Dämonen und Schlangen: Fagioli ist zurück und kämpft weiter

Nicolo Fagioli kämpft weiter gegen seine Spielsucht (MARCO BERTORELLO)
Nicolo Fagioli kämpft weiter gegen seine Spielsucht (MARCO BERTORELLO)

Die Dämonen suchen ihn weiter auf, die Schlange ist noch nicht besiegt - aber Nicolo Fagioli kämpft sich weiter zurück. Nach seiner siebenmonatigen Sperre wegen eines Wettskandals hat der Mittelfeldspieler erst am Montag wieder sein erstes Spiel für Juventus Turin bestritten. Und nun ist er von Nationaltrainer Luciano Spalletti in das 30-köpfige vorläufige Aufgebot der italienischen Nationalelf für die anstehende EM in Deutschland berufen worden. Seine Spielsucht treibt den 23-Jährigen aber weiter um.

"Eine Sucht wie diese ist nie wirklich besiegt. Ich weiß nur, dass ich nicht aufgehört habe und nicht aufhöre, sie zu bekämpfen. Ich wäre ein Lügner, wenn ich behaupten würde, dass sie nicht immer wieder auftaucht, dass sie nicht ab und zu ihr verführerisches Lied anstimmt", sagte Fagioli, der sich in psychologischer Behandlung befindet, der Gazzetta dello Sport: "Aber jetzt zähme ich sie, indem ich einfach daran denke, wie sehr sie mich verletzt hat. Und ich weiß, dass es so etwas wie 'Ich tue es nur einmal' nicht gibt, denn diese Schlange klammert sich an dich und lässt dich nie wieder los."

Fagioli sei nicht mehr Herr seiner selbst gewesen. "Die Spielsucht hatte mein Leben verschlungen, sie war zu einem Albtraum geworden. Ich wurde von einem Vakuum verschluckt, das niemandem ins Gesicht schaut. Ich fühlte mich wie erstickt, konnte aber keinen Ausweg finden", sagte er.

Dass der Wettskandal, in den auch Nationalspieler Sandro Tonali verwickelt war, im Oktober 2023 aufgeflogen sei, habe er als "Befreiung" erlebt. "Dieser Tornado, der mich gegen die Wand schleuderte, hat mich gezwungen, erwachsen zu werden oder zumindest mehr Verantwortung zu übernehmen. Ich habe eine psychologische Therapie begonnen", sagte er: "Ich suche in mir selbst nach den Gründen, um zu verstehen, warum ich kein Gegenmittel gegen Leere und Langeweile hatte."

Und Fagioli betonte: "Ich habe nur mich selbst verletzt. Ich habe keine Spiele manipuliert, ich habe keine Ergebnisse beeinflusst. Ich habe Fehler gemacht, auf illegalen Webseiten gewettet und viel Geld verloren. Ich weiß, aber ich wusste schon damals, dass man bei diesen Spielen nur verliert. Und nicht nur Geld. Ich fühlte mich wie ein Idiot, aber ich konnte nicht anders."