Selbst eigene Spieler überrascht von Nagelsmann

Kai Havertz auf der linken, Leroy Sané auf der rechten Schiene: Julian Nagelsmann setzte bei seinem Heim-Debüt gegen die Türkei auf eine etwas andere Abwehr-Formation - und überraschte damit auch mehrere Spieler.

Ein gelernter Verteidiger und ein Neuling; Antonio Rüdiger bestaunt Kai Havertz beim Kopfball. (Bild: Maja Hitij/Getty Images)
Ein gelernter Verteidiger und ein Neuling; Antonio Rüdiger bestaunt Kai Havertz beim Kopfball. (Bild: Maja Hitij/Getty Images)

„Unsere Spielidee soll nicht komplex, aber attraktiv sein.“ Wenn etwas von Julian Nagelsmanns Antrittspressekonferenz beim DFB am 22. September hängen blieb, dann die Ankündigung, seine Spieler nicht mit zu vielen taktischen Neuerungen überfrachten zu wollen.

Häufig fiel seither in Medienrunden oder Interviews der Begriff „Einfachheit“. Davon war beim Heim-Debüt des Bundestrainers am Samstag im Berliner Olympiastadion allerdings wenig zu sehen.

Im Gegenteil: Nagelsmann bastelte an seinem System herum, setzte auf eine asymmetrische Formation mit drei Verteidigern (Benjamin Henrichs, Jonathan Tah und Antonio Rüdiger), die bei gegnerischem Ballbesitz von zwei sehr offensiv denkenden Schienenspielern (Kai Havertz links, Leroy Sané rechts) Unterstützung erhalten sollten.

DFB-Stars überrascht

Eine Fünferkette der etwas anderen Art, über die sich nicht nur einige Außenstehende wunderten. Nach SPORT1-Informationen zeigten sich auch mehrere DFB-Stars überrascht von der mutigen Maßnahme ihres Trainers, zwei so angriffslustige Spieler wie Havertz und Sané mit derart vielen Defensivaufgaben zu betrauen.

Es war zwar kein spontaner Einfall, Nagelsmann hatte sein Team schon mehrere Tage im Vorfeld der Partie über seinen Plan informiert und einige detaillierte Videositzungen abgehalten - doch an der Umsetzung, speziell im Spiel gegen den Ball, haperte es.

Die ersten beiden türkischen Treffer fielen über die Sané-Seite, das Siegtor der Gäste entstand durch ein (wenn auch strittiges) Havertz-Handspiel.

Auf dem Weg zum Tor: Ferdi Kadioglu entwischte Leroy Sane vor seinem Treffer. (Bild: Maja Hitij/Getty Images)
Auf dem Weg zum Tor: Ferdi Kadioglu entwischte Leroy Sane vor seinem Treffer. (Bild: Maja Hitij/Getty Images)

Nagelsmann will nicht alles „schwarzmalen“

Besonders auffällig: Immer wieder gab es Abstimmungsprobleme zwischen Sané und Henrichs. Dem Bayern-Star war schlichtweg anzumerken, dass er in München seit Monaten immer einen klaren Rechtsverteidiger (mal Noussair Mazraoui, mal Konrad Laimer) hinter sich hat und dort wesentlich befreiter nach vorne spielen kann.

Nagelsmann wollte dennoch „nicht alles schwarzmalen“, wie er nach dem Abpfiff betonte, wohl auch weil seine beiden Schienenspieler den frühen Führungstreffer in der 5. Minute kreiert hatten. Torschütze Havertz sei sogar „mit der beste Mann“ in den Reihen der Deutschen gewesen, urteilte der Coach.

Möglich, dass der Profi des FC Arsenal beim letzten Länderspiel des Jahres gegen Österreich am Dienstag in Wien (20.45 Uhr) erneut die Chance als „verkappter“ Linksverteidiger erhält.

In jedem Fall plant Nagelsmann, wie SPORT1 erfuhr, mit mindestens einer personellen Abwehr-Neuerung: Mats Hummels soll beginnen. Dadurch könnte Henrichs auf die rechte Schiene rücken – und Sané hauptsächlich wieder dort agieren, wo er sich am wohlsten fühlt: vorne.

Im Video: STAHLWERK Doppelpass: Stefan Effenberg über das Abwehrchaos beim DFB-Team