt" habe, reiße alte Wunden wieder auf.

Die jüngsten Enthüllungen drohten "saubere Athletinnen und Athleten vollends resignieren zu lassen. Kurz vor den Olympischen und Paralympischen Spielen verschärft sich die Glaubwürdigkeitskrise des Weltsports und des Anti-Doping-Kampfs erneut", so Klein.

Die am Samstag veröffentlichten Recherchen hatten international für Aufsehen gesorgt. Athletenvertretungen, Verbände, Politiker und beispielsweise die US-Anti-Doping-Agentur USADA drängen vehement auf eine schnelle und schonungslose Aufklärung. Chinas Außenministerium wies die Berichte am Montag als "Fake News" zurück.