Werbung

Nagelsmann? “Er wird sich noch wundern”

Seit Freitag ist offiziell bekannt: Julian Nagelsmann ist neuer Bundestrainer und soll den DFB zu einer erfolgreichen Heim-EM im kommenden Jahr führen. Vor der Bekanntgabe der DFB-Entscheidung kursierten mehrere Namen als potenzielle Nachfolger von Hansi Flick - auch der Name Felix Magath machte die Runde.

Wie die Trainer-Legende im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1 enthüllte, hätte er sich mit einem Jobangebot durchaus auseinandergesetzt. Auf die Frage von Moderator Florian König, ob sich Magath den Job des Bundestrainers hätte vorstellen können, antwortete der 70-Jährige ehrlich: „Ich kann die Frage nur so beantworten, dass ich bereit gewesen wäre, darüber zu reden. Ich habe immer betont, dass ich das Anforderungsprofil des DFB nicht kenne und nicht weiß, was der DFB will. Aber es gab keine Gespräche, nein.“

Effenberg forderte Magath als Flick-Nachfolger

Vor allem SPORT1-Experte Stefan Effenberg hatte sich in der Vergangenheit für Magath als Flick-Nachfolger starkgemacht, schwärmte von dessen „Aura und Persönlichkeit“.

„Wenn wir in neun Monaten eine vernünftige EM spielen und kurzfristig erfolgreich sein wollen, damit sich die Zuschauer mit der Mannschaft identifizieren können. Da kann es für mich nur einen geben: Felix Magath!“, hatte Effenberg vergangene Woche gesagt: „Bei Magath weiß man zwar, wen man sich da ins Boot holt – deshalb glaube ich auch, dass der DFB das nicht machen wird.“ Effenberg sollte Recht behalten.

Diese Probleme warten auf Nagelsmann

Magath sieht durchaus Probleme auf Nagelsmann zukommen. „Wir haben eine Situation, wo jemand mitten in einer Saison reinkommt und kurzfristig die richtigen Entscheidungen treffen muss. Ich habe diese Situation schon oft in der Bundesliga gehabt, viele Mannschaften mitten in der Saison übernommen. Ich weiß, was ich kann. Ich kann nicht garantieren, dass ich es gut gemacht hätte. Mein Ziel wäre es aber gewesen, mit dieser Mannschaft Europameister zu werden“, betonte Magath und fügte hinzu:

„Das kann natürlich auch Nagelsmann erreichen. So wie es verkauft wurde, macht es einen sehr guten Eindruck. Es scheint stimmig zu sein. Die Chancen sind groß. Wo die Chancen groß sind, ist das Risiko etwas größer. Die Aufgabe ist nicht einfach. Wie der DFB sich gibt, ist nicht unbedingt günstig für einen neuen Trainer. Da scheint Verschiedenes nicht zu funktionieren. Wir können Nagelsmann nur die Daumen drücken, dass es gut geht.“

In eine ähnliche Kerbe schlug Doppelpass-Experte Alfred Draxler: „Er hat eine sehr schwierige Aufgabe vor sich. Und er wird sich noch wundern. Ich verstehe nicht, wieso der DFB ohne Grund diese USA-Reise geplant hat. Diese USA-Reise wird für Ärger sorgen. Und dann wird sich Nagelsmann wundern, wo er gelandet ist.“

Für Magath geht es auch darum, ob Nagelsmann das nun unterschiedliche Anforderungsprofil im Vergleich zum Vereinstrainer hinbekommt: „Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Wobei man sagen muss: Der FC Bayern kommt einer Nationalmannschaft schon recht. Der Verein hat die besten Spieler, sodass es nur noch um die Auswahl der Spieler geht. Dasselbe gilt im Grunde bei der Nationalmannschaft. Wir brauchen nicht über Training reden.

Wenn du Samstag ein Bundesliga-Spiel und am darauffolgenden Mittwoch oder Freitag ein Länderspiel hast, kannst du im Training nichts machen. Das kommt immer verkehrt rüber, dass man einmal trainiert, und die Mannschaft dann anders spielt. Ich halte viel von Jürgen Klinsmann, aber er hat damit angefangen, dass er geglaubt hat, durch sein Training werden die Nationalspieler besser. Das ist dummes Zeug. Die Liga macht die Spiele und in der Liga werden die Spieler geformt, nicht in der Nationalmannschaft.“

Wer profitiert von Nagelsmann, wer nicht?

Effenberg ist vor allem gespannt darauf, wer von Nagelsmann in der Nationalmannschaft profitiert: „Das wird jetzt spannend. Was passiert mit Thomas Müller? Manuel Neuer schieben wir mal beiseite, weil der erstmal fit werden muss. Müller hatte es bei Nagelsmann eher schwer.“

Das Engagement von Nagelsmann als Bundestrainer sieht Effenberg durchaus als „hohes Risiko“ - auch mit Blick auf dessen weiteren Werdegang. Für Effenberg stellt sich auch die Frage: „Was passiert denn mit Nagelsmann in der Zukunft, sollte es nicht so gut laufen?“