"Squid Game": Jugendschutz-Expertin warnt im "Moma" vor "traumatischen Erlebnissen"

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Der Netflix-Serien-Hit "Squid Game" ist derzeit in aller Munde - auch bei besorgten Pädagogen. (Bild: Netflix)
Der Netflix-Serien-Hit "Squid Game" ist derzeit in aller Munde - auch bei besorgten Pädagogen. (Bild: Netflix)

Seit Wochen steht die Netflix-Serie "Squid Game" wegen ihrer negativen Auswirkung auf Kinder und Jugendliche in der Kritik. Wo genau das Problem liegt, erklärte die Medienpädagogin Maya Götz in einer Interview-Schalte mit dem "ZDF-Morgenmagazin".

Sie verteilen Ohrfeigen an Verlierer, sie demütigen und beschimpfen sich ohne Scham: Seit nunmehr einigen Wochen spielen Kinder Szenen aus der brutalen Netflix-Serie "Squid Game" auf Schulhöfen in Deutschland und anderen Ländern nach. Lehrkräfte und Medienpädagogen zeigen sich zunehmend besorgt angesichts dieser Entwicklung. So auch die Medienpädagogin Maya Götz, die das Internationale Zentralinstitut für Jugend- und Bildungsfernsehen in München leitet. Im "ZDF-Morgenmagazin" sprach sie eindringlich über die negativen Folgen der Serie auf Kinder und erörterte die Frage, wie Erwachsene nun reagieren können.

"Squid Game" überschreite diverse Grenzen, erklärte die Medienpädagogin: "Statt Ausscheiden wird eben brutal ermordet." Bei Jugendlichen und Erwachsenen könne dies zu interessanten moralischen und ethischen Überlegungen führen. Die Tatsache, dass Kinder oder gar Vorschulkinder Teile der Serie sehen, sei aber sehr schwierig: "Das sind traumatische Erlebnisse, die werden viele, viele Jahre bei ihnen in Albträumen wieder hochkommen. Das heißt, da haben wir eigentlich das größere Problem. Das wird sich erst auf Dauer zeigen." Hier müsse man Wege finden, wie man in Zukunft damit umgeht.

"Moma"-Moderator Mitri Sirin befragte im ZDF die Jugendschtz-Expertin Maya Götz zum Schulhof-Hype um die Netflix-Serie "Squid Game". (Bild: ZDF)
"Moma"-Moderator Mitri Sirin befragte im ZDF die Jugendschtz-Expertin Maya Götz zum Schulhof-Hype um die Netflix-Serie "Squid Game". (Bild: ZDF)

"Verletzung darf nicht sein. Geschlagen wird hier nicht"

Die Tatsache, dass Kinder das Gesehene durch Nachspielen aufarbeiten, bewertet die Medienpädagogin zunächst als "ganz normal": "Trotzdem lohnt es sich, genau hinzugucken." Es müsse klare Regeln für das Verhalten untereinander geben: "Verletzung darf nicht sein. Geschlagen wird hier nicht." Götz fuhr fort: "Es müssen einfach pädagogische Aktionen daraufhin folgen, um klarzumachen: Hier ist bei uns Schluss, das ist die Fiktion."

"Welche Rolle fällt Eltern ihrer Meinung nach zu", hakte Moderator Mitri Sirin nach: "Was können, was sollten die Ihrer Meinung nach machen?" Sollte das Kind die Serie bereits gesehen haben, so müsse man mit ihm darüber sprechen und gemeinsam nach Wegen der Aufarbeitung suchen, antwortete Götz. Präventiv gelte hingegen die alte Regel: Kindern nicht zu früh ein eigenes Smartphone zu geben.

"In der dritten, vierten Klasse hat jedes Kind bereits ein eigenes Smartphone. Empfehlenswert ist es eigentlich erst ab zwölf". Bei jüngeren Kindern wäre es denkbar, dass diese das Smartphone der Eltern mitbenutzen. So behielten diese im Blick, was der Nachwuchs im Internet so alles treibt. Schulen wiederum seien in der Pflicht, die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu stärken, indem sie aktiv zusammenarbeiten und sagen: "Hier sind die Grenzen, hiervon bekommst du Albträume. Hier ist es stark, wenn du sagst: Nein, das guck ich nicht an."

"Das sind traumatische Erlebnisse, die werden viele, viele Jahre bei ihnen in Albträumen wieder hochkommen", sagte die Medienpädagogin Maya Götz über die Netflix-Serie "Squid Game". (Bild: ZDF)
"Das sind traumatische Erlebnisse, die werden viele, viele Jahre bei ihnen in Albträumen wieder hochkommen", sagte die Medienpädagogin Maya Götz über die Netflix-Serie "Squid Game". (Bild: ZDF)

Ein "Überlebensspiel" als "Unterhaltung"

Die Serie "Squid Game" handelt von einer brutalen Gameshow, in der 456 hoch verschuldete Menschen wie der arbeitslose und wettsüchtige Chauffeur Geong Gi-hun (Lee Jung-jae) teilnehmen und in Spielen aus ihrer Kindheit um einen Millionengewinn, aber auch um ihr Leben kämpfen. Sechs Runden stehen an - und wer eine davon verliert, verliert auch sein Leben. Pro gefallenem Teilnehmer wandert noch mehr Geld in den Jackpot. Inszeniert wird dieses Spektakel von mysteriösen Maskenmännern an einem abgelegenen Ort.

Der Erfolg der südkoreanischen Serie, die als bislang erfolgreichste Netflix-Eigenproduktion gilt, hat viele überrascht - auch Netflix-Chef Ted Sarandos. "Diese globale Beliebtheit haben wir nicht kommen sehen", sagte Sarandos Ende September im Interview mit dem US-Branchenblatt "Variety". Autor und Regisseur Hwang Dong-hyuk hat indes eine Erklärung für den Hype: "Als Überlebensspiel ist sie Unterhaltung und menschliches Drama. Die dargestellten Spiele sind extrem einfach und leicht zu verstehen. Das erlaubt es den Zuschauern, sich auf die Figuren zu konzentrieren", glaubt der Südkoreaner.

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