Gündogan: "Wenig überrascht" von Umfrage-Ergebnissen

DFB-Kapitän Ilkay Gündogan (Bild: FRANCK FIFE)
DFB-Kapitän Ilkay Gündogan (Bild: FRANCK FIFE)

DFB-Kapitän Ilkay Gündogan ist von rassistischen Tendenzen in der deutschen Gesellschaft "wenig überrascht". Man sehe ja "die politische Entwicklung der letzten Monate, vielleicht sogar Jahre", sagte der Nationalspieler bei einem Medientermin im EM-Trainingslager in Herzogenaurach.

Das Problem, so Gündogan weiter, gebe es aber "weltweit. Die Zahlen sind nicht überraschend. Wir wissen das alle. Vielleicht wird es das auch noch die nächsten zehn Jahre geben, vielleicht wird es besser - hoffentlich", ergänzte der Profi des FC Barcelona.

In einer repräsentativen Umfrage für die WDR-Sendung "Sport Inside" hatten 17 Prozent der Befragten angegeben, dass sie es "schade" fänden, dass der DFB-Kapitän türkische Wurzeln habe. Jeder Fünfte (21 Prozent) hatte zudem erklärt, dass er es besser fände, wenn wieder mehr weiße Spieler in der Nationalmannschaft spielen würden.

Weit mehr als die Hälfte der im Zeitraum Februar bis April 2021 befragten Fußballfans in Deutschland waren der Ansicht, dass Rassismus im Profifußball verbreitet ist. Nur 7,9 Prozent der Teilnehmer vermuteten gar keine Präsenz von Rassismus im deutschen Profifußball. (Quelle: FanQ; SID)
Weit mehr als die Hälfte der im Zeitraum Februar bis April 2021 befragten Fußballfans in Deutschland waren der Ansicht, dass Rassismus im Profifußball verbreitet ist. Nur 7,9 Prozent der Teilnehmer vermuteten gar keine Präsenz von Rassismus im deutschen Profifußball. (Quelle: FanQ; SID)

Für Gündogan ist es "irgendwie traurig, dass wir in der heutigen Zeit solche Umfragen machen und darauf Wert legen. Was mich stört, ist auch der Zeitpunkt. Das ist für mich komplett unnötig und macht wenig Sinn", sagte der 33-Jährige am Dienstag.

Die Umfrage hatte zu heftigen Reaktionen und reichlich Kritik geführt. Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte appelliert: "Wir müssen aufwachen! Es gibt unzählige Menschen in Europa, die flüchten müssen. Ich finde es Wahnsinn, wie verblendet wir da sind." Eine Fußball-Mannschaft wie die DFB-Elf könne "Vorbild sein, wie man verschiedene Kulturen und Hautfarben vereint und an einem gemeinschaftlichen Ziel arbeitet".

Joshua Kimmich sagte zu den Umfrage-Ergebnissen: "Wer im Fußball aufgewachsen ist, der weiß, dass das absoluter Quatsch ist." Sein Sport sei "ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man verschiedene Nationen, Hautfarben und Religionen vereinen kann". Er würde "viele Spieler sehr vermissen, wenn sie nicht hier wären", betonte Kimmich. So etwas sei "absolut rassistisch".

Die Umfrage wurde für die TV-Dokumentation "Einigkeit und Recht und Vielfalt" bei Infratest dimap in Auftrag gegeben. Sie wurde am 2. und 3. April unter 1304 zufällig ausgesuchten Personen durchgeführt.