"Ein Stück deutsche TV-Geschichte": Riesiges Echo auf historische XXL-Sendung von Joko und Klaas

teleschau
·Lesedauer: 4 Min.
Klaas Heufer-Umlauf (links) und Joko Winterscheidt nutzten ihre erspielte Sendezeit, um auf den Pflegenotstand in Deutschland hinzuweisen. (Bild: Screenshot ProSieben)
Klaas Heufer-Umlauf (links) und Joko Winterscheidt nutzten ihre erspielte Sendezeit, um auf den Pflegenotstand in Deutschland hinzuweisen. (Bild: Screenshot ProSieben)

In einer mehrstündigen Sendung und ohne Werbeunterbrechung wiesen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umflauf am Mittwochabend auf den Pflegenotstand in Deutschland hin. Für ihre Aktion ernteten die ProSieben-Moderatoren ein überwältigendes Medienecho.

Ungewöhnliche TV-Aktionen sind für Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf eigentlich keine Besonderheit mehr: Seit 2019 bekommt das Moderationsduo in "Joko & Klaas gegen ProSieben" regelmäßig die Chance, 15 Minuten Sendezeit zur freien Verfügung zu gewinnen. So haben die beiden Moderatoren unter anderem in "Männerwelten" auf sexuelle Belästigung von Frauen hingewiesen oder in "A Short Story of Moria" von den Zuständen in dem abgebrannten Flüchtlingslager in Griechenland berichtet.

Doch am vergangenen Mittwoch sprengten sie diesen Rahmen noch mal: Ab 20.15 Uhr bis tief in die Nacht berichteten die Moderatoren in "Joko & Klaas Live" aus dem Berufsalltag einer Pflegekraft und wiesen auf den Pflegenotstand in Deutschland hin. Gleichzeitig lösten sie mit dem begleitenden Hastag "#nichtselbstverstaendlich" einen regelrechten Sturm auf dem Kurznachrichtendienst Twitter aus.

"Wir haben ProSieben um Unterstützung gebeten", erklären Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf zu Beginn ihrer Sendung. "So was stellt nämlich in so 'nem Sender ein bisschen was auf den Kopf und widerspricht genau genommen jeder Regel des Fernsehens", erläuterte Klaas. Joko ergänzte: "Ein Thema, das uns alle betrifft, mitten aus dem Leben, und dennoch zu oft ganz am Rand der allgemeinen Wahrnehmung." Genau das wollten die beiden ändern.

Die Pflegekraft Meike Ista dokumentierte eine komplette Frühschicht mit der Kamera. (Bild: Screenshot ProSieben)
Die Pflegekraft Meike Ista dokumentierte eine komplette Frühschicht mit der Kamera. (Bild: Screenshot ProSieben)

"Die Situation ist sehr dramatisch"

Bereits am 18. März hatte die Pflegekraft Meike Ista sich eine kleine Kamera umgehängt und ihren komplette Frühschicht im Knochenmark- und Transplantationszentrum der Uniklinik Münster dokumentiert. All ihre Schritte, von der Autofahrt in die Klinik über die ersten Besuche bei den Patienten bis zum Ende ihrer Schicht wurden in Echtzeit und ohne Werbeunterbrechung dokumentiert. Parallel dazu kamen via Splitscreen weitere Pfleger aus anderen Einrichtungen überall in Deutschland zu Wort.

Der Bielefelder Intensivpfleger Ralf Berning etwa wies auf die andauernde Überbelastung hin: Manche seiner Kollegen hätten 23 Tage am Stück, ohne Pause gearbeitet. Das sei "völlig unmenschlich". Als ehemaliger Soldat betont er, dass er lieber nochmal zurück nach Afghanistan ginge, als nochmal eine solche Corona-Welle wie im Herbst zu erleben. Im Durchschnitt, so erfuhr man weiter, dauere es bei Intensivpflegern nur sechs Jahre, bis sie den Beruf aus Belastungsgründen an den Nagel hängten. Während der Corona-Pandemie hätten bislang "bis zu 9.000 Pflegekräften" gekündigt. Infolgedessen stünden somit "immer weniger Intensivplätze" in Krankenhäuser zur Verfügung. "Die Situation ist sehr dramatisch", sagte einer der Protagonisten.

Der zu Beginn der Sendung eingeblendete Hashtag "#nichtselbstverständlich" trendete auf Twitter. (Bild: Screenshot ProSieben)
Der zu Beginn der Sendung eingeblendete Hashtag "#nichtselbstverständlich" trendete auf Twitter. (Bild: Screenshot ProSieben)

Vizekanzler Olaf Scholz reagiert auf Twitter

Doch den Pflegenotstand gebe es nicht erst seit der Pandemie: "Corona ist nicht schuld daran", erklärte eine Pflegerin. "Corona ist das Brennglas, das alles in den Fokus gerückt hat." Was es brauche, seien bessere Bezahlung, mehr Personal und mehr Respekt. Letzteres scheint zumindest am Abend auf Twitter angekommen zu sein: Noch während der Sendung trendeten die Hashtags "#nichtselbstverständlich" und "#JKLive". Unter den Tweets fand sich viel Lob und Anerkennung für die gezeigten Pflegekräfte.

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) etwa twitterte: "Danke @jokoundklaas für diese Sendung! #nichtselbstverstaendlich Und - man kann es nicht oft genug sagen - Danke an alle Pflegerinnen & Pfleger! Ohne sie geht nichts. Antwort auf diese Erkenntnis ist nicht, Beifall zu klatschen. Respekt heißt: gute Löhne & Arbeitsbedingungen."

Dieser Inhalt stammt von einem Drittanbieter. Um diesen anzuzeigen, müssen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.
Dazu hier klicken.
Der Gesundheits- und Krankenpfleger Alexander Jorde wünscht sich bessere Arbeitsbedingungen. (Bild: Screenshot ProSieben)
Der Gesundheits- und Krankenpfleger Alexander Jorde wünscht sich bessere Arbeitsbedingungen. (Bild: Screenshot ProSieben)

Alexander Jorde, einem der in der Sendung gezeigten Pfleger, ging dies allerdings nicht weit genug. In Antwort auf Scholz twitterte er: "Ich will keine Worte mehr, ich will Taten. Die SPD ist Teil der Bundesregierung. Du bist Vizekanzler, Olaf Scholz. Worauf warten wir? Wann, wenn nicht jetzt? Hört auf zu reden. Handelt! Wir haben keine Zeit mehr."

Dieser Inhalt stammt von einem Drittanbieter. Um diesen anzuzeigen, müssen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.
Dazu hier klicken.
Aktuelle und ehemalige Pflegekräfte wie Maike Kümmerle kamen in der Sendung zu Wort. (Bild: Screenshot ProSieben)
Aktuelle und ehemalige Pflegekräfte wie Maike Kümmerle kamen in der Sendung zu Wort. (Bild: Screenshot ProSieben)

Doch auch die Macher der Sendung werden in den sozialen Medien ausreichend gewürdigt. ARTE nannte die Sendung "ein Stück deutsche TV-Geschichte".

Dieser Inhalt stammt von einem Drittanbieter. Um diesen anzuzeigen, müssen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.
Dazu hier klicken.
In der ersten Folge von "Joko & Klaas gegen ProSieben" hatten sich Joko Winterscheidt (links) und Klaas Heufer-Umlauf die Sendezeit erspielt. (Bild: ProSiebenSAT.1 / Stefan Gregorowius)
In der ersten Folge von "Joko & Klaas gegen ProSieben" hatten sich Joko Winterscheidt (links) und Klaas Heufer-Umlauf die Sendezeit erspielt. (Bild: ProSiebenSAT.1 / Stefan Gregorowius)

Und selbst RTL zollte seinem Senderkonkurrenten via Twitter Respekt: "Starke Aktion @prosieben ! Ein beeindruckendes Zeichen für die Pflege! #nichtselbstverständlich #JKLive".

Dieser Inhalt stammt von einem Drittanbieter. Um diesen anzuzeigen, müssen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.
Dazu hier klicken.