Familie Schlecker droht Gefängnis

Anton Schlecker mit Tochter Meike vor Gericht

Im Prozess gegen den insolventen Drogeriegründer Anton Schlecker hat die Staatsanwaltschaft drei Jahre Haft gefordert. Auch für seine beiden Kinder Lars und Meike Schlecker forderten die Ankläger am Montag mehr als zweieinhalb Jahre Gefängnis. Der Prozess vor dem Landgericht Stuttgart hatte im März begonnen. Dem 73-Jährigen werden schwerer Bankrott und das Beiseiteschaffen von Millionenbeträgen vorgeworfen. Seine Anwälte forderten eine Einstellung des Verfahrens oder maximal eine Bewährungsstrafe.

In ihrem Plädoyer versuchten die Staatsanwälte zu beweisen, dass Schlecker spätestens ab Ende 2010 wusste, dass seinem Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit droht. Auch ein Sanierungskonzept hätte wegen fehlenden Kapitals keine Aussicht auf Erfolg gehabt, was dem "Zahlenmenschen" Schlecker bewusst gewesen sein musste, lautete die Argumentation. Schlecker meldete erst im Frühjahr 2012 Insolvenz an, mehr als 25.000 Angestellte verloren ihre Jobs.

Trotzdem habe Schlecker der Logistikfirma seiner beiden Kinder deutlich überhöhte Stundensätze gezahlt und ihr kurz vor der Insolvenz Grundstücke für sieben Millionen Euro übertragen. Die Kinder hätten sich den Kaufpreis der Grundstücke hinterher aus dem Vermögen ihrer Firma wiedergeholt und diese damit in die Insolvenz getrieben. Das Geld zahlten sie erst im Rahmen eines Vergleichs 2013 an den Insolvenzverwalter zurück.

Der Anwalt von Anton Schlecker erwiderte, Schlecker habe erst Mitte 2011 eine "Ahnung" von der drohenden Zahlungsunfähigkeit bekommen. Er habe weiter für sein Unternehmen kämpfen wollen, das er schon aus früheren Krisen geführt habe. Der Anwalt betonte, dass Schlecker bis Januar 2012 alle Forderungen und Löhne beglichen habe.

Reisen und Geschenke an seine Kinder, wie sie die Staatsanwälte ihm für die Zeit nach 2010 vorwarfen, habe es auch davor gegeben. Außerdem habe Schlecker weiterhin mit seinem Privatvermögen für den Konzern gehaftet, obwohl es für ihn ein Leichtes gewesen wäre, sein Vermögen im Ausland in Sicherheit zu bringen. Mittlerweile befindet sich Anton Schlecker in Privatinsolvenz.

Der Zeitpunkt, zu dem Schlecker bewusst war, dass er seinen Konzern mit tausenden Filialen nicht mehr betreiben konnte, ist entscheidend für das Ausmaß des strafbaren Schadens. Zugunsten des Angeklagten wirken laut Staatsanwälten sein hohes Alter und die Eingriffe in seine Privatsphäre durch die Medienberichterstattung. Auch die vier Millionen Euro, die seine Ehefrau und Kinder kürzlich als "Schadenswiedergutmachung" an den Insolvenzverwalter zahlten, hielten ihm die Staatsanwälte zugute. Gegen ihn spräche aber die Höhe der beiseitegeschafften Beträge.

Die Anwälte der Kinder erklärten, dass die Insolvenzmasse durch die von den Staatsanwälten angeklagten Handlungen nicht geschmälert worden sei. Meike Schlecker sagte: "Ich hatte nie die Absicht, jemanden zu schädigen", sagte Meike Schlecker. Am kommenden Montag will das Landgericht sein Urteil verkünden.

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