Degenkolb will auf Gravel-Etappe "eine Rolle spielen"

John Degenkolb rechnet sich Chancen aus (IMAGO/Fotoreporter Sirotti Stefano)
John Degenkolb rechnet sich Chancen aus (IMAGO/Fotoreporter Sirotti Stefano)

Der Ritt über die weißen Schotterwege der Champagne wird zum Härtetest für Mensch und Material, die Top-Favoriten fürchten Stürze und Defekte, der deutsche Radprofi John Degenkolb wittert auf der mit Spannung erwarteten Gravel-Etappe bei der 111. Tour de France am Sonntag dagegen seine Chance.

"Die Etappe ist enorm schwer. Es geht gerade im mittleren Teil berghoch und bergab. Wenn ich den Teil gut überlebe, glaube ich schon, dass ich auch im Finale irgendeine Rolle spielen kann", sagte der Klassikerspezialist: "Solche Tage sind aber immer schwierig einzuschätzen."

Der 199 km lange Rundkurs mit Start und Ziel in Troyes sticht bei der Tour 2024 heraus. 14 Gravel-Abschnitte, die an Klassiker wie Strade Bianche oder Paris-Tours erinnern, stellen die Fahrer vor eine besondere Herausforderung. Sechs Passagen liegen im letzten Streckenabschnitt, die Gesamtlänge liegt bei 32,2 km.

Tour-Spitzenreiter Tadej Pogacar im Gelben Trikot hat seine Stärke auf diesem Terrain bereits unter Beweis gestellt, der Slowene gewann zwei Mal die Strade Bianche in Italien. "Wir haben mit Tadej einen guten Fahrer für diese Etappe", sagte Pogacars deutscher UAE-Teamkollege Nils Politt: "Er hat bewiesen, dass er sowas super kann."

Die Gravel-Sektoren im Rahmen der Frankreich-Rundfahrt sind jedoch umstritten. Vor allem die Teams der Klassementfahrer blicken aufgrund des erhöhten Sturz- und Defektrisikos und mit gemischten Gefühlen auf den Tag. "Es ist immer eine große Gefahr. Für die Klassementfahrer gibt's nicht viel zu gewinnen, nur relativ viel zu verlieren", sagte Degenkolb.

Der 35 Jahre alte Routinier, dessen Team dsm-firmenich PostNL ohne Gelb-Anwärter am Start steht, befürwortet die zusätzliche Herausforderung. "Ich glaube schon, dass es für das Image der Tour de France auch ein Stück weit dazugehört", sagte Degenkolb.

Gravel-Passagen seien ein Teil des Radsports und der Radsport-Geschichte: "Genauso ist es immer wieder schön, mal eine Kopfsteinpflaster-Etappe oder eine richtig krasse Windkanten-Etappe dabei zu haben. Das sind alles Bereiche, die im Radsport dazugehören. Wenn man im Gesamtklassement vorne mit dabeisein möchte, müssen die auch gemeistert werden."