Roßkopf würdigt Boll: "Top-Spieler, Top-Mensch"

Boll beendet nach Olympia seine internationale Karriere (IMAGO/Maximilian Koch)
Boll beendet nach Olympia seine internationale Karriere (IMAGO/Maximilian Koch)

Bundestrainer Jörg Roßkopf wird Timo Boll vermissen - nicht nur als Aushängeschild des Tischtennis in Deutschland. "Uns geht ein Top-Spieler, ein Top-Mensch und ein Leader für die Mannschaft verloren, der eine große Lücke hinterlässt", sagte Roßkopf dem SID. Es sei die Aufgabe, diese Lücke bald zu schließen, "aber uns war klar, dass er auch nicht bis 50 weiterspielt. Er ist 43 Jahre alt und spielt immer noch auf einem hohen Niveau, das ist echt Wahnsinn und super für uns."

Boll hatte am Montag angekündigt, seine internationale Karriere nach den Olympischen Spielen in Paris zu beenden, für seinen Verein will der Rekordeuropameister noch eine Saison weiterspielen. Es werde für Boll nun "eine schöne Zeit, er spielt ja noch ein Jahr weiter für Borussia Düsseldorf", sagte Roßkopf: "Das ist eine gute Sache, aber international ist der Kalender sehr voll, und er war verletzungsanfälliger in letzter Zeit. Warum soll er sich das noch einmal antun? Er wird die Zeit jetzt genießen."

Roßkopf (55) und Boll spielten im Verein und der Nationalmannschaft noch zusammen. Nach seinem Karriereende stand Roßkopf seinem Nachfolger als Trainer mit Rat und Tat zur Seite. Ein Weg, den Boll nicht verfolgt. "Als Trainer sehe ich mich aktuell überhaupt nicht", sagte er in seinem Abschiedsinterview der FAZ.

Roßkopf würdigt im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst nicht nur Bolls sportliche Erfolge, sondern auch sein "Fair-Play". "Wenn einer Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei Olympischen Spielen holt, Nummer eins der Welt war, dann weiß man, wie herausragend die Karriere gelaufen ist und das unter der Prämisse, immer als fairer Sportler und Mannschaftskollege dazustehen. Das ist in der heutigen Zeit extrem schwierig."

Für Paris hofft Roßkopf auf "einen guten Abschluss", will die Erwartungen aber nicht zu hoch schrauben. "Viele warten darauf, dass wir eine Medaille holen und Timo den entscheidenden Punkt macht. Dann wäre die Karriere für viele noch perfekter, als sie es schon ist", sagte er: "Aber für mich hat das eine mit dem anderen nichts zu tun." Boll habe unabhängig vom Ergebnis "eine herausragende Karriere" und könne "sehr, sehr stolz auf das sein, was er erreicht" habe.