Spott auf Twitter: Trump-Anwältin postet falsches Roosevelt-Zitat

Johannes Giesler
·Freier Autor
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Jenna Ellis gehört zu Donald Trumps Anwält*innen-Team. In dieser Rolle bringt sie, bislang allerdings völlig erfolglos, angebliche Manipulationen während der Präsidentschaftswahl vor Gericht. Jetzt hat sie aber aus anderem Grund von sich Reden gemacht.

Jenna Ellis (links) und Rudy Giuliani (Mitte) bei einem Pressetermin. Die beiden gehören zu Trumps Anwält*innen-Team. Was Ellis nicht davon abhält, falsche Zitate auf Twitter zu veröffentlichen. (Bild: REUTERS / Jonathan Ernst)
Jenna Ellis (links) und Rudy Giuliani (Mitte) bei einem Pressetermin. Die beiden gehören zu Trumps Anwält*innen-Team. Was Ellis nicht davon abhält, falsche Zitate auf Twitter zu veröffentlichen. (Bild: REUTERS / Jonathan Ernst)

Aktuell steht Jenna Ellis nicht wegen ihrer Arbeit für den US-Präsidenten Donald Trump im Licht der Öffentlichkeit, sondern weil sie am Dienstag ein Meme auf Twitter veröffentlicht hat. Das ordnet das folgende Zitat Theodore – Teddy – Roosevelt zu:

„To anger a conservative, lie to him. To anger a liberal, tell him the truth.” Übersetzt bedeutet das etwa: „Wer einen Konservativen verärgern will, sollte lügen. Wer einen Liberalen verärgern will, sollte die Wahrheit erzählen.“

Doch Roosevelt, er war Republikaner und von 1901 bis 1909 der 26. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hat das nie gesagt. Wie bereits einige Faktencheck-Seiten in den vergangenen Jahren herausgefunden haben, gibt es keine Hinweise auf den Ursprung des Zitats. Es kursiert schon lange online und wird seit einiger Zeit fälschlicherweise Roosevelt zugeschrieben.

Das hat Roosevelt nie gesagt

Politifact hat dazu beispielsweise die Theodore Roosevelt Association angefragt. Eine Einrichtung, die sich dem Leben und Vermächtnis Roosevelts verschrieben hat. Demnach habe Roosevelt nie, auch keine annähernd ähnliche Äußerung, von sich gegeben.

Darauf haben zahlreiche Nutzer*innen Ellis auch hingewiesen. Doch anstatt das Zitat zu löschen, ließ die Anwältin den Beitrag stehen und argumentierte: „Es gibt keine konkreten Aufzeichnungen darüber, dass das Zitat auf Roosevelt zurückgeht. Ich habe es trotzdem veröffentlicht, weil die transportierte Idee dahinter wahr ist. Ob Roosevelt das nun gesagt hat oder nicht.“

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Twitter-User nahmen in der Folge diese krumme Interpretation von Wahrheit und Rechtfertigung einer Lüge als Anstoß, selbst einige Zitate zu erfinden – denn es muss ja nur die Idee dahinter stimmen.

Twitter-User können das auch

Da heißt es beispielsweise: „Ich habe das nie gesagt, aber objektiv betrachtet ist Jenna Ellis eine schlechte Anwältin.“ – Teddy Roosevelt.

Oder: „Ich bin eine Schande für die Justiz.“ – Jenna Ellis. Dabei steht außerdem: „Dieses Zitat wurde Jenna zugeschrieben, aber es existieren keine Aufzeichnungen darüber, ob es wirklich von ihr stammt. Es wurde veröffentlicht, weil die Idee stimmt.“

Und: „Glückwünsche an Joe Biden und Kamala Harris zu ihrem überwältigenden Wahlerfolg.“ – Jenna Ellis.

Eine offensichtliche Falschaussage, Lüge oder einen fehlenden Kontext nach Entlarvung auch entsprechend zu benennen – das vermeiden Donald Trump und seine Anhänger*innen seit Jahren. Stattdessen haben sie eine Strategie gefunden, um sich in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Sie akzeptieren durchaus, dass es sich um eine Falschaussage handelt, ermutigen im gleichen Atemzug aber dazu, das Gesagte zu reflektieren – denn es könne ja wahr sein. Das hat der Verhaltenspsychologe Daniel Effron bereits vor zwei Jahren in der New York Times geschrieben.

Lüge ist nicht gleich Lüge

Als Beispiel nannte er damals Sarah Huckabee Sanders. Die ehemalige Pressesprecherin des Weißen Hauses hatte ein Video, das von Trump verbreitet und nicht – wie behauptet – einen Übergriff eines muslimischen Migranten zeigte, mit dem folgenden Satz kommentiert: „Ob das Video echt ist oder nicht, die Bedrohung ist echt.“

Ein weiteres Beispiel für die Strategie bot Kellyanne Conway, ehemalige Wahlkampfmanagerin Trumps. Sie hatte zu der Lüge, dass bei Trumps Vereidigung zum Präsidenten die meisten Menschen jemals bei einem Amtsantritt anwesend waren, erklärt: Das habe nur am schlechten Wetter gelegen. Ansonsten wären, so die Suggestion, die meisten Menschen gekommen.

Der Psychologe Effron hat diese Strategie daraufhin einer Studie mit 2.783 Amerikaner*innen unterzogen. Sein Ergebnis: Menschen bewerten Lügen als weniger verwerflich, wenn sie darüber nachdenken sollen, ob die Lüge „nicht auch hätte wahr sein können“. Und, genauso wichtig: Wenn die Lüge mit der eigenen politischen Gesinnung übereinstimmt.

Menschen setzen also unterschiedliche moralische Standards an, wenn sie die Ehrlichkeit von politischen Akteur*innen bewerten. Das helfe, so Effron, die eigene Überzeugung zu wahren. Gleichzeitig berge das aber auch die Gefahr, besonders anfällig für den Einfluss durch angebliche Expert*innen und Spindoktor*innen zu sein.

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