Staatsmedien: Nordkoreas Waffentest war "Langstrecken-Artillerie"-Übung

Kim Jong Un bei der militärischen Übung vor einer Woche

Die jüngsten nordkoreanischen Waffentests sollen nach Berichten der Staatsmedien in Pjöngjang Teil einer "Langstrecken-Artillerie"-Übung gewesen sein. Das südkoreanische Militär geht hingegen davon aus, dass es sich um zwei ballistische Kurzstreckenraketen handelte. Seoul hatte sich am Montag "zutiefst besorgt" über das Vorgehen Nordkoreas geäußert. In einer ungewöhnlichen Stellungnahme kritisierte die Schwester von Nordkoreas Machthaber Kim Yon Un am Dienstag Seouls Reaktion.

Nach einem Bericht der nordkoreanische Zeitung "Rodong Sinmun" hatte Machthaber Kim die Übung am Montag persönlich beaufsichtigt. Auf Fotos waren Mehrfachraketenwerfer zu sehen sowie mehrere Raketen größeren Kalibers, die von einem Wald aus abgefeuert wurden. Kim habe "große Zufriedenheit" mit den Ergebnissen der Übung geäußert, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA.

Bei den ersten nordkoreanischen Waffentests seit Monaten wurden nach Angaben der südkoreanischen Armee zwei Geschosse von der Gegend der Stadt Wonsan in östliche Richtung abgefeuert. Sie legten demnach eine Distanz von 240 Kilometern zurück und erreichten eine Höhe von 35 Kilometern.

Als ein Zeichen für ihren wachsenden politischen Einfluss nahm nun Kims Schwester Kim Yo Jong Stellung zu Seouls Reaktion. Die Kritik der südkoreanischen Regierung und ihre Forderung nach einem Ende der Tests seien "seltsam", zitierte KCNA die 31-Jährige. Sie sprach demnach von einer "anmaßenden und dummen Aktion", die Nordkoreas "Misstrauen, Hass und Verachtung" für den Süden nur verstärke.

Es ist das erste Mal, dass Kim Yo Jong eine eigene politische Erklärung abgibt. Nach Einschätzung politischer Beobachter wirft dies ein Schlaglicht auf ihre zentrale Rolle in Nordkoreas Machthierarchie.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte zu Jahresbeginn angekündigt, sich nicht mehr an das Moratorium für Atomversuche und Tests von Interkontinentalraketen zu halten. Er drohte auch, dass Nordkorea bald eine "neue strategische Waffe" vorführen werde.

Die Atomverhandlungen zwischen Pjöngjang und Washington liegen seit einem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump im Februar vergangenen Jahres auf Eis. Das international weitgehend isolierte Nordkorea steht wegen seines Atom- und Raketenprogramms unter strikten US- und UN-Sanktionen. Kim hatte nach seinem Moratorium für Atom- und Raketentests vergeblich auf eine Aufhebung von Sanktionen gehofft.

Pjöngjang versuche nun, seine Waffentests zu "normalisieren", indem es die neuen Waffen neben bestehenden Systemen abfeuere und "einfach als Erweiterung von Raketenartillerie-Übungen festlegt", sagte Joseph Dempsey vom International Institute for Strategic Studies.