Spürst du es auch: Warum wir Blicke im Rücken fühlen

Das Gefühl, beobachtet zu werden, ein Kribbeln im Nacken, man schaut sich um – und die Blicke treffen sich. Warum spüren einige Menschen die Blicke anderer?

Tatsache oder alles nur Einbildung: Können wir Blicke im Rücken wirklich spüren?
Tatsache oder alles nur Einbildung: Können wir Blicke im Rücken wirklich spüren? (Bild: Getty Images)

Eine dunkle Gasse, die junge Frau ist auf dem Weg nach Hause. Plötzlich fühlt sie sich unwohl, dreht sich wie von einer Vorahnung geleitet um – und blickt einer bedrohlich wirkenden Person entgegen. Wir alle kennen solche Szenen, hoffentlich nur aus einem Krimi.

Doch das Phänomen, dass jemand hinter uns steht, wir uns beobachtet fühlen und die Blicke förmlich spüren, hat sicher jeder schon einmal erlebt. Doch warum ist das so, warum können wir Blicke im Rücken spüren?

Viele Theorien, keine Beweise

Theorien, warum wir Blicke scheinbar spüren können, gibt es verschiedene: Ist es ein siebter Sinn, Telepathie, übersinnliche Fähigkeiten? Fakt ist: Wissenschaftlich zu einhundert Prozent bewiesen werden, konnte das Phänomen bislang nicht. Vielmehr vermuten die Forschenden, dass es sich dabei um eine Mischung mehrerer Sinneswahrnehmungen handelt.

Die von manchen Forschenden als Blickwahrnehmung bezeichnete Erfahrung setzt sich wohl zusammen aus unserem Unterbewusstsein, einem Teil selektiver Wahrnehmung sowie unserem Gewissen.

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Unser Unterbewusstsein nimmt tatsächlich viel mehr Reize auf, als wir denken: eine winzige Bewegung aus dem Augenwinkel, der Duft einer Person, das kaum hörbare Geräusch von Schritten. Hinzu kommt die selektive Wahrnehmung unseres Gehirns, das die zahlreichen Situationen, in denen wir uns umgedreht und von niemandem angekuckt wurden, schlichtweg vergessen hat. Die Momente, in denen unser Gefühl des Beobachtetwerdens bestätigt wurde hingegen, erinnern wir – und sehen dies als Bestätigung des Phänomens.

Auch das Gewissen spielt beim Thema Blicke spüren eine Rolle: Tut man etwas Verbotenes oder hat ein schlechtes Gewissen, möchte man dabei nicht ertappt werden. Hast du während deiner Arbeitszeit schon heimlich im Netz gesurft oder online geshoppt, dich dabei verstohlen umgesehen – und dann in die Augen eines*r Kolleg*innen geblickt?

Doch das allein bestätigt die Theorie des siebten Sinns nicht, wie Forschende festgestellt haben. Es kann auch einfach sein, dass der*die Kolleg*in nur deshalb in deine Richtung schaut, eben weil du dich gerade umgedreht hast – und so treffen sich eure Blicke.

Blicke spüren dank stark ausgeprägter Körperwahrnehmung

Tatsächlich scheint es auch Unterschiede zu geben, wer das Phänomen der bohrenden Blicke im Rücken kennt und wer nicht. Dies hat offenbar mit der eigenen Körperwahrnehmung zu tun. Menschen, die ein gutes Körpergefühl und haben, verfügen oft auch über ein ausgeprägtes Gewissen und nehmen ihr Bauchgefühl, ihre Intuition besser wahr, als andere.

Personen, die Reize von außen immerwährend ausblenden, beispielweise durchs Blick aufs Smartphone oder Musik auf den Ohren, sind so abgelenkt und geistesabwesend, dass sie vermeintliche Blicke eher nicht spüren werden.

Andere Menschen hingegen sind "auf Empfang", die gilt zum Beispiel für einige Berufsgruppen wie Polizist*innen oder Therapeut*innen oder Singles auf Partner*innensuche: Sie halten buchstäblich die Augen offen, um Situationen besser einschätzen oder schnell reagieren zu können.

Sprich: Die Sensibilität, Blicke im Rücken spüren zu können, lässt sich in gewisser Weise trainieren, um die eigenen Sinne wieder zu schärfen.

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