Stadt Köln informiert Anwohner: 150 Flüchtlinge ziehen bald ins „Bonotel“

Anwohner äußerten Kritik an den hohen Investitionskosten.

„Wer sind unsere neuen Nachbarn?“ – Das wollten rund 40 Zuhörer bei der Informationsveranstaltung wissen, zu der die Stadt in die Europaschule eingeladen hatte. Im August werden voraussichtlich 150 geflüchtete Männer ins umgebaute ehemalige Hotel „Bonotel“ an der Bonner Straße einziehen.

In kleinen Doppelzimmern werden sie wohnen, sie kommen überwiegend aus Syrien, Irak, Iran. Die Männer leben bereits seit ein bis zwei Jahren in Turnhallen und Gemeinschaftsunterkünften, sagte Ursula Adams vom Wohnungsamt. Sie seien also teilweise mit den Gepflogenheiten hierzulande vertraut. Tagsüber seien die Flüchtlinge überwiegend in der Stadt unterwegs, in Sprach- und Integrationskursen oder Praktika, betonte Marita Bosbach vom Deutschen Roten Kreuz, dem Träger der Einrichtung.

Mütter um Kinder besorgt

Die Aufregung um die neuen Nachbarn hielt sich bei der mäßig besuchten Infoveranstaltung in Grenzen, dennoch wurden Sorgen und Kritik geäußert. „Ich lasse meine Tochter abends nicht mehr alleine raus“, sagten zwei Mütter, die in der Nähe des „Bonotel“ wohnen. Vor allem im Sommer seien die Mädchen leicht gekleidet, die Mütter zeigten sich beunruhigt wegen möglicher Übergriffe.

Die Marienburger und Raderthaler hätten sich lieber Familien oder Frauen als neue Nachbarn gewünscht. Dafür sei aber das „Bonotel“ nicht geeignet, sagte Ursula Adams. Meistens seien die Frauen in Begleitung von Kindern, die Doppelzimmer seien zu klein. Es gebe auch keine Außenflächen und Spielmöglichkeiten für Kinder.

Auf keinen Fall dürfe ein „Ghetto“ im „Bonotel“ entstehen, forderte eine Anwohnerin. „Es wäre doch besser gewesen, die Flüchtlinge in einzelnen kleinen Wohnungen unterzubringen als alle gemeinsam in einem Gebäude“, meinte sie. Kritisiert wurden auch die enormen Investitionskosten für das Bonotel in Höhe von 9,2 Millionen Euro.

Bernhard Deschamps, Projekmanager des Adler-Bewachungs- und Sicherheitsdienstes, versuchte den Anwohnern die Angst vor den geflohenen Männern zu nehmen und berichtete aus seiner Erfahrung. „Flüchtlingsunterkünfte, die nur mit Männern belegt sind, sind nicht mehr und nicht weniger problematisch als solche, in denen Familienverbände leben“, sagte er.

Immer seien die Bürger sehr beunruhigt, wenn Unterkünfte von geflüchteten Männern bewohnt würden. So gut wie nie hätten sich die Ängste bestätigt. Ähnliches schilderte Marita Bosbach aus den Turnhallen.

Sicherheitsdienst und Sozialhelfer im „Bonotel“ im Einsatz

Die Adlerwache wird im „Bonotel“ rund um die Uhr für die Sicherheit zuständig sein. Für die Betreuung werden Sozialarbeiter, Sprach- und Integrationshelfer vom DRK und der Stadt sowie Ehrenamtler von den Willkommensinitiativen eingesetzt. Marita Bosbach appellierte an die Bürger, in Dialog zu treten mit den neuen Nachbarn und sie kennen zu lernen. Das sowie das Erlernen der Sprache seien die besten Grundlagen für Integration.

Im Juni 2014 hatte die Stadt das Hotel für 5,8 Millionen Euro ersteigert. Danach stellte sich heraus, dass die Wasserrohre marode waren. In der Folge wurden diese erneuert sowie alle 80 Bäder. Letztlich summierten sich dadurch und durch erhöhten Brandschutz die Investitionskosten auf 9,2 Millionen Euro.

Auch der Einzug der Flüchtlinge verzögerte sich entsprechend. Dennoch sei rein rechnerisch das renovierte Objekt langfristig wirtschaftlich, sagte Ursula Adams. Wie lange das „Bonotel“ Flüchtlingsunterkunft bleibt, ist unklar. Das hängt von der künftigen Entwicklung der Flüchtlingszuweisung...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta