Drama-Bronze für ukrainische Geherin "für das ganze Land"

Oljanowska durfte am Ende über eine Medaille jubeln (ANDREAS SOLARO)
Oljanowska durfte am Ende über eine Medaille jubeln (ANDREAS SOLARO)

Ljudmyla Oljanowska kämpfte buchstäblich bis zum letzten Schritt - und wurde belohnt. Die Geherin sorgte mit ihrem beherzten Schlussspurt zum Auftakt der Leichtathletik-EM in Rom für eine kuriose wie emotionale Szene. Die Spanierin Laura Garcia-Caro hatte sich auf der Schlusssrunde im Stadio Olimpico auf Medaillenkurs liegend bereits eine Fahne ihres Landes geschnappt und ganz offenbar nicht mehr mit Oljanowska gerechnet - mit schwerwiegenden Folgen: Die Ukrainerin fing Europas Jahresbeste unmittelbar vor der Ziellinie noch ab und jubelte nach 20 km über Bronze.

"Natürlich war ich auf dem letzten Kilometer und den letzten Metern müde, aber ich wollte diese Medaille unbedingt für mein Land gewinnen", sagte Oljanowska, die am Ende zeitgleich mit Garcia-Caro in 1:28,48 Stunden die Ziellinie überquerte: "Das Wichtigste ist, dass ich meiner Mutter, meinem Vater und der ganzen Ukraine ein großes Dankeschön sagen muss. Es ist ein sehr emotionaler Moment für mich."

Ihre bislang letzte internationale Medaille hatte die heute 31-Jährige vor neun Jahren bei der WM in Peking mit Bronze gewonnen - wenig später war sie allerdings wegen Dopings für vier Jahre gesperrt worden. 2014 hatte sie in Zürich wie nun in Italien EM-Bronze geholt. Es in dieser so schweren Situation für ihr kriegsgeplagtes Heimatland wieder auf ein großes internationales Podest geschafft zu haben, bedeutete ihr viel.

"Wir trainieren unter sehr schwierigen Bedingungen, es war eine sehr harte Vorbereitung, aber ich bin sehr froh, dass ich es geschafft habe, eine Medaille mit nach Hause zu bringen", sagte Oljanowska über die Situation in der Ukraine: "Das war es, was mich am meisten zum Ziel getrieben hat. Ich habe es für das ganze Land getan."