Städte und Gemeinden befürchten Frust wegen Aufhebung der Impfpriorisierung

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Experten befürchten Frust in der Bevölkerung nach dem Wegfall der Impfpriorisierung

Hausärzte dämpfen die hohen Erwartungen an die Aufhebung der Impfpriorisierung am Montag, Städte und Gemeinden befürchten ein hohes Frustpotenzial in der Bevölkerung, die sehnsüchtig auf eine Corona-Impfung wartet. "Enttäuschung und Frust sind dabei programmiert, da nicht sofort ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Montagsausgabe).

 Das werde sich noch verschärfen, da bis Mitte Juni 2021 – eventuell sogar bis Ende Juni – zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen keine Termine für Erstimpfungen in den Impfzentren zur Verfügung stehen werden", sagte Landsberg. Weil mit der Impfung neben dem Schutz der Gesundheit auch viele Freiheiten wie etwa Reisen ohne Test oder auch Zugang zu Veranstaltungen verbunden seien, "werden sehr viele Menschen schnell einen Impftermin bekommen wollen". Dennoch sei die Aufhebung der Priorisierung richtig gewesen, nicht zuletzt im Hinblick auf die mit der Vergabe von Impfterminen verbundene Bürokratie.

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 Die Erwartungen der Menschen auf eine schnelle Immunisierung dämpfte auch der Hausärzteverband: Für viele werde der 7. Juni ein Tag wie viele andere seit Beginn der Impfkampagne sein, sagte Ulrich Weigelt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben). Der Impfstoff sei "noch immer zu knapp für die hohe Nachfrage und wird auch weiterhin zu unzuverlässig geliefert".

 Gleichzeitig werde mit der Aufhebung der Priorisierung und der Ankündigung der Kinder- und Jugendimpfungen die Nachfrage noch zunehmen. "Aber das Setting wird das Gleiche bleiben: Wir impfen, so viel wir eben können." Um Enttäuschungen unter den Impfwilligen zu vermeiden, sollten sich die Ankündigungen der Politik künftig stärker an der tatsächlichen Umsetzbarkeit der Impfkampagne orientieren und weniger am beginnenden Bundestagswahlkampf, sagte Weigeldt.

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 Auch die Patientenschützer sehen die Aufhebung der Impfpriorisierung kritisch, denn viele besonders gefährdete Menschen seien noch immer nicht geimpft. "Die vom Bundesgesundheitsminister angekündigten 80 Millionen Impfdosen des zweiten Quartals werden reine Illusion bleiben. Daher haben zig Millionen Kranke und Menschen in gefährdeten Berufsgruppen immer noch kein Impfangebot erhalten", sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, der "Rheinischen Post". Das würde Impfneid und Streit fördern.

 Mit der Aufhebung der Priorisierung können sich alle hier lebenden Menschen ab zwölf Jahren nun um einen Impftermin bemühen. Etwas weniger als die Hälfte der Gesamtbevölkerung hat bereits mindestens eine Impfdosis erhalten. Etwa ein Fünftel ist vollständig geimpft. Ziel der Bundesregierung ist es, allen Menschen ab zwölf Jahren bis Ende August Gelegenheit für mindestens eine Impfung zu geben.

 mkü/

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