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Coming-Out in der NBA: Mutige Schiri-Entscheidung

Von Moritz Piehler

Bill Kennedy pfeift in der NBA

Der NBA-Schiedsrichter Bill Kennedy wurde homophob beleidigt – und reagierte mit seinem Coming-Out. Jetzt diskutiert die stets um ein sauberes Image bemühte teuerste Basketballliga der Welt über ihren Umgang mit Homophobie.

Rajon Rondo ist kein unbekannter Spieler, der als launisch geltende Aufbauspieler ist schon jetzt einer der besten Passgeber der NBA-Geschichte. Kaum ein anderer Point Guard hat eine dermaßen gute “Court Vision” wie der 29-jährige. Zuletzt verlor Rondo, der letztes Jahr einen etwas kuriosen Zwischenstopp bei Dirk Nowitzkis Mavericks einlegte, aber komplett den Überblick, als er den erfahrenen Schiedsrichter Bill Kennedy mit homophoben Beleidigungen überschüttete, nachdem dieser ihn vom Platz gestellt hatte.

Kennedy, der seit 18 Jahren NBA-Partien leitet, reagierte nun in einem Interview mit Yahoo Sports mit seinem offiziellen Coming-Out und tritt erneut eine Diskussion in der Liga und in der amerikanischen Medienwelt los, die vor zwei Jahren mit dem ersten offen schwulen NBA Spieler Jason Collins begonnen hatte und sich über den Footballspieler Michael Sam fortsetzte, der sich noch vor dem Draft outete und eine hitzige Diskussion über das Männlichkeitsbild der NFL auslöste. Weniger Beachtung fand hingegen das Coming-Out der NBA-Schiedsrichterin Violet Palmer im vergangenen Jahr.
 
Testosterongeladene Sportswelt
In einer Sportswelt, die sich dermaßen testosterongeladen präsentiert, scheint es immer noch höchst problematisch zu sein, heteronormative Rollenbilder auch nur anzusprechen. Dazu muss gesagt werden, dass die NBA ihre jungen Spieler eigentlich einem gnadenlosen Etikette-Programm unterwirft. Kleidungsvorschriften, Verhalten gegenüber Fans und Medienvertretern, Vermeidung von PR-Skandalen werden den frisch vom College gedrafteten Jungmillionären da eingetrichtert. Auch eine Folge des furchtbaren Images, mit dem die NBA lange Jahre zu kämpfen hatte. In den 70ern galt sie als Prügelliga, noch in den 90ern war die Angst der Marketingabteilungen groß, als “zu schwarz” zu gelten und so wurde Spielern wie dem Superstar Allen Iverson verboten, mit ihrer Crew und in Hiphop-Outfits im offiziellen Rahmen zu erscheinen.

Der Dresscode gilt übrigens noch heute, die Stars sollen möglichst vermarktungsfreundlich daher kommen, um die weiße Mittelschicht nicht abzuschrecken. Positiv am sauberen Image ist allerdings, dass sich auch in Sachen Rassismusbekämpfung etwas getan hat. Der Aufreger der letzten Saison war Clippers Besitzer Donald Sterling, der sich dummerweise bei seinen rassistischen Wutreden aufnehmen ließ und nur wenige Wochen später von der Liga-Kommission sein Team entzogen bekam. Die konsequente Reaktion wurde vielerorts als wichtiges Signal gegen Rassismus gefeiert. Doch während rassistische Beleidigungen mittlerweile harte Konsequenzen zur Folge haben, ist die NBA in Sachen Homophobie noch meilenweit hinterher.

Trainer und Liga-Vertreter tragen Verantwortung
Auf das Coming-Out von Jason Collins gab es mehrere negative öffentliche Reaktionen anderer Spieler, Vorurteile gegen Homosexuelle sind nach wie vor weit verbreitet unter den Profis. Wie auch auf Sportplätzen hierzulande wird “schwul” oft und leichtfertig als Beleidigung verwendet. Einen Teil der Verantwortung tragen hier wie dort immer auch Trainer und Liga-Vertreter mit ihren Bewertungen homophoben Verhaltens. Rondo bekam für seine Entgleisungen beispielsweise nur ein Spiele Sperre ohne Gehalt aufgebrummt, dazu gab es eine halbherzige Entschuldigung via Twitter.

Für einen Schiedsrichter wie Kennedy, der sich ohnehin dem ständigen Druck durch Spieler und Publikum ausgesetzt sieht, ist es eine noch mutigere Entscheidung, sich zu outen, als für einen Spieler. Aber eine bessere Reaktion auf die unsäglichen Beleidigungen hätte es nicht geben können. In seinem Statement sprach Kennedy die Hoffnung aus, jungen Homosexuellen ein Vorbild zu sein und ihnen den Rücken zu stärken, von Fanseite aus gab es in den sozialen Medien dafür reichlich Zuspruch, die Stars der NBA hingegen halten sich eher bedeckt. Dabei hätte nichts so viel Strahlkraft, wie ein klares Toleranzbekenntnis durch LeBron James oder Steph Curry. Immerhin die Liga reagierte professionell und vorbildlich. Comissioner Adam Silver sagte dem 49-jährigen Kennedy seine volle Unterstützung zu und sprach sowohl die gemachten Fortschritte an, als auch den noch weiten Weg zu einer tatsächlichen Gleichbehandlung. Schade, dass es des Mutes eines Einzelnen bedarf, die ersten Schritte auf diesem Weg zu gehen.