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Der Keeper mit nur einem Fehler

Es war ein warmer Mai-Abend in Madrid, als Sven Ulreich der Fehler seines Lebens unterlief. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Der Keeper des FC Bayern – sonst bärenstarker Ersatz des damals wie heute verletzten Manuel Neuer – wollte einen Rückpass von Corentin Tolisso zunächst mit den Händen aufnehmen, ihn dann – nach Einsicht seines Irrtums – mit dem Fuß wegschlagen, bevor schließlich alles zu spät war.

Der Ball rutschte durch, Real-Stürmer Karim Benzema witterte die Chance und schob ins leere Tor ein. Es war das 1:0 für die Königlichen. Geschehen an diesem 1. Mai 2018, an dem die Bayern unglücklich mit 2:2 aus der Champions League flogen.

Was jenen Fehler von damals so besonders macht – und warum er überhaupt noch Erwähnung verdient hat: Er war der einzige, den Ulreich machte in jenen Tagen, den vielen Tagen, in denen er Neuer mustergültig vertrat.

Und dabei scheint es sich ein bisschen so zu verhalten wie mit dem Sprichwort „Ausnahmen bestätigen die Regel“: Fehler können auch Weltklasse bestätigen, besonders dann, wenn es der einzige ist, an den sich weit und breit jemand zu erinnern vermag.

Was die Parallele zu heute angeht: Neuer ist wieder verletzt, seit Wochen schon, und wieder steht Ulreich parat, wieder hält er den Kasten sauber – und jener Fehler aus Madrid bleibt der einzige, der Bayerns Fans ins Gedächtnis kriecht.

Ulreich sorgt für Bayern-Stabilität

Zugegeben: In den vergangenen Spielen funktionierte die Bayern-Abwehr wieder gut. Aber Ulreich ist es, der von hinten den heimlichen Koordinator mimt, der Teil dieser Abwehr ist, mit dem Ball umgehen kann, das Spiel zuweilen schön eröffnet. Kurzum: Der 34-Jährige ist mitverantwortlich, warum es wieder so gut funktioniert.

„Er macht es überragend. Fußballerisch ist er sehr gut, mit guter Spieleröffnung. Manu ist der beste Torhüter der Welt. Aber die Jungs haben großes Vertrauen in Ulle. Wir sind sehr froh, dass wir jemanden haben, auf den wir uns verlassen können“, sagte auch Trainer Julian Nagelsmann vor dem Liga-Spiel gegen Mainz 05.

In Zahlen lässt sich das einfach lesen: Fünfmal vertrat Ulreich zuletzt Neuer, dreimal spielten die Bayern zu null. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

„Bei Bedarf zur Stelle“, bewertete SPORT1 seine Leistung beim 3:0-Sieg in Barcelona – und genau das drückt es gut aus: Ulreich ist immer zur Stelle, wenn die Bayern ihn brauchen, er ist solide und häufig mehr als das. Er hält schwierige Bälle, er ist aufmerksam, seine Stellungsspiel ist tadellos und seine Kommunikation mit den Mitspielern ebenso.

„Aus der Kalten zu starten, ist sicher nicht ganz einfach, aber dann waren die Abläufe recht schnell wieder drin – auch weil wir in den letzten Wochen viele Spiele hatten und haben. So konnte ich mir Spielpraxis holen“, sagte Ulreich nach dem Sieg gegen die Katalanen.

Neuer-Rückkehr ungewiss

Dabei ist ungewiss, wie lange der ehemalige HSV-Keeper noch für die Bayern im Kasten stehen wird. Neuers Rückkehr war zunächst für das Spiel gegen Mainz am Samstag vorgesehen. (NEWS: Was Lewandowski in der Bayern-Kabine machte)

Nach den Entwicklungen der vergangenen Tage ist aber klar: Neuer kann sein Comeback allerfrühestens gegen Inter Mailand am Dienstag feiern. Doch auch das wird zunehmend unwahrscheinlicher.

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Der drei Jahre ältere Nationaltorhüter konnte am Donnerstag nur zehn Minuten mit dem Ball trainieren, danach ging es für ihn wieder auf den Massagestuhl – zu groß sind noch die Schmerzen im Schultereckgelenk, wo er sich eine Prellung zugezogen hatte.

Zwar beteuerte Bayern-Coach Julian Nagelsmann bei SPORT1, dass Neuer das Training „nicht abgebrochen“ habe – ungewiss bleibt seine baldige sportliche Rückkehr dennoch, auch im Hinblick auf die am 20. November beginnende WM in Katar.

Die gute Nachricht aus Bayern-Sicht: Solange Neuer ausfällt, ist da dieser Ulreich, auf den sich der Rekordmeister immer verlassen kann. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Jener Ulreich, der irgendwann mal einen Fehler beging.

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