Sprengstoff an abgestürzter Präsidentenmaschine in Smolensk

Militärstaatsanwaltschaft widerspricht Bericht

An der polnischen Präsidentenmaschine, die am 10. April 2010 in der Nähe der russischen Stadt Smolensk abstürzte, sind nach Informationen der polnischen Tageszeitung "Rzeczpospolita" Sprengstoffspuren gefunden worden. An 30 Sitzen und an der Verbindung zwischen Rumpf und Flügel der Maschine seien Spuren von TNT und Nitroglyzerin nachgewiesen worden, schrieb das Blatt. Die polnische Militärstaatsanwaltschaft widersprach.

Der Zeitungsbericht bezog sich auf neue Untersuchungen der Wrackteile durch polnische Experten und durch die Staatsanwaltschaft. Direkt nach dem Absturz, bei dem der damalige polnische Präsident Lech Kaczynski und alle 95 weiteren Insassen des Flugzeugs ums Leben gekommen waren, hatten polnische und russische Ermittler angegeben, das Unglück sei nicht durch Sprengstoff verursacht worden.

In dem "Rzeczpospolita"-Bericht wurde es als möglich bezeichnet, dass die Spuren von TNT und Nitroglyzerin auf Überreste von Sprengstoff aus dem Zweiten Weltkrieg zurückzuführen seien, die in der Umgebung von Smolensk zurückblieben. Der polnische Regierungssprecher Pawel Gras sagte, die Regierung warte auf eine Erklärung der Staatsanwaltschaft, bevor sie sich zu dem Bericht äußern werde.

Lesen Sie auch: Alles über den US-Wahlkampf

Die Militärstaatsanwaltschaft wies den Bericht später zurück. "Es entspricht nicht der Wahrheit, dass Spuren von TNT oder Nitroglyzerin gefunden wurden, weder innerhalb noch außerhalb des Wracks", sagte Sprecher Ireneusz Szelag. Am Absturzort genommene Proben, die für Sprengstoff "charakteristische" Merkmale hätten, könnten auch etwa von Kosmetika stammen und würden noch untersucht.

Viele Polen sind von der gängigen Schilderung des Unglücks nicht überzeugt. Der Untersuchungsbericht vom Juli 2011 machte eine schlechte Ausbildung der Besatzung für den Absturz in dichtem Nebel verantwortlich. Im russischen Untersuchungsbericht wurde der Akzent auf "psychologischen Druck" gelegt, der die Crew zur Landung unter schwierigen Bedingungen veranlasst habe.

Lech Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw ist Chef der rechtspopulistischen Partei Recht und Gerechtigkeit, die einen Untersuchungsausschuss zum Absturz des Flugzeugs im polnischen Parlament durchsetzte. Dieser kam zu dem Ergebnis, die russischen Behörden hätten die Aussagen von Fluglotsen in Smolensk manipuliert, die den Piloten falsche Hinweise gegeben hätten.

Der Absturz war politisch besonders brisant, weil Präsident Kaczynski und seine Delegation auf dem Weg zu einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Massakers von Katyn waren, bei dem im Jahr 1940 tausende polnische Offiziere ermordet worden waren. Die Sowjetunion bestritt über Jahrzehnte die Täterschaft des sowjetischen Geheimdiensts. Erst im Jahr 1990 gestand der Kreml diese ein.

Sehen Sie auch: Feuer in Brooklyn zerstört dutzende Häuser

Feuer zerstört Dutzende Häuser in Queens

Quizaction