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Untersuchung gegen Pariser OK-Chef

Estanguet ist OK-Chef der Paris-Spiele (CHRISTOPHE ARCHAMBAULT)
Estanguet ist OK-Chef der Paris-Spiele (CHRISTOPHE ARCHAMBAULT)

Dem Organisationschef der Olympischen Sommerspiele in Paris, Tony Estanguet, droht weniger als ein halbes Jahr vor der Eröffnungsfeier juristischer Ärger. Wie der 45-Jährige am Dienstag bestätigte, haben auf Finanzkriminalität spezialisierte Richter in der vergangenen Woche eine Untersuchung gegen den dreimaligen Kanuslalom-Olympiasieger eingeleitet.

Die französische Nachrichtenagentur AFP hatte zuvor unter Berufung auf eine mit dem Fall vertraute Quelle berichtet, dass dabei geklärt werden soll, ob Estanguet - wie eine Investigativ-Redaktion im vergangenen Oktober berichtet hatte - durch einen Trick die Gehaltsobergrenze umgeht, die für Wohltätigkeitsorganisationen mit demselben Status wie das Organisationskomitee (Cojop) gilt.

Der Zeitung Le Canard Enchaine zufolge stellt Estanguet dem Organisationskomitee monatlich über seine eigene Firma Rechnungen, anstatt ein Gehalt zu beziehen. Estanguet selbst betonte, dass er "nicht über seine Vergütung oder deren Struktur" entscheide.

Cojop zeigte sich am Dienstag auf AFP-Anfrage "erstaunt" über die Untersuchung, die von der Nationalen Finanzstaatsanwaltschaft (PNF) eingeleitet und der Pariser Kriminalpolizei anvertraut worden sei. Der Präsident des Organisationskomitees sei "kein Angestellter" von Cojop, seine Führungskräfte unterlägen keiner Gehaltsobergrenze. Dies sei in Einklang mit der steuerlichen Ausnahmeregelung, deren Bedingungen die Organisationsform des Cojop erfülle.

Estanguet sagte in seiner Reaktion, es gebe seit der Gründung des Organisationskomitees "einen Vergütungsausschuss mit unabhängigen Experten, einen Verwaltungsrat, der Stellung genommen hat... und eine allgemeine Wirtschafts- und Finanzkontrolle aus Bercy (Sitz des französischen Finanzministeriums, d. Red.), die meine Vergütung gedeckelt hat."

Estanguet erhält laut den letzten offiziell veröffentlichten Zahlen aus dem Jahr 2018 ein Brutto-Jahresgehalt von 270.000 Euro mit möglichen Boni von weiteren 20 Prozent. Paris hatte den Zuschlag im Jahr 2017 erhalten.

Gegen das Organisationskomitee der anstehenden Olympischen (26. Juli bis 11. August) und Paralympischen Spiele (28. August bis 8. September) in Frankreichs Hauptstadt wird bereits in drei Fällen ermittelt, insbesondere wegen des Verdachts der Günstlingswirtschaft und der Veruntreuung öffentlicher Gelder bei der Auftragsvergabe.